Wanne-Eickel-Historie


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Zurück zur Natur

Bergbau

Von der Zechenbrache zur Grün- und Naherholungsfläche Königsgrube


Am 15. September 1990 wurde das nahezu 40 Hektar große Areal der ehemaligen Zeche Königsgrube durch einen kleinen Tunnel, der unter der Günnigfelder Straße hindurchführt, mit der Fläche der ehemaligen Zeche Hannover auf Bochumer Gebiet verbunden, seiner Bestimmung übergeben. In einer Broschüre mit dem Titel: „Zurück zur Natur“ heißt es zur Einweihung des „Königsgruber Parks“:

1985 beschlossen die Politiker mit dem „Grünordnungsplan Königsgrube“ die naturnahe Umgestaltung des ehemaligen Geländes der Zeche Königsgrube.
Die natürliche Entwicklung sollte das bestimmende Element für die gesamte Grünplanung sein. Allen Beteiligten war klar, dass keine „Parkanlage“ im herkömmlichen Sinne entstehen sollte, sondern eine Grünfläche, in der die natürliche Entwicklung mit ihrer selbstregulierenden Kraft vorherrschen soll.
Die in folgenden Jahren durchgeführten Maßnahmen sind dieser Konzeption gefolgt. So sind, um die natürliche Entwicklung nicht zu gefährden, Wegeführungen und Wegeflächen auf das Notwendigste beschränkt worden. Dennoch wurde für die erholungssuchenden Röhlinghauser erreicht, dass alle angrenzenden Straßen angebunden und behutsam miteinander verknüpft wurden. Die sparsame Wegführung, die den Pflanzen und Tieren „ökologische Nischen“ belässt, hat ein Nebeneinander von Erholungsnutzung, Biotopschutz und Biotopentwicklung möglich gemacht.
So sind mit Hilfe der Naturschutzverbände und unter Teilnahme der Röhlinghauser Bevölkerung Bereiche auf dem Gelände entstanden, die mit ihren baum- und strauchfreien Flächen, wie Mähwiesen, Wildstaudenflure sowie Brachflächen vorwiegend dem Spaziergänger und dem Naturbeobachter dienen.
Mit den umgesetzten Maßnahmen auf der Königsgrube wurde ein Schritt vorwärts in Richtung „Zurück zur Natur“ getan.


"Grüngestaltung Königsgrube" hieß der Flyer, der den Röhlinghausern am 15. September 1990 überreicht wurde. Das Grün eingezeichnete Areal der ehemaligen Zeche Königsgrube (Königsgruber Park) ist nahezu 40 Hektar groß. Dies konnte mit Hilfe des Landes, vor allen des Städtebauministers Christoph Zöpel, die eine Abkehr von der bisherigen Planung möglich machte, umgesetzt werden. Mit dem "Grundstücksfonds Ruhr" gelang der Ankauf der Industriebrache, mit dem "Haldenbegrünungsprogramm" und der "Wohnfeldverbesserungmaßnahme" wurde die Umgestaltung des Geländes finanziert.

Aber bis dahin war es ein mühevoller und steiniger Weg. Lange Zeit war Röhlinghausen in der Randlage vernachlässigt worden. Probleme kennzeichneten das Leben im Stadtteil.

Nachdem die Stadt Wanne-Eickel für das Königsgruber Gelände „Grün“ vorsah, änderte sich diese Absicht mit der Zusammenlegung der Städte Herne und Wanne-Eickel im Jahre 1975. Widerstand im Stadtteil regte sich aufgrund der Absicht, Bergematerial des Bergbaus auf Teilen des Geländes abzuschütten sowie einen anderen Teil für Wohnbebauung vorzusehen. Auf Initiative des SPD-Ortsvereins und seiner beiden Stadtverordneten Eduard Kaszyda und Arnold Voß begann sich der Widerstand im Stadtteil zu formieren. Schon bald wurde der Kampf gegen eine Anhaldung und für die Begrünung des Geländes von der gesamten Bevölkerung im Stadtteil getragen. Die ins Leben gerufene Bürgerinitiative wurde u.a. von Helmuth Kessen, Ursula Scheer und Paul Drutschmann geführt.



Veranstaltung vor dem Hinterhaus der früheren Markenkontrolle der Zeche Königsgrube, auf der Bühne sind die beiden Röhlinghauser Stadtverordneten Arnhold Voß (links) und Eduard Kaszyda (rechts).


Der damalige Bezirksvorsteher und heutige Oberbürgermeister Horst Schiereck hatte manche erregte Debatte in der Bezirksvertretung Eickel zu leiten, bis sich die Röhlinghauser Bevölkerung mit ihrem Wunsch nach „Gesamtgrün auf Königsgrube“ durchgesetzt hatte. Mit der Überschrift: „In der Königsgrube fehlt nur noch der Schäfer mit seiner Herde“ beschreibt neun Monate später, nach der offiziellen Eröffnung, die WAZ ein wahres Paradies, auf das alle Röhlinghauser Bürger heute mit viel Stolz blicken. Der Artikel beschreibt den „Königsgruber Park“, wie er von den Röhlinghausern liebevoll genannt wird, wie folgt:

Sicher, es gab nicht wenige, die ganz was anderes viel lieber mit dem Gelände der einstigen Zeche Königsgrube vorhatten; und heute gehen dort auch die gerne spazieren, die das eigentlich nie wollten.
Ein Sparziergang durch das Königsgruber Gelände zwischen Edmund-Weber-Straße und Stadtgrenze in Richtung Bochum-Wattenscheid lohnt sich und kann durchaus erholsam sein. Wer noch nicht dagewesen ist, etwa, weil er in Crange oder Unser Fritz wohnt, sollte das gelegentlich nachholen.
Der Besucher findet eine artenreiche Krautflora vor, die zahlreichen Vögeln als Rückzugs- und Brutbereich dient. Insekten, Amphibien und Reptilien fühlen sich ebenso wohl wie etwa Höhlenbrüter und Fledermäuse, die den alten Lokschuppen im nördlichen Teil des Parks als Zuhause angeboten bekommen.
Dabei ist die Landschaft selbst keineswegs eintönig. Sanfte Hügel machen gespannt auf das, was hinter dem Horizont zum Vorschein kommt. Bisweilen fehlt nur noch der Schäfer mit seiner Herde; die Flora mit ihrem Strauchwerk erinnert hier und da tatsächlich ein bisschen an die Lüneburger Heide.


Der alte Lokschuppen aufgenommen im Jahre 1965. Er befindet sich im nördlichen Teil des heutigen Parks.

Der alte Lokschuppen im Sommer 2009. Er ist heute Rückzugs- und Brutbereich für Fledermäuse und Höhlenbrüter.

Das einstige Zechengelände erinnert heute fast an eine Heidelandschaft. Soweit das Auge reicht, die Krautflora im Königsgruber Park ist sehr vielfältig.

Jenseits der Stadtgrenze befindet sich die ehemalige Zeche Hannover. Der wuchtige Malokowturm von 1858 erinnert mit dem angrenzenden Machinenhaus und der Dampffördermaschine von 1893 an den Pütt, der 1973 stillgelegt wurde. Heute ist die Zechenanlage ein Standort des Westfälischen Industriemuseums des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Durch einen kleinen Tunnel, der unter der Hordeler- bzw. Günnigfelder Straße hinüberführt, können Fußgänger und Radfahrer von hüben nach drüben und von drüben nach hüben gelangen.

Der ehemalige Schacht Ernestine wurde im Jahre 1856 geteuft. Der Schacht wurde 1937/38 als alleiniger Wetterschacht ausgebaut. Die Bilder zeigen das Entgasungsventil. Auf dem Schild stehen die genauen Lagekoordinaten des Schachtes und der Durchmesser.


Der ehemalige Schacht Luise wurde im Jahre 1856 geteuft. Die Bilder zeigen das Entgasungsventil. Auf dem Schild stehen die genauen Lagekoordinaten des Schachtes und der Durchmesser.


Der ehemalige Schacht Gustav wurde im Jahre 1903 geteuft. Er hatte eine kreisrunde Schachtscheibe. Die Bilder zeigen das Entgasungsventil. Auf dem Schild stehen die genauen Lagekoordinaten des Schachtes und der Durchmesser.

Das DRK-Altenhilfezentrum am "Königsgruber Park", Bergmannstraße 20 in Röhlinghausen, liegt auf dem ehemaligen Zechengelände der Königsgrube. Hier befindet sich auch die Dauerausstellung "Röhlinghausen und die Zeche Königsgrube".

Die Erinnerung wachzuhalten, hat sich die Ausstellung zum Ziel gesetzt. Die Gesellschaft für Heimatkunde und das Deutsche Rote Kreuz Wanne-Eickel haben in Zusammenarbeit mit der NRW-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege das Projekt erstellt, welches von der NRW-Stiftung sowie der Herner Sparkasse gefördert wurde.

Die Ausstellung stellt neben der geschichtlichen Aufarbeitung und Dokumentation des Ortsteils Röhlinghausen und der Zeche Königsgrube Beiträge zur Herkunft, Integration und Lebenssituation von Migranten und Aussiedlern bis in den heutigen Tag dar.

Zur Geschichte Röhlinghausen ist zudem von Heinrich Lührig und Gerhard Schmitz das Buch "Röhlinghausen Wanne-Eickel III" erschienen, das zum Preis von 19,50 Euro im Buchhandel erworben werden kann.

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Quelle: Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, 2. erweiterte Auflage, Herne 1997, S. 55 ff.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig, Karte aus dem Kataster- und Vermessungsamtes der Stadt Herne, 1990.



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