Wanne-Eickel-Historie


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Zwölf-Apostel-Kirche

Gebäude

Die Zwölf-Apostel-Kirche in Wanne-Süd


Das seit Jahren immer stärker werdende Drängen vieler Gemeindemitglieder aus Wanne-Süd und Eickel-Nord, die den Wunsch zu einen engeren Zusammenschluss hatten; denn die bestehenden kirchlichen Einrichtungen waren nicht für den Menschenstrom ausgelegt, der aus dem stark wachsenden Bergbau und die damit einhergehenden Einwohnerzahlen notwendig waren.

So kam es im Jahre 1902 zur Gründung eines "Vereins für kirchliche Interessen Eickel-Nord", dessen Ziel es war, in Wanne-Süd ein neues Zentrum kirchlichen Lebens zu schaffen. Wie wichtig diese war, bewies die Tatsache, dass die katholische Kirchengemeinde es verstanden hatte, in Wanne-Süd eine stattliche Kirche zu bauen (siehe auch: Die katholische Kirchengemeinde St. Joseph). Die Errichtung einer zweiten evangelischen Kirche wurde aber abgelehnt. So entschloss man sich zur Abpfarrung und Gründung einer selbstständigen Kirchengemeinde, die vorerst den Namen Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Wanne-Süd bekam.

Die Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Süd wurde am 1. Juli 1915 aus den Auspfarrungen des 4. Bezirks Eickel-Nord und des Bezirkes von Wanne-Süd gebildet. Am 29. Juli 1915 wurde das neue Presbyterium, bestehend aus acht Presbytern gewählt. Es waren:

Landwirt Lechtape, Gastwirt Stefan, Kaufmann Blanke, Bauunternehmer Heitkamp, Kaufmann Krüger, Landwirt Langebeckmann, Mühlenbesitzer Blankenagel und Reichsbankrat Sack.

Auf Grund des Ersten Weltkrieges wurde vom Bau einer eigenen Kirche Abstand genommen. Dafür wurde auf dem von der Kirchengemeinde Eickel erworbenen Grundstück an der Viktoria-Straße, heute Hauptstraße, Ecke Zeppelinstraße ein Gemeindehaus errichtet, das als Kirche diente. Die Grundsteinlegung des Pfarr- und Gemeindehauses erfolgte am 26. September 1916. Die Entwürfe hierzu stammen vom Kirchbaumeister Fritsche aus Wuppertal-Elberfeld.
(Arno Eugen Fritsche 1858-1939 war ein deutscher Architekt, der insbesondere auf dem Gebiet des evangelischen Kirchenbaus hervortrat).

Blick auf das Gemeindehaus der Zwölf-Apostel-Kirche von der Zeppelinstraße aus gesehen, um 1920.

Im März 1917 konnte das Richtfest gefeiert werden. Infolge der Kriegsjahre wurde das neue Gemeindehaus mit Gottesdienstsaal am 3. März 1918 durch Generalsuperintendent Zöller aus Münster geweiht. Eine neue Kirchenorgel wurde beim Schwelmer Orgelbauer Paul Faust in Auftrag gegeben. Am Sonntag dem 20. November 1931 wurde die 13 500 Mark teure Orgel durch Superintendent Eugen Hussmann aus Gelsenkirchen geweiht.

Ein weiteres großes Gemeindeereignis erfolgte am 22. August 1932 mit dem ersten Spatenstich für den Bau des Kirchturms durch Pfarrer Keinath.

Nachdem der Kirchbauverein verschiedene Angebote geprüft hatte, vergab die Kirchengemeinde Wanne-Süd am 9. August 1932 der Baufirma Hinz und Köring den Auftrag zum Bau des Kirchturms, unter der Leitung von Architekt Georg Gobrecht.

Zeitgleich wurde die Kirchenkommission beim der Gussstahlfabrik Bochumer-Verein vorstellig, hatte man doch von einer besonderen Glocke, die 1902 für die Düsseldorfer Industrie-Ausstellung angefertigt wurde, gehört. Vor Ort wurde die noch hängende Glocke vorgeläutet. Von der majestätischen Klangfülle war die Kirchenkommission beeindruckt und erwog, zu dieser Glocke zwei kleinere Glocken gießen zu lassen. Für das Geläut stiftete der Männerverein 10 870 Mark.

Am 27. Oktober 1932 fuhren 160 Gemeindemitglieder zur Glockenabnahme nach Bochum. Mit der Stimmgabel überzeugte man sich vom melodischen Dreiklang.

Die größte Glocke hat einen Durchmesser von 2,36 Meter mit einem Gewicht von 108 Zentner. Sie trägt die Inschrift:
"Kommet, denn es ist alles bereit" auf der Vorderseite, und auf der Rückseite: "Ob bei uns ist der Sünde viel, bei Gott ist viel mehr Gnade".

Die mittlere Glocke wiegt 67 Zentner und hat einen Durchmesser von 1,78 Meter. Sie trägt auf der Vorderseite die Inschrift:
"Ehre sei Gott in der Höhe" auf der Rückseite steht: "Die drei Glocken stiftete 1932 der Evangelische Männerverein Wanne-Süd".

Die kleinste Glocke wiegt 53 Zentner und hat einen Durchmesser von 1,00 Meter. Als Inschrift auf der Vorderseite hat man gewählt:
"O Land, höre des Herrn Wort" auf der Rückseite: "Wachet auf, ruft uns die Stimme".

Auf zwei Pferdefuhrwerken wurden die Gussstahlglocken nach Wanne-Süd transportiert. Die Glockenweihe erfolgte am 28. November 1932 durch Pfarrer Keinath.


Am 27. Oktober 1932 fuhren 160 Gemeindemitglieder nach Bochum zur Glockenabnahme.

Hahn und Kreuz für den neuen Kirchturm wurden am 3. Dezember 1932 geliefert. Die gesamte Höhe dieses dreiteiligen Aufbaues betrug 3,95 Meter; 1,40 für den Fuß, 1,55 Meter der Hahn und 1,00 Meter das Kreuz. Am 5. Dezember 1932 werden Hahn und Kreuz - sie wiegen zusammen 2 Zentner in einem Festgottesdienst von Pfarrer Keinath geweiht.

Am 15. Januar 1933 fand die Einweihung des Kirchturms mit den neuen Glocken statt.

Das Pfarr- und Gemeindehaus sowie der Kirchturm wurden in Klinkerbauweise errichtet. Ihre Bauformen wurden inspiriert vom Backstein-Expressionismus jener Zeit.


Blick auf das Gemeindehaus mit Kirchturm von der Zeppelinstraße aus gesehen, um 1952.

Blick auf den Kirchturm, aufgenommen im Frühjahr 2014.

Zum 450. Geburtstag des Reformators Martin Luther stellt im Herbst 1933 die Kirchengemeinde Wanne-Süd auf dem Kirchenvorplatz die Lutherbüste vor der gepflasterten Lutherrose auf (siehe auch: Die Lutherbüste vor der Zwölf-Apostel-Kirche in Wanne-Süd).

Gruppenbild einer Hochzeitsgesellschaft auf dem Kirchenvorplatz vor der Lutherbüste, aufgenommen um 1952.

Gruppenbild des Presbyteriums der Zwölf-Apostel-Kirche. Stehend von links: Wiemhoff, Schade, Schötz, Pfarrer Keinath, Sommer, Sauer. Sitzend von links: Krüger, Blankenagel, Stefan Hilgers, Klimkeit.

Im Zweiten Weltkrieg wehte ein "rauer Wind" um den Kirchturm. Nach etlichen Fliegerangriffen wurde in der Mittagsstunde zum 18. Februar 1945 der Kirchsaal der Zwölf-Apostel-Kirche in Wanne-Süd durch Fliegerbomben total zerstört. Nur der Kirchturm überstanden alle Angriffe unbeschadet.

Drei Jahre lang fand nun der Gottesdienst in dem notbedürftig hergerichteten Konfirmandensaal und im Pfarrhaus statt. Unter schwierigsten Verhältnissen konnte der Kirchsaal wieder aufgebaut werden. Nach fünf Jahren, genauer gesagt am 4. Februar 1950 wurde er seiner Bestimmung übergeben.


Blick auf das Gemeindehaus, Zeppelinstraße 1, aufgenommen im Frühjahr 2014.

Blick auf das Gemeindehaus von der Hauptstraße aus gesehen, aufgenommen im Frühjahr 2014.

Waren die Gemeindemitglieder bis her gezwungen, in Ermangelung einer echten Kirche provisorisch das Gemeindehaus für den Gottesdienst zu nutzen so änderte dieses sich im Jahre 1962 mit der Fertigstellung des neuen Gotteshauses. Das Bauwerk wurde vom Architekten Schröder aus Essen entworfen. Das neue Gotteshaus bildet mit dem sogenannten Kreuzgang, der zugleich die Verbindung zum Kirchturm und zur bisherigen Bebauung schafft, ein ansprechendes Ensemble.

Blick auf den Kirchturm mit dem sogenannten Kreuzgang.


Das Gotteshaus bietet für 400 Gemeindemitglieder einen Sitzplatz und zeichnet sich in der Wahl der Bauelemente durch Schlichtheit aus. Die optische Wirkung wird verstärkt durch eine moderne Formgebung. Die Wände des Innenraums sind mit handgeformten Ziegeln verkleidet worden. Das Licht fällt durch eine hohe, schmale Fensterwand an der Ostwand auf den Altarraum.

Ansicht des 1962 eingeweihten Gotteshauses. Durch eine schmale lange Fensterwand fällt das Licht auf den Altarraum.

Der Altar wirkt durch den italienischen Granit "Serpentin" erhaben. Über dem Altar hängt der vom heimischen Künstler Bruno Unkhoff (1931-2002) geschaffene Christuscorpus aus Polyester (siehe auch: Ein Künstler mir drei Leben).

Blick auf den Altar gefertigt aus italienischen Granit.

Der Altarraum wird beherrscht von dem Christuscorpus, den Bruno Unkhoff geschaffen hat.

Der aus dem Jahre 1650 stammende Taufstein, der früher in der alten Dorfkirche in Eickel stand, steht vor einem Glasfenster entlang der Martinistraße in der Außenwand des als "Taufkapelle" nachempfundenen Seitenschiffes unter der Empore.





















Der Taufstein aus dem Jahre 1650, vor einem Glasfenster die christlichen Symbole Taube, Regenbogen und Wasser darstellen. Der Regenbogen steht für Gottes Bund mit den Menschen. Die Taube ist ein Symbol für den Heiligen Geist und das Wasser erinnert an die Taufe.

Die Empore wird von der wuchtigen Orgel beherrscht. Beim Neubau wurden Elemente der alten Orgel verwandt. Sie ist um das Doppelte auf 25 Register und 1728 Orgelpfeifen vergrößert worden.

Blick auf die Orgel mit ihren 25 Register und 1728 Orgelpfeifen.

Die Glasfenster der Kirche zeigen biblische Motive, so zum Beispiel den brennenden Dornbusch, in welchem Gott sich selbst an Mose offenbarte, als er ihm seinen Auftrag gab oder die christlichen Symbole Regenbogen, Taube und Wasser. Der Regenbogen steht für Gottes Bund mit den Menschen. Die Taube ist ein Symbol für den Heiligen Geist und das Wasser erinnert an die Taufe. Die Stilisierte Darstellung des Auges der Vorsehung, auch allsehendes Auge, Auge Gottes oder Gottesauge genannt. Es ist ein Symbol, das gewöhnlich als das Auge Gottes interpretiert wird, das alles sieht. Das Ewige Licht dient als Symbol zur Erinnerung an die ständige Gegenwart Gottes: Gott ist hier - in diesem Raum. Die Fensterwand der Ostseite ist eine freie Komposition.



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Am 1. Januar 2009 wurden die bislang selbstständigen Gemeinden Wanne-Mitte, Wanne-Süd und Wanne-West zu einer großen evangelischen Kirchengemeinde mit rund 7300 Gemeindemitgliedern zusammengelegt. In der Christuskirche, in der Zwölf-Apostel-Kirche und in der Auferstehungskirche finden weiterhin Gottesdienste statt. Die Gemeindearbeit verteilt sich auf zwei Pfarrbezirke und wurde von Pfarrer Dr. Frank Weyen (Süd) und Pfarrer Kurt Blecher (West) übernommen. Nach der Neustrukturierung der Kirchenkreise wurde Anfang 2010 eine neue Matthäus-Kirchengemeinde-Wanne gegründet und umgewandelt.


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Quellennachweis:
Festschrift zur 350jährigen Feier der evangelischen Kirchengemeinden Eickel und Crange mit ihren Tochtergemeinden Wanne, Röhlinghausen, Hordel, Wanne-Süd und Buer-Resse, nebst Holsterhausen. Wanne-Eickel im Oktober 1927.
Festschrift, 45 Jahre: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Süd. Wanne-Eickel im August 1958.
Tagespresse WAZ aus den Jahren 1962, 1992 und 2002.

Weitere Infos unter: www.youtube

Fotonachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.



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