Wanne-Eickel-Historie


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Zeit-Räume 1954-1962

Pressespiegel

Alle Wege führen nach Wanne-Eickel


"Wanne-Eickel, eine Stadt im Ruhrgebiet" zeigt Video- und Fotosequenzen aus 1954 bis 1962.Sie stammen vom Amateurfilmer Hans-Dieter Abring und wurden von Heinrich Lührig bearbeitet.

Wanne-Eickel, eine Stadt im Ruhrgebiet: Auch diese Szene, die das DVD-Cover ziert, entstand in den Jahren 1954 bis 1962.

Es ist noch nicht lange her, erst ein paar Dekaden, aber der Film über das Wanne-Eickel der 50er und 60er Jahre, er wirkt wie ein Blick in ganz andere Zeiten. Die Bilder von gigantischen Industrieanlagen, von grasenden Ziegen, den so genannten "Bergmannskühen", den blühenden Kleingärten im Schatten rauchender Schlote und sich drehender Förderräder, für Ältere sind sie Erinnerung. Beim jüngeren Zuschauer mag sich hingegen ein komisches Gefühl einstellen: Die Bilder vom alten Ruhrgebiet sind, ähnlich wie Aufnahmen von den Häuserschluchten New Yorks oder den Regenwäldern Südamerikas: vertraut und doch fremd. Bilder, die man schon oft gesehen hat, deren Motive man aber doch nicht wirklich kennt. Der Film "Wanne-Eickel, eine Stadt im Ruhrgebiet" widmet sich den Jahren 1954 bis 1962, zeigt Aufnahmen einer Welt, die es im Revier nur noch vereinzelt gibt. Sie stammen aus einer Zeit, als jeder dritte Wanne-Eickeler vom Bergbau lebte, weitere 10 000 vom Bahnhof. Als der Binnenhafen einer der größten Deutschlands war und der verhaltene Wohlstand Wanne-Eickel zur Großstadt machte. Es gibt wahrlich viel zu sehen und zu bestaunen in dem halbstündigen Streifen: Erinnert wird in einigen Sequenzen beispielsweise an die "Asthma-Brücke", die beide Teile von Röhlinghausen miteinander vereinte. Die Brücke war häufig wegen ausdünstender Kohle von Gasen umnebelt, daher kam es bei denjenigen, die sie querten, nicht selten zu Hustenanfällen. Besonders schlimm für Bergleute. Riesige Kräne, "krumme Hunde" genannt, säumen den Westhafen, der Schiffe mit Baumaterialien empfängt, mit Kohle beladene Kähne wieder in Richtung Seehäfen entlässt. Ja, ja: Alle Wege führen nach Wanne-Eickel - der Kommentator kann es nicht oft genug sagen. Zwischendurch eine wohlgereimte Liebeserklärung des Heimatdichters Fred Endrikat, daneben die "Stadt im Grünen", die sich seinerzeit wegen der Wilhelmsquelle gar mit dem Zusatz "Bad" schmücken durfte. Und dort, wo ansonsten hart gearbeitet wurde, da durfte natürlich auch gefeiert werden: Cranger Kirmes 1958, fünf Tage lang war's von mittags bis spät in die Nacht rappelvoll auf dem Platz. Die Sensation: Das 23 Meter in die Höhe ragende Riesenrad. Und am Ende gratuliert der damalige Oberbürgermeister Edmund Weber den Eltern von Rüdiger Klaus, der am 21. April 1955 als 100 000. Bürger Wanne-Eickels im St. Josefs-Hospital das Licht der Welt erblickte.
"Der Film ist in der Tat eine Liebeserklärung an diese Stadt", sagt Heinrich Lührig. Der Heimathistoriker ist dafür verantwortlich, dass die privaten Videosequenzen des ambitionierten Amateurfilmers Hans-Dieter Abring nun als Zusammenschnitt erschienen sind. Abring (1934 - 2000), Mitbegründer des Foto- und Filmclubs Wanne-Eickel, gelang mit diesen Aufnahmen auch ein Dokument der Wirtschaftswunderjahre. Mit einer Nizo doppelacht war er unterwegs, filmte Kumpel, Kirmes und Kopfstein auf der Hauptstraße.

Lührig wurde bereits in den 70er Jahren auf diese Filmszenen aufmerksam. Die Qualität der über 40 Jahre alten schwarz-weißen Bilder ist unterschiedlich, einige sind gestochen scharf, andere etwas verblasst.




Heinrich Lührig präsentiert somit einmal mehr die lokale und regionale Geschichte in ansprechender Form. Die bewegten Bilder scheinen gut anzukommen: Bei der Premiere des Films im Haus am Grünen Ring waren noch mehr Zuschauer als bei der Uraufführung seines letzten Streifens im Jahr 2007. Es wird für Lührig wohl nicht die finale Gelegenheit gewesen sein, Archivmaterial für eine DVD zu nutzen: "In vielen alten Filmrollen", sagt er, "verbergen sich wahre Schätze."


WAZ vom 19. Juli 2008



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