Wanne-Eickel-Historie


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Struwen

Hausmannskost

Struwen („Püfferchen“)


Struwen ist ein altes Gericht, welches traditionell am Karfreitag gegessen wurde. Dieses Rezept stammt aus dem Münsterland. Hierbei handelt es sich um ein Gemisch aus Mehl, Milch, Rosinen oder Apfelstückchen, das gebacken wird. In Rhede heißen die Struwen übrigens "Ollikrappen".

Was bedeutet nun das Wort „Struwen”?

„Struwen” bedeutet so viel wie „etwas Gekräuseltes“, „etwas Krauses“. Die Wörter „sich sträuben“, „Strubbel“ oder „Struwwel“ wie in „Struwwel-“ oder „Strubbelpeter“, der Figur mit den „strubbeligen“ Haaren sind hinsichtlich ihrer Herkunft sprachgeschichtlich mit dem Wort „Struwen“ verwandt.

Der als Karfreitagsessen bekannte Struwen ist offenbar weitaus älter als bislang gedacht. In einer im Original überlieferten Pergamenturkunde Bischof Erphos von Münster für das adlige Damenstift Freckenhorst bei Warendorf aus dem Jahr 1090 findet sich ein bislang nur von Leopold Schütte (Münster) in seinem Werk „Wörter und Sachen aus Westfalen 800 bis 1800“ erwähnter Beleg für das Wort „Struwen“. Die Urkunde Bischofs Erphos ist auf Lateinisch abgefasst. Dort findet sich neben dem volkssprachigen Wort „roggo“ (für Roggen) auch das Wort „struva“. Beide Wörter sind sprachgeschichtlich dem Altsächsischen zuzurechnen. Das Altsächsische ist die älteste Vorform des Plattdeutschen. Die Wörter „roggo“ und „struva“ zählen somit, abgesehen von zahlreichen Orts- und Personennamen der Region, zu den ältesten niederdeutschen Wörtern des Münsterlandes.
Was bedeutet nun das Wort „struva“ in der Urkunde? Aus dem Zusammenhang des Textes geht hervor, dass den Stiftsdamen in Freckenhorst an verschiedenen Feiertagen des Jahres, darunter Weihnachten, Ostern und Pfingsten (aber nicht Karfreitag), zum Abendessen eine Speise gereicht werden sollte, die von der Bevölkerung „struva“ genannt wird. Woraus diese Speise bestand, wird nicht gesagt. Da mit Struwen aber in späterer Zeit eine Art Pfannkuchen gemeint ist, lässt sich zumindest vermuten, dass es sich auch bereits im Jahr 1090, also vor nahezu 1000 Jahren, bei „struva“ um ein besonderes münsterländisches Gericht, nämlich „Struwen“ oder zumindest einer vergleichbaren Vorform, gehandelt hat.



Zutaten:

1 Kg. Mehl
1 Päckchen Trockenhefe
1 Esslöffel Zucker
1 Teelöffel Salz
2 Päckchen Vanillezucker
4 Eier
1,2 Liter Milch
250 g Rosinen



Man rühre die Hefe mit etwas lauwarmer Milch an, gibt das Mehl in eine Schüssel und füllt die angerührte Hefe hinein. Vermengt mit etwas Mehl, muss die Masse abgedeckt 15 Minuten lang an einem warmen Ort aufgehen. Dann gibt man die übrigen Zutaten hinzu und macht den Teig durch kräftiges Schlagen geschmeidig. Die Teigmasse wiederum abdecken und an einem warmen Ort ca. 1 bis 1,5 Stunden lang aufgehen lassen. Das Öl, am besten Sonnenblumenöl in einer Pfanne erhitzen. Den Teig (Struwen) in ca. 10 cm großen runden Pfannekuchen hellbraun ausbacken und mit Zucker und Zimt servieren.


Quellennachweis
Mit freundlicher Genehmigung durch: Nagel, Norbert, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Germanistisches Institut, Abteilung Niederdeutsche Sprache und Literatur.



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