Wanne-Eickel-Historie


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Zwei wiehernde Wildpferde

Denkmäler

Zwei wiehernde Emscherbrücher Wildpferde


Am Zugang zur Hauptverwaltung der Bauunternehmung Heitkamp an der Langekampstraße 36, wurden am 3. Mai 1985 zwei in Bronze gegossene wiehernde Wildpferd auf einem Findling montiert, aufgestellt. Den Auftrag hierzu vergab der Bauunternehmer Robert Heitkamp (1915-1998). Die Skulptur stammt von dem Bildhauer Wolfgang Oester aus Herborn im Lahn-Dill-Kreis. Sie symbolisieren die Wildpferde die vor mehreren Jahrhunderten im Emscherbruch lebten und alljährlich in Crange gefangen und auf dem Pferdemarkt zum Kauf angeboten wurden.


Die Skulptur „Wiehernde Wildpferde“ auf einem Findling montiert.


Historische Anmerkung

Zum Leben der Wildpferde ist zu sagen, dass sie in freier, nicht eingegatterter Wildbahn durch den Emscherfluß begrenzt, lebten und sich wie Rotwild zusammen rudelten. Der Emscherbruch zwischen Waltrop und Bottrop war durchschnittlich 6 km breit und 25 km in der Ost-West-Ausdehnung, also 150 qkm (10 000 ha – 40 000 Morgen) groß. Das kleine Crange im Bruch war der Ort, in dem alljährlich am 9. August, am Tag vor Laurentius, die von Hunderten von Treibern beritten und zu Fuß eingetriebenen Wildpferde gebrannt, geschnitten und verkauft wurden. Auf einer von der Emscher gebildeten 10 a großen Halbinsel fand der Verkauf statt.

Man unterschied zwei Arten – oder auch Schläge – von Emscherbrücher Wildpferde, von denen aber nur eine besonders interessierte. Ihr Aussehen: gedrungener, untersetzter Körperbau, mit stark gewölbtem Brustkorb, etwas schmale Schulterlage, daher auch gesenkte Lage des Schultergelenks, woraus sich das Stampfen erklären lässt. Gut entwickelte Muskeln und kräftige Sehnen an den Beinen. Das Wildpferd hatte hohle und feste Hufe, die des Beschlagens kaum bedurfte. Es hatte einen breiten, kraftvollen, geraden Kopf mit besonders stark hervortretenden Augenbogen, einen starken Unterkiefer, mächtige Kaumuskeln und weite Kinnladen, deshalb wurde der Emscherbrücher im Volksmund auch „Dickkopf“ genannt. Seine Schopfmähne und Schweifhaare waren mächtig und fast borstenartig, dick und riffelförmig gekräuselt. Das Körperdeckhaar sehr dicht und zur Sommerzeit noch länger als bei anderen Pferden im Winter.

Das natürliche Recht an den Wildpferden im Emscherbruch stand dem Landesherrn, später den Rittergutsbesitzern und den Gemeinden zu. Die Pferdebestände waren, wie heute die Wildbestände, im Einzelnen bekannt. Für Crange wurde als berechtigtes Rittergut der Besitzer Rump, von Landsberg Gemen genannt. Für die Besitzer Dorneburg der Besitzer Unze-Leppler. Somit war der uralte Mittelpunkt westfälischer Wildpferdezucht, Jahrhunderte lang Crange an der Emscher.



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Quellennachweis: Devens, Friedrich, Karl: Das deutsche Roß in der Geschichte, in Sitte Sang und Sage. Die Wildpferdezucht
im Emscherbruch. S. 19 ff. WAZ vom 8. Mai 1985.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig



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