Wanne-Eickel-Historie


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"Taubenvatta" und Fußballer Ernst Piwoda

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Eine Taube fliegt nach Japan


In Röhlinghausen kannten ihn alle, denn was Szepan und Kuzorra für Schalke, das war Piwoda für Röhlinghausen.

Das Röhlinghauser Urgestein Ernst Piwoda wurde am 22. Februar 1915 in der Tiefenbruchstraße in Röhlinghausen geboren und blieb während seiner gesamten Fußballerlaufbahn der SpVg. Röhlinghausen treu, mit der er den Sprung in die damals höchste westfälische Spielklasse, die Gauliga West, schaffte. Selbst zu seinen Glanzzeiten blieb Piwoda seinem Verein treu und lehnte Angebote so renommierte Klubs wie FC Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf ab.

Mit neun Jahren trat er in der Schülermannschaft der SpVg. Röhlinghausen auf dem Römerplatz zum erstenmal gegen den Lederball. Im Jahre 1932 gelang ihm mit 17 Jahren der Sprung in die 1. Mannschaft seines Vereins. Als die Elf vom Stratmanns Hof 1937 in die höchste westfälische Spielklasse, in die Gauliga aufstieg, war er schon Stammspieler und wurde nun in ganz Westfalen bekannt. Ernst Piwoda spielte hart und schoss als Stürmer mit beiden Füßen aus allen Lagen. „Eisenfuß“ war der Beiname, den man ihm gab
.


Mannschaftsfoto der Spielvereinigung Röhlinghausen 1948. Folgende Fußballer stellen sich in Pose, von links nach rechts: Piwoda, Duddek, Mosakowski, Ehlert, Brinkmann, Reumann, Kortmann, Kotzlowski, Nowicki I, Hutterloh und Schön.

Ernst Piwoda, damals 33 Jahre alt, als Spielführer der Spielvereinigung Röhlinghausen.

Volles Haus am Stratmanns Hof. Die sportlichen Höhepunkte des SpVg. Röhlinghausen lagen zwischen den Jahren 1936 und 1955. Die Grünschwarzen spielten in diesen Jahren in der höchsten westfälischen Fußballklasse. Wenn der bekannte Sportredakteur der WAZ,
Hans-Josef Justen, von einer berühmten "Fußballstraße" im Ruhrgebiet spricht, dann lag Röhlinghausen direkt an dieser Straße.

Er bekam viele Angebote von namhaften Fußballvereinen, die er alle ausschlug, um seiner Röhlinghauser Elf treu zu bleiben. Sein schönstes Tor, so meint er, habe er 1951 in einem Heimspiel gegen den VfL Bochum geschossen. „Freistoss über die Mauer gehoben und voll in den Winkel getroffen!“ so schwärmte er damals von diesem Treffer. Ein Jahr nach dem Gewinn der Westfalenmeisterschaft für Amateurfußballer 1951 machte er Schluss mit dem Fußballsport und hing die Fußballstiefel an den berühmten Nagel.

Nach Beendigung seiner Fußballerlaufbahn kam Ernst Piwoda durch seinen Bruder zum Taubensport. Mit 24 Brieftauben fing alles an. 1954 richtete er sich seinen eigenen Taubenschlag über seiner Wohnung in der Gustavstraße ein. Seine Vögel machten Preise. Immer wieder konnte der Name Piwoda auf der Siegertafel seines Vereins „Edler Sieger“ verewigt werden. „Es gibt im Taubensport eigentlich nichts an Preisen, was ich nicht schon bekommen habe“, meinte er in einem Gespräch.


Der Taubenschlag von Ernst Piwoda über seiner Wohnung in der Gustavstraße 10 in Röhlinghausen, aufgenommen 1981.

"Es gibt im Taubensport eigentlich nichts an Preisen, was Ernst Piwoda (zweiter von rechts) und sein Schwiegersohn Theodor Hemmers (links im Bild) nicht schon bekommen haben".

Als es am 26. Dezember 1978, dem zweiten Weihnachtstag, an der Wohnungstür in der Gustavstraße 10 in Röhlinghausen klingelte und seine Frau Irmgard öffnete, stand eine Delegation des japanischen Taubenzüchterverbandes vor der Tür. Der für den europäischen Raum zuständige Mann, ein Fabrikant der taubensportbegeisterten Ostasiaten, war auf den Vogel des Röhlinghauser Taubenzüchters aufmerksam geworden, weil der „gehämmerte Superflieger“ den 1. Platz im Nationalflug mit Start im dänischen Skagen gewonnen hatte. Nach acht Stunden und vier Minuten Flugzeit kam die Taube wieder im Schlag an der Gustavstraße an.

Nach kurzer Verhandlung war man sich einig, für 7.000 D-Mark plus Flug- und Versicherungskosten wechselte der Vogel den Besitzer und trat den Flug im Düsenjet nach Osaka an. „Die hätten auch 10.000 D-Mark gezahlt, hätte ich dieses gefordert“, sagte uns Ernst Piwoda bei einem Interview in seiner Wohnung.


Im Düsenjet nach Osaka: Ernst Piwodas Taube in einer japanischen Taubensportzeitung aus dem Jahre 1979.

Der mit Röhlinghausen und den hier lebenden Menschen tief verwurzelte Bergmann verstarb am 28. Januar 2005, kurz vor seinem 90 Geburtstag.


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Quellennachweis: Interview am 29. November 1993 mit Gerhard Schmitz und Heinrich Lührig.
Fotonachweis: Sammlung Gerhard Schmitz und Heinrich Lührig.



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