Wanne-Eickel-Historie


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Zeit-Räume 1942-1953

Pressespiegel

Pferdewürste auf "Fresskirmes"


Im Sommer des Jahres 2006 war das wertvolle zeitgeschichtliche Dokument urplötzlich aufgetaucht, ein Jahr später feierte der Film Premiere im Haus des Kasinovereins Unser Fritz: Auf dem Dachboden eines unbekannten Hobbyfilmers waren Sequenzen eines Streifzuges durch das Wanne-Eickel der 40er und 50er Jahre gefunden worden. Heimatforscher Heinrich Lührig von der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel nahm sich des Streifens, der vermutlich im Doppelacht-Verfahren gedreht worden war, an und bearbeitete das Material. Aus etwa einer Stunde Film kopierte er 30 Minuten heraus und sprach die fachkundigen Kommentare zum Gezeigten.

Was dabei herausgekommen ist, wurde jüngst auch auf dem 15. Festival für Video und Film "Blicke aus dem Ruhrgebiet" im Bahnhof Langendreer in Bochum präsentiert. Und das mit einem außerordentlich guten Erfolg, wie Heinrich Lührig feststellen durfte. Der Film mit dem Titel "Mit der Kamera unterwegs 1942 bis 1953" musste natürlich außer Konkurrenz laufen, da der Wanner Heimatforscher ja nicht selbst als Autor, sondern als Regisseur auftritt. Lührig: "Die Experten jedenfalls waren geradezu begeistert, daher bin ich auch recht stolz auf den Beitrag."

Das Ganze ist ihm umso wichtiger, da das, was Amateurfilmer in früheren Zeiten gedreht haben, oft verloren geht und so keinen Zugang zu Archiven findet. In diesem Fall war es glücklicherweise anders. In dem Film geht es nicht um "große historische Momente", vielmehr werden die normalen Dinge des Lebens angesprochen, in denen sich die Ereignisse zu jener Zeit in Wanne-Eickel widerspiegeln. Der Schwarz-Weiß-Streifen in recht ordentlicher Qualität zeigt Wanne-Eickel zum Beispiel als aufstrebende Industriestadt in den 40er Jahren mit Bergbau, Hafenanlagen und Güterbahnhof ("Stadt der 1000 Züge").

Eindrücke gibt es etwa von der Zeche Königsgrube mit ihren gewaltigen Kühltürmen und von der Zeche Hannover I/II, zwischendurch erscheint der Hüller Bach in dichten Nebelschwaden. Die Kamera schwenkt auf den Westhafen und auf die Schleusen, seinerzeit zogen noch Lokomotiven die Kähne in die Becken und wieder heraus. Der 2. Weltkrieg mit seinen verheerenden Folgen steht ebenso im Blickpunkt des Interesses: Am 10. Juni 1943 erlebte die Stadt einfürchterliches Bombardement, das zahlreiche Todesopfer forderte. Die Szenen wurden übrigens direkt nach dem Luftangriff aufgenommen - was seinerzeit eigentlich verboten war.

Am 9. April 1945 kapituliert Wanne-Eickel, viele Gebäude liegen in Schutt und Asche. Es beginnt die Zeit des Wiederaufbaus, auf der Hauptstraße, auf der "Renne", wie man seinerzeit sagte, gab es in den Folgejahren wieder etwas zu kaufen. Aber: Wer hat so viel Pinke, Pinke, wer hat so viel Geld? Dann der 5. August 1948: Fünf Tage Cranger Kirmes, damals als "Fresskirmes" tituliert, denn die Menschen hatten einen enormen Nachholbedarf. Pferdewürste gab's unter anderem zu essen.

Am Schluss des Films, nach einigen Szenen von einem Ballon-Start auf dem Gelände des Luftsport-Clubs Wanne-Eickel, geht's schließlich um die Auswirkungen des so genannten Wirtschaftswunders: Die Marktstände sind im Jahr 1952 wieder bestens gefüllt, Wünsche gehen in Erfüllung.

WAZ vom 29. November 2007

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Heimatforscher Heinrich Lührig hat das Material eines unbekannten Hobbyfilmers bearbeitet. Es ist ein Streifzug durch Wanne-Eickel in den Jahren 1942 bis 1953. Der Film war jetzt auf dem 15. Festival für Video und Film, im Kino Endstation, Bahnhof Bochum-Langendreer zu sehen.

Fotonachweis: WAZ-Foto, Ute Gabriel


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