Wanne-Eickel-Historie


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wat war dat schön !

Kunst und Kultur

Menschenskind,


Als Oma Jung und knusprig war,
auf Opas Glatze wuchs noch Haar,
als Onkel Fritz trug Knickerbocker
und Tante Friedas Zähne wurden locker,
als Tünnes und Schäl noch durch Kölle liefen,
sechs Blagen in einem Bette schliefen,
als man noch Fernsehn nicht tat sehn
Menschenskind, wat war dat schön.

wat war dat schön !


Als man elektrisch Licht nicht kannte,
mit Hochdruck nach dem Plumpsklo rannte,
als man noch Bohnen aß mit Fitze
und lange Buxen trug mit Spitze,
dem Nachbar seine Äppel klaute
und der Lehrer seine Schüler haute,
zu Fuß tat man auf Arbeit gehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Als Stachu fuhr in Grube ein
und Frantek hielt sich kleines Schwein,
als man Rübenkraut aß auf Butterbrot,
mit Zeitung schlug man Fliegen tot,
als man Geschirr noch spült mit Imi
und Mode war noch nicht mit Mini,
dat müßt ihr selber doch gestehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Als Pferdeäppel noch auf Straße lagen
und Opa trug noch steife Kragen,
es gab nicht Schirm, Scharm und Melone
und oben trug man auch nicht ohne,
als man noch Brennholz selber hackte
und starb auch nicht an Herzinfarkte,
die Bandscheibe, die tat noch richtig stehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Als Mama strickte selbst noch Socken
und viele Mädchens blieben hocken,
als Papa Zigaretten drehte
und Klüngelskerl noch spielt auf Flöte,
als man auf Straße sah noch Pferde
und Pommesfritzen lagen nicht auf Erde,
im Bett gingen die Alten schon um zehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Als Spülstein man auf Flur noch hatte
und Männers trugen keine Krawatte,
als Nachthemd bis auf Erde reichte
und Wäsche man auf Wiese bleichte,
und Katze kannt nicht Kitekat,
man Fahrrad und nicht Auto hat
und man im Kino mußte stehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Als man in Tasche hatte dicke Stulle,
auf Rücken große Kaffeepulle,
als man auf Waschbrett tat noch schrubbeln
und sich vor Flöhe tat so rubbeln,
als Kakerlaken saßen noch in Uhr,
und Schwaben liefen rum im Flur,
mit Schlappen konnse auf Straße gehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Als man ohne Coca machte Pause
und abends bleibt auch schön zu Hause,
als man Weintrauben umfrisierte
und dafür Stachelbeeren glatt rasierte,
als man beim Metzger Pannas holte
und Papa uns das Fell versohlte,
klein Frannek muß in Ecke stehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Als dickes Schwein noch auf Leiter hing
und alles noch in Klotschen ging,
als Hippe meckerte im Stall
und Oma ging auf Lumpenball.
Dann Frantek ging auf leisen Sohlen
zur Stina hin, auf Kammer oben,
dies alles, alles ist geschehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Als Blagen hatten alle Läuse,
im Wandschrank liefen rum die Mäuse,
man ging im Bett mit Zipfelmütze,
die Blagen schliefen noch alle auf Ritze,
das Strumpfband war nicht lang, - war rund.
Schweinepfoten kosten nen Groschen dat Pfund,
als man die Waschmaschine tat noch selber drehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

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Als auf Zeche noch die Räder dröhnten,
aus den Kaminen hoch der Qualm entströmte,
wo von den Kokereien strahlte Licht,
so'n Abendrot vergißt man nicht,
Vorüber ist die alte Zeit,
wir alle wissen nun Bescheid
und Stimmen ein, bevor wir gehn,
Menschenskind, wat war dat schön.

Quellennachweis: Gedicht einer älteren Höntroper Bürgerin, erschienen in der Gänsereiterzeitung Höntrop. Ausgabe 1980.
Mit Genehmigung durch Wolfgang Schlott, Wattenscheid-Höntrop.
Fotonachweis: Bildstelle der Stadt Herne.


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