Wanne-Eickel-Historie


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Wie die Eisriesen den Bauern viel Arbeit abnahmen

Geschichte

Wie die Eisriesen den Bauern viel Arbeit abnahmen


Von Mitternacht her kamen einst viele mächtige Eisriesen. Der Leib eines jeden endigte als Pferdekörper. Ein einziges Hufeisen schon war so groß und schwer, dass tausend Männer nicht imstande gewesen wären, es auch nur einen Finger breit von der Stelle zu rücken. Jeder Riese hatte auf seinem Pferderücken eine große Sacktasche, die mit schweren Steinen gefüllt war. Die Riesen hatten sich vorgenommen, alles Land nach der Mittagssonne hin zu erobern.
Sie waren vom Münsterland her schon bis über die Emscher und an die Ruhr vorgedrungen. Da stellten sich ihnen die von Mittag kommenden Feuerriesen entgegen. Gegen deren Feuerhauch konnten die Eisriesen nicht aufkommen. Diese ergriffen schließlich die Flucht nach dem Nordlande hin, von woher sie gekommen waren. Dass sie zurückweichen und flüchten mussten, ergrimmte die Eisriesen gar sehr. Sie knirschten und schäumten vor Zorn. Als sie auf der Flucht ins Emscherbruch kamen, stampften sie vor Wut so heftig in das weiche Erdreich, dass sich die Hufe im Boden abdrückten. So zeigten die Abdrücke die geschlossene Bogenform nach dem Norden hin. Ein Riese wandte sich auf der Flucht um und schleuderte einem Feuerriesen Steine entgegen. Die Hufe dieses Eisriesen drückten sich so nach Süden hin gerundet im Boden ab. Wieder ein Eisriese bäumte sich auf der Flucht auf, drehte sich dann wie ein Kreisel zurück und flüchtete weiter. Und so gab es wieder runde Eindrücke von den Hufeisen. Alle Vertiefungen, die hufeisenförmigen und die runden, wurden alsbald mit Wasser aus dem feuchten und quellreichen Bruchboden ausgefüllt.
Die Schleudersteine blieben dann liegen, so einer in Ückendorf bei der Dorflinde, ein anderer in Röhlinghausen auf der Wilbe, ein dritter auf der Grenzscheide von Eickel und Holsterhausen, ein vierter im Strunksbusch in Gelsenkirchen, ein fünfter nicht weit vom Wegweiser in Gelsenkirchen, ein sechster in Rotthausen auf dem Thy, ein siebter in Bochum, ein achter in Resse. Wo sich aber in den Hufeisenlöchern das Wasser wie eine Gräfte angesammelt hatte, baute sich jedes Mal ein Bauer sein Haus und seine Scheune mitten hinein aufs Trockene, und so glich sein Bauerngut einer Wasserburg. Ein einziger Stampftritt eines Riesen hatte dem Bauer viel Mühe und Arbeit erspart.

Dieser Findling liegt im Ückendorfer Von-Wedelstadt-Park. Dort liegt das Naturdenkmal der Stadt Gelsenkirchen im Eingangsbereich der Parkanlage an der Parkstraße.


Historische Anmerkung:


Im Emscherbruch, besonders in den Bauerschaften, Braubauerschaft und Bickern (Wanne), waren nicht wenige Bauernhäuser mit hufeisenförmigen und auch annähernd ringförmigen Wasserbewehrungen umgeben. Die Hufeisenrundung lag Auffallenderweise meistens nach Norden hin. Die Schleudersteine sind erratische Blöcke oder "Findlinge", von denen sich mehrere in unserer Emscherniederung vorfinden.

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Quelle: Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Vom Volk erzählt... Sagen aus Herne und Umgebung, Eine Sammlung von Sagen, Legenden, geschichtlichen Ereignissen und schelmischen Erzählungen, Nach Überlieferungen aus schriftlichen und mündlichen Quellen zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 1999. S.141 ff.
Auszug aus dem Wettbewerbsbeitrag " Thema. Bild und Gestalt des Ruhrgebietes" ausgeschrieben vom Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher, im Rahmen des Geschichtsfestes "Historama Ruhr 2000 vom 24. Juni 2000 auf der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg.

Fotonachweis: Archiv Heinrich Lührig.


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