Wanne-Eickel-Historie


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Unser-Fritz-Schule

Gebäude

Von der Friedrichschule zum Heimatmuseum


Da sich im Umfeld der Zeche mit ihrer Belegschaftsstärke von über 2 000 Mann etliche Arbeiterfamilien angesiedelt hatten, war ein Schulgebäude längst überfällig. So wurde im Jahre 1898 an der Unser-Fritz-Straße die "Friedrichschule" eingeweiht. Als Namensgeber wurde Friedrich II. (1712 - 1786) aus der Ahnenreihe der Preußenkönige aus dem Hause Hohenzollern gewählt. Seine Untertanen nannten den Herrscher fast liebevoll den "Alten Fritz", während ihm die Geschichtsschreibung den Titel "der Große" verlieh. Geprägt von der sehr strengen Erziehung seines Vaters, Friedrich I. "der Soldatenkönig", führte er Preußen durch kriegerische Zeiten und hinterließ das Land als eine der fünf Großmächte Europas.

Mit dem Wechsel der politischen Systeme folgten die Umbenennungen im Jahre 1926 in "Unser-Fritz-Schule".

Wie das Bergwerk, die Straße und der Stadtteil selbst folgte die Namensgebung der Volksschule nach dem Hohenzollern Friedrich III. (1831 - 1888), der in seinem Todesjahr 99 Tage lang König von Preußen und damit Deutscher Kaiser war. Er erfreute sich schon als Kronprinz seiner liberalen Einstellung wegen großer Beliebtheit und wurde im Volksmund allgemein "unser Fritz" genannt.


Das Schulgebäude Unser-Fritz an der gleichnamigen Straße, aufgenommen um 1936.

Unter dem Regime der Nationalsozialisten wurde das Schulgebäude dann in "Ernst-Moritz-Arndt-Schule" (1769 - 1860) umbenannt. Arndt war Schriftsteller, Publizisten, Historiker und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Er erlangte durch seine patriotischen Schriften und Kampflieder einen hohen Bekanntheitsgrad. Im Kaiserreich zum Nationalhelden stilisiert, wurden seine Werke nach dem Ersten Weltkrieg durch die Nationalsozialisten ideologisch vereinnahmt - Grund genug die Schule unter dem Regime der Nationalsozialisten in "Ernst-Moritz-Arndt-Schule" zu benennen.

Im Jahre 1945 wurden in dem Gebäude polnische Arbeiter untergebracht.

Verzeichnete man im August 1925 acht Klassen und 345 Schülern, so waren es nach Wiederaufnahme des Unterrichts im Dezember 1950 zwölf Klassen mit 280 männlichen und 264 weiblichen Schülern.

Ab den 1960er Jahren verlor der Standort an Bedeutung, so dass das Gebäude 1968 freigezogen wurde. Nun ergriff die Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel, unter Rudolf Zienius (siehe auch: Ein Leben fürs Archiv) die Initiative. Die seit langem magazinierte heimatkundliche Sammlung konnte ab Oktober 1968 in einem Klassenraum der ersten Etage der Grundschule Unser-Fritz-Straße 108 eine neue Bleibe finden.

Am 22. März 1971 beschloss der Rat der Stadt Wanne-Eickel, die gesamte Schule für museale Zwecke freizugeben. Bereits zwei Monate später, am 13. Mai wurde dann das "Heimatmuseum Wanne-Eickel", durch Oberbürgermeister Manfred Urbanski feierlich eröffnet.

Im Jahre 1978 wurde das Gebäude in "Heimat- und Naturkunde-Museum Wanne-Eickel" umbenannt - ein Museum im Verbund des Emschertal-Museum Herne.

In den 1980er Jahren stagnierte die Entwicklung des Hauses. Das Heimatmuseum dämmerte als "Museum eines Museums" dahin. Im August 1989 wurden die Schule und das angrenzende Lehrerhäuschen mit der Nr. 95 in der Denkmalschutzliste der Stadt Herne aufgenommen und stand nun unter Denkmalschutz.

Von 2009 bis 2011 erfolgte die Restaurierung der Außengebäude.


Das ehemalige Schulgebäude an der Unser-Fritz-Straße 108, heute "Heimatmuseum Unser Fritz", aufgenommen im Oktober 2017.

Nach dreijährigem Umbau und der Neugestaltung unter Kurator Ralf Piorr brach dann für das Museum mit der Neueröffnung am 28. April 2017 eine neue Ära an.

Vom "Heimat- und Naturkunde-Museum Wanne-Eickel" zum "Heimatmuseum Unser Fritz". Die Namensänderung spiegelt nur andeutungsweise wider, welche komplette Erneuerung das Museum im ehemaligen Schulgebäude erfahren hat.


Außenwerbung des "Heimatmuseum Unser Fritz" mit der im Foyer des Museums befindliche Betonskulptur "Tante Änne" des Bochumer Künstlers Olaf Kuhoff.

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Quellennachweis:
Amt Wanne: 50 Jahre Amt Wanne, Wanne im August 1925.
Stadt Wanne-Eickel: 25 Jahre Stadt Wanne-Eickel, Wanne-Eickel im April 1954.
Schriftreihe der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel: Der Emscherbrücher, Ausgabe 1/1971 und 1/1974.
Tagespresse aus den Jahren 1989, 1990, 1991, 1993, 1994, 1995, 2013, 2015, 2016 und 2017.
Info-Broschüre der Stadt Herne: Heimat- und Naturkunde-Museum Wanne-Eickel, Juni 1993 und Dezember 1999.


Bildnachweis: Heinrich Lührig.



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