Wanne-Eickel-Historie


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Vor der Industrialisierung

Die Geschichte der Stadt Wanne-Eickel vor der Industriealisierung


Die ersten Spuren menschlichen Daseins in Wanne-Eickel reichen bis in die ausgehende Eiszeit zurück. Damals jagte der erste vernunftbegabte Mensch in der eisfrei gebliebenen Region die wir heute Westfalen nennen nach Mammuts, Wollnashörnern, Wildpferden und ähnlichen Lebewesen. Wissen über diese vorgeschichtliche Zeit in unserer Region erlangten die Menschen erst, als in den Jahren 1905-1914 beim Bau des Rhein-Herne-Kanals die Bauleute in der 10-14 Meter tief gelegenen Knochenschicht prähistorische Funde machten. Archäologen konnten nun Rückschlüsse über die Tierwelt während des Übergangs von der Riß- zur Würmeiszeit machen. Sie schlossen aus den Funden, dass damals bereits menschliche Wesen in der Rheinebene lebten, die diesen Tieren nachstellten.

Von da an klafft jedoch ein großes Loch in dem Wissen über die Geschichte dieser Region welches erst ab 690 wieder mit Hilfe mittelalterlicher Urkunden gestopft werden kann. In dem besagten Jahr heißt es nun, seien zwei Sendboten (die beiden Ewaldbrüder - nach ihrer Haarfarbe wurden sie der schwaze und der weiße Ewald genannt) des Christentums ins Emschertal aufgetaucht diese wurden jedoch von Tabo von Eclo, einem Germanen vom Stamm der Bruketerer vertrieben. Im Jahre 695 starben beide Sendboten zwischen Unna und Dortmund den Märtyrertod.

Um 800 versuchte Karl der Große die Sachen unter das Joch des Christentums zu zwingen. Sie weigerten sich hartnäckig.
Zum Schutze des eingeführten Christentums und zu seiner tieferen Verankerung gründete Ludgerus das Benedikinerkloster Werden.

Karl der Große befahl die Ablieferung des Zehnten von den Höfen der umliegenden Bauerschaften. Neben dem Kloster in Werden gelangte auch das in Essen gegründete Stift durch Schenkung der Sachsenkönige und der Kölner Erzbischöfe zu Macht und Ansehen. Dem Essener Stiftshof Ückendorf waren die Höfe Albert to Rodelinkhusen und Gobele to Rodelinkhusen abgabepflichtig.

Die bedeutsamste Urkunde wird jedoch im St. Pantaleon Kloster in Köln aufbewahrt. In dieser Urkunde steht geschrieben, dass der Erzbischof Bruno von Köln 965 seinen Hof Eclo, der später zu Eickel wurde dem Kölner Kloster vermachte. Erst mit Gründung der Grafschaft Mark gegen Ende, des 12. Jahrhunderts treten auch Rittergeschlechter als Grundherren auf.

Im laufe der folgenden Jahrhunderte entstanden prachtvolle und wehrhafte Burgen, die da wären das Gut Eickel, die Schlösser Dorneburg, Horsthausen, Hörstgen, Bönninghausen, Steinhausen und schon im Jahre 1441 das Schloß Crange. l690 verlieh der Kurfürst dem Eigner des Schlosses Dorneburg die Zivil- und Kriminaljurisdiktion über die Dörfer und Bauernschaften Eickel, Holsterhausen, Röhlinghausen und Bickern, also die Stadtteile die zusammen mit Crange den Kern der Stadt Wanne-Eickel ausmachten.

Bis hinein ins 19.Jahrhundert wurden diese Gebiete nur rein landwirtschaftlich genutzt. Lediglich Kleingewerbe wie Müller, Schmied, Weber, Schuster, Schneider und Wagenbauer waren vertreten. Zum einkaufen fuhren die Wanne-Eickeler nach Bochum und Gelsenkirchen, wo Märkte stattfanden. Dies war eine beschwerliche Reise, da die Straßen nur mit Kies bedeckt und etwa vier Meter breit waren und noch dazu von Dieben heimgesucht wurden.

Aber wie entstehen Straßen? Die Ausprägung eines bestimmten Weges gehörte zu den ältesten Zeugnisse menschlicher Zivilisation. Sie ist das Ergebnis eines langen Prozesses, in dem sich ein immer wieder veränderter Pfad als "Weg des geringsten Widerstandes" auf möglichst wenige Hindernisse stößt und ein rasches Vorwärtskommen erlaubt. Eine auf diese Weise entstandene "Straße" war auch die ursprüngliche Dorstener Chaussee, ein Hauptverkehrsweg für den Kohlentransport nach Gahlen, sie hieß daher auch Gahlensche Kohlenstraße. Ihr erster Ausbau erfolgte im Jahre 1763 von Bochum-Stiepel über die jetzige Bochumer Kohlenstraße nach Eickel, weiter über eine Brücke, über die Emscher bei Crange in Richtung Buer, Erle, an Dorsten vorbei zum so genannten Kohlenhaus am Lippehafen bei Gahlen.

Bemerkenswert ist, dass im Jahre 1830 noch nicht einmal 800 Menschen auf Wanne-Eickeler Gebiet lebten. Die Zahl der Einwohner stieg jedoch mit dem Einsetzen der Industriealisierung in Wanne-Eickel rasant auf über 100 000 Einwohner und dies in nicht einmal 135 Jahren. Besonders deutlich wird der rein landwirtschaftliche Charakter, den unsere Stadt damals hatte sicherlich daran, dass es bis 1856 weder Post noch Bahnhof in Wanne-Eickel gab, auch wenn sich mancher Zeitgenosse dies sicherlich nicht vorstellen kann.

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Quelle: Lührig Heinrich, Schmitz Gerhard: Röhlinghausen, Wanne-Eickel III Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt S.9 ff.
Zeitreise Hellweg, Spuren einer Straße durch die Jahrhunderte S.9 ff.
Fotonachweis: Archiv Heinrich Lührig


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