Wanne-Eickel-Historie


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WOLFGANG SCHLOTT

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Herz und Hand für Motive aus dem Ruhrpott


Dem Umstand, dass seine Mutter während der Kriegstage im Sauerland evakuiert war, hat Wolfgang Schlott es zu „verdanken“, dass er nicht im Ruhrgebiet, sondern im August 1943 im Kohlberghaus in Dahle bei Altena geboren wurde. In Wattenscheid-Höntrop aufgewachsen, ist er aber trotzdem ein echter Junge aus dem Revier.

Sein künstlerisches Talent vererbte ihm sein Vater, der vor dem Krieg ein in Deutschland bekannter Kirchenmaler war. Den ersten systematischen Zeichenunterricht erhielt Schlott bei dem namhaften Kunstlehrer Werner Habig am Wattenscheider Gymnasium, das er ab 1954 besuchte. An den Famous Artists Schools studierte er Gebrauchsgrafik. Eine Ausbildung zum Schauwerbegestalter und einige Jahre der Erfahrungen in Werbeabteilungen großer Kaufhäuser folgten. Im Nestlè-Konzern verbrachte er in der Markenartikel-Werbung, bei der Verkaufsförderung und im Vertrieb 38 Jahre seines beruflichen Lebens.

Nachdem er jahrelang – neben seiner kommerziellen grafischen und gestalterischen Arbeit – eine Vielzahl von Bildern und Gemälden in allen Techniken nur für Freunde und Verwandte gemalt hatte, trat er erstmals 1974 mit einer Ausstellung in Essen-Werden an die Öffentlichkeit. Der damalige Erfolg und die positive Kritik von Fachleuten der Folkwangschule spornten enorm an.

Während zahlreicher Studienreisen durch ganz Europa und bei unermüdlicher Arbeit eignete er sich weitere künstlerische Fähigkeiten an. In der Technik der Gouache-Malerei – kräftige Deckfarben in fließenden aneinander gesetzten Linien – zeigte er eine zwar verspielt eigenwillige, jedoch verständliche Malweise. In Verbindung mit den gewählten Themen spiegelten in jungen Jahren diese Bilder seine heitere, unbeschwerte Lebenseinstellung wider.


Der Ruhrgebietsmaler Wolfgang Schlott in Aktion.


Die Stärke Wolfgang Schlotts liegt in der Vielseitigkeit. Aquarelle vermag er ebenso aus Papier zu bringen wie Ölfarbe auf die Leinwand. Den Bleistift führt er genauso sicher wie die Feder. In letzter Zeit hat sich das Zeichnen mit der Tuschefeder zu seiner geheimen Liebe entwickelt. Der flotte Strich seiner Zeichnungen überrascht den Betrachter ebenso wie die Präzision und meisterhafte Genauigkeit.

Zusammen mit dem Lokalhistoriker Heinrich Lührig hat Wolfgang Schlott von 1981 – 1983 drei Kalender mit alten Wanne-Eickeler Ansichten herausgegeben und mit diesen bemerkenswerten Zeichnungen bewiesen, dass die von vielen verkannte Ruhrgebietskulisse lohnende Motive bietet, die den Zeichenstift verdienen. In weiteren Kalendern von Wattenscheid und in Büchern hat er diese Region dargestellt. Das „Leben im Ruhrgebiet – damals und heute“ hält er seit etlichen Jahren mit der Zeichenfeder fest. Besonders einfache Leute, Alltagsgesichter, zeitkritisch realistische Themen hat er sich vorgenommen. Originell „Fratzen“ knorrige Ruhrgebietstypen dem Betrachter entgegen.



Im August 1981 überreichte der Graphiker Wolfgang Schlott und der Lokalhistoriker Heinrich Lührig (rechts im Bild) dem Seniorchef der Firma Schwing, Friedrich Wilhelm Schwing eines der ersten Exemplare des neuen Heimatkalender, mit zwölf Federzeichnungen aus Wanne-Eickel.


Der Künstler Wolfgang Schlott (Bildmitte) im Jahre 2009 mit einigen Besuchern im Kunst- und Galeriehaus in Bochum-Wattenscheid.

In vielen erfolgreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, u.a. in Italien, Österreich, Holland und dem bekannten Künstlerdorf Worpswede, zeigte Schlott, der von Anfang an Mitglied im Kunstkreis Wattenscheid ist, bisher seine Arbeiten. Auch in der Gruppe Bochumer Autoren und der Künstlergruppe Kohlenpott war er aktiv. In vielen öffentlichen Gebäuden hängen seine Werke. Das einzigartige Projekt „Revierkünstler in Aktion“, welches im September 2007 mit über 50 bildenden Künstlern, Musikern und Autoren im Kunstzentrum Wattenscheid durchgeführt wurde, hat er mitorganisiert.

Nur zwei Monate vor seinem 69. Geburtstag, am 14. Juni 2012, traf die Nachricht von seinem Tod den großen Kreis seiner Freunde plötzlich und unerwartet. Wir danken für die schönen Erinnerungen und Bilder, die Du für immer der Nachwelt hinterlassen hast.

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Fotonachweis: Sammlung Wolfgang Schlott und Heinrich Lührig.


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