Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Woher stammt der Doppelname Wanne-Eickel

Woher stammt der Doppelname Wanne-Eickel


Die ehemalige Stadt Wanne-Eickel hatte ihren Doppelnamen am 1. April 1926 durch die Auflösung der am 1. November 1891 gegründeten Ämter Eickel (mit den Gemeinden Holsterhausen und Eickel) und Wanne (mit den Gemeinden Bickern, Crange und Röhlinghausen) erhalten. Dieses Datum, 1. April 1926 war die Geburtsstunde der neuen kreisfreien Stadt Wanne-Eickel, als Stadt im nördlichen Ruhrgebiet.

Aber woher stammen nun die beiden Namen?

Fangen wir mit Eickel an.

Die älteste Urkunde über Eickel aus dem Jahre 1085 berichtet über den Ankauf des Oberhofes Eickel. Erzbischhof Sigewin von Köln bestätigt dem Abt Hermann und dem Konvent von St. Pantaleon die von ihnen erworbenen vogteifreien Güter, darunter ein Allod in 'Eycklo'. Möglicherweise geht diese Bezeichnung auf einen Flurnamen zurück: 'eck' bedeutet 'Eiche', 'loh' = Wald; demnach war Eickel eine Siedlung im Eichenwald.

Und wie sieht es mit Wanne aus?

Zum Namen Wanne gibt es viele Theorien:

Nach Gustav Hegler, handelt es sich bei dem Namen Wanne um eine alte Feldmark in einer Geländesenke (Flur II genannt Wanne in der Gemeinde Bickern). Hier hatten die Landwirte Langebeckmann, Schmidt-Knop und Storp, im Heitkampsfeld ihre Länderein. Die Vorfahren des Landwirt Storp haben sich von alters her, stets als "in der Wanne" wohnend bezeichnet.

Nach Walter Harwig, bedeutet die Flurbezeichnung "in der Wanne" die Tiefe Lage unmittelbar am Rande der Flussaue zwischen dem ausgedehnten Wald und der Emscher. Das Wort "Wanne" verführt gerade dazu, hier eine wannenartige Vertiefung anzunehmen.

Nach Helmut Blumenroth (Castrop-Rauxel), hat die Bezeichnung "in der Wanne" bei der Betrachtungsweise mit dem hochdeutschen Wort "Wanne" nichts zu tun. Zur Zeit der Katastervermessung, etwa zwischen 1820 und 1830, wurde in unserer Gegend noch plattdeutsch gesprochen, und in dieser Sprache hieß es "in dä Wanne". So habe es die Landmesser aufgenommen und in ihre Karten eingetragen, weil sie, aus anderen Landstrichen Preußens kommend, das hiesige Platt nicht verstanden. Ins Hochdeutsche übertragen aber hätte es "in der Wande" geheißen. In dieser Form kennen wir die Flurbezeichnung aus den Urbaren der Abtei Werden.

Was bedeutet nun der Name "Wande"?

Nach Jellinghaus und Förstermann (Westfälische Ortsnamen) ist "Wande" mittelniederdeutsch, und bedeutet die Grenze zwischen zwei Marken oder Hoheitsgebiete, die "Wende", wo der Bauer seinen Pflug wenden muss. Der Unterschied zwischen den Buchstaben a und e ist ohne Bedeutung. Bei Kluge (Ethymologisches Wörterbuch) finden wir "wenti" = Grenze. Wir haben es hier also mit einer Gegend im Grenzgebiet oder an der Grenze zu tun.

Ein Blick zurück in die Geschichte bestätigt die Richtigkeit dieser Wortbedeutung; denn Jahrhunderte lang hat die Emscher die Grenze zwischen dem Vest Recklinghausen im Norden und der Grafschaft Mark im Süden gebildet (Crange). Wie stark diese Grenze gesichert war, zeigt die Häufung der Burgen und Schlösser in der Emscherzone. So war die Emscher für die Vorfahren unseres heutigen Stadtgebietes eine echte Grenze, eine Wande oder Wanne = Grenze heute noch.

So sagt zum Beispiel der Bauer in der Soester Börde in seinem Platt: "Dat is de Wenne van uesen Huoff". Das ist die Grenze unseres Hofes.

Der Name Wanne findet sich in Westfalen verhältnismäßig häufig; oft als Flurbezeichnung, aber auch als Flussname, wie zum Beispiel der Wannebach bei Niedereimer.

"Wanne" oder Wande = Grenze, somit könnte der Name Wanne also die Grenze der Grafschaft Mark gegen das kurkölnische Vest Recklinghausen sein.

zurück...


Quellennachweis:

Kultur und Heimat Nr. 3, 1982, Castrop-Rauxel.
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, 1903.
Daniels, Johann: Geschichte der Ev. Kirchengemeinde Eickel, 1927.
Schulte, Eduard: der Rittersitz Crange im Emscherbruch, 1977.
Die Karte der Grafschaft Mark aus dem Jahre 1640.
Die Gemarkungskarte von Bickern aus dem Jahre 1825.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü