Wanne-Eickel-Historie


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Straßenbahnbetriebshof in Eickel

Gebäude

Der Straßenbahnbetriebshof in Eickel


Die ersten Nahverkehrsmittel im Ruhrgebiet waren Pferde- und Dampfbahnen. Nachteile der Pferdebahnen - sie schafften nur 7% Steigung, außerdem mussten die Pferde alle zwei bis drei Stunden ausgewechselt werden. Eine solche Pferdebahn unterhielt der Bochumer Haudereibesitzer (Lohnfuhrunternehmer) Floren zwischen der Stadt Wattenscheid und den Gemeinden Hordel und Wanne.

Als das Verkehrsaufkommen zunahm, suchte man daher nach einer leistungsfähigen Antriebsart und fand sie im Strom. Damit endete die Zeit der Pferdebahnen und die "Elektrische" übernahm den Verkehr. Den vollen Durchbruch der elektrischen Straßenbahn brachte im Jahre 1889 die Erfindung des Bügelstromabnehmers durch Walter Reichel (1867-1937).

Um ein Haar wäre die Durchsetzung des neuen Verkehrsmittels im Ruhrgebiet an der königlich-preußischen Eisenbahnverwaltung in Elberfeld gescheitert. Was war geschehen? Die Eisenbahner sahen in der Straßenbahn einen gefährlichen Konkurrenten. Ihr Widerstand konnte erst durch einen Kompromiss gebrochen werden, der wie folgt aus sah: Die Straßenbahn durfte nur eine Spurweite von einem Meter haben, während die Eisenbahn auf 1435 Millimetern fuhr.

Um das Straßenbahnprojekt umzusetzen wurde ein Betriebshof in der Gemeinde Eickel geplant, der folgendes vorsah:
Zur Unterstellung der Wagen sowie Reparaturen war die Errichtung eines Betriebshofes mit erforderlichem Gebäude als Wagenhalle für ca. 20 Motorwagen, Reparaturwerkstatt, Arbeitsräume für die Betriebsleitung und Wohnung für den Betriebsdirektor und Werkmeister vorgesehen. Der für den Betriebsbahnhof vorgesehene Platz etwa 3,5 Morgen, bot Raum, die gesamte Anlage um das Doppelte zu erweitern. Sämtliche Gebäude sollten in einfachen, massiven Ziegelrohbau mit hellen Verputzflächen hergestellt werden. Die Wagenhalle sollte fünf Gleise erhalten, von denen drei unterkellert seien sollten. Die Länge der Halle sollte so bemessen sein, dass auf jedem Gleis 4 Motorwagen von ca. 8 Metern Länge Platz finden konnten. Am 20. März 1906 wurden die ersten Pläne, die an dem Straßenbahnprojekt beteiligten Gemeinde zugestellt.

Um die Straßenbahn auf die Strecke zu bringen, erklärte sich die Gemeinde Eickel in einer Gemeindesitzung am 26. September 1906 bereit, ihr 10 Morgen großes Grundstück an der Blücherstraße, der heutigen Edmund-Weber-Straße und Hordeler Straße für 45 Mark pro Rute (etwa knapp 3,77 Meter) an die Kommunale Straßenbahn zu verkaufen.

Am 14. Januar 1907 wurde der Beschluss des Verwaltungsausschusses der Kommunalen Straßenbahn bekannt gegeben, die geplante Wagenhalle des Betriebshofes Eickel, in Eisenbeton statt des ursprünglich geplanten Ziegelsteinbaus zu errichten und mit sechs statt fünf Gleisen auszustatten. Von diesen sollten vier unterkellert werden. Außerdem sollte das Verwaltungsgebäude nun in einem abseits von der Wagenhalle und Werkstatt gelegenen Gebäude untergebracht werden.

Nach den Plänen einer in Nürnberg errichteten Wagenhalle erarbeitete die Wiesbadener Firma Dyckerhoff & Widmann (wurde 1865 als Fabrik für Betonfertigteile von Wilhelm Gustav Dyckerhoff gegründet) die Pläne für Eickel. Die Kosten für den Betriebshof, der im Januar 1908 eröffnet wurde, betrugen 153 000 Mark.


Das Foto zeigt den Straßenbahnbetriebshof in Eickel von der Zur Nieden Straße aus, rechts im Bild, aufgenommen um 1920.

Das Foto zeigt den Straßenbahnbetriebshof in Eickel von der Hordeler Straße aus. Rechts im Bild befinden sich Häuser der Zur Nieden Straße, aufgenommen um 1930.

Blick in die Wagenhalle des Straßenbetriebshof in Eickel, aufgenommen im Jahr 1908.

Am 16. Januar 1908 wurde unter Landrat Dr. Hermann Alfred zur Nieden (1868 - 1957), die Kommunale Straßenbahn des Landkreises Gelsenkirchen eröffnet. Die Bauzeit dieser Linie, welche von Wattenscheid-Höntrop über Gelsenkirchen, Hordel, Eickel nach Herne führte, dauerte von 1907 bis 1908. Die 19 Km lange eingleisige Straßenbahnstrecke wurde zunächst mit 19 Straßenbahnwagen befahren.

In einem Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Eickel vom 2. September 1907 wird das Verdienst des Landrats Dr. Herman Alfred zur Nieden wie folgt gewürdigt:

"In Anbetracht der Verdienste des Königlichen Landrats Herrn Dr. zur Nieden um das Zustandekommen der kommunalen Straßenbahn-Gesellschaft Landkreis Gelsenkirchen beschließt die Gemeindevertretung einstimmig der das Straßenbahngebäude umgebenden Straße die Bezeichnung "zur Nieden Straße" zu geben."

Im September 1913 übernahm die damalige Westfälische Straßenbahn GmbH. das Unternehmen. Auch sie hatte wenig Freude an den Betrieb. So trat der Konkurs der zahlungsunfähig gewordenen Westfälischen Straßenbahn GmbH. ein und die Bochum- Gelsenkirchener Straßenbahnen AG. übernahm am 12. August 1931 die Betriebsführung.

Dreißigjahre nach Eröffnung der Kommunalen Straßenbahn, im Januar 1938 wurde der Straßenbahnbetriebshof in Eickel mit Stilllegung der Strecke Herne-Höntrop aufgegeben und als Lagerhalle genutzt.

Ab 1941 stellte die Bochum- Gelsenkirchener Straßenbahnen AG. den Betriebshof für die Straßenbahnlinie 6 wieder in Betrieb. Im September 1944 wurde der Betriebshof in Eickel durch Alliierte Luftangriffe schwer getroffen.

Bis im April 1950 wurden in der Wagenhalle noch Wagen abgestellt, wenn auch zeitweise ohne Überdachung. Erst ab Dezember 1950 wurde der Betriebshof wieder in Betrieb genommen. Die Wagenhalle wurde durch einen Neubau ergänzt und später erweitert. Fortan wurde der Betriebshof nun als zentraler Stützpunkt zur Unterbringung für die Omnibusse der Bochum- Gelsenkirchener Straßenbahnen AG. genutzt.

Mit den Jahren erwies sich der Standort des Betriebshofes als Stützpunkt zur Unterbringung für die Omnibusse als "ungünstig", da die Lage in einem Wohngebiet lag und Erweiterungsflächen zur Unterbringung der Gelenkbusse nicht zur Verfügung standen. So wurde ein paar hundert Meter weiter, auf dem Middeldorf`schen Grundstück an der Hordeler Straße eine Freifläche angemietet, auf denen über Nacht der überzählige Fuhrpark abgestellt wurde. Die Anlage wurde im Frühjahr 1987 wegen einer Wohnbebauung mit Einfamilienhäusern aufgebeben. Fortan wurden die Gelenkbusse Abend für Abend zur Dorstener Straße in Bochum-Hamme gefahren, dort über Nacht zwischen geparkt und am Morgen wieder nach Eickel gefahren.


Eine ungewohnte Perspektive zeigt dieses Foto aufgenommen im August 1997. Nach Abbruch des alten BOGESTRA- Busdepots, wird der Blick frei auf den Volksgarten in Eickel.

Im Jahre 1990 zog der Betriebshof Eickel auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Alma in Gelsenkirchen-Ückendorf um. Hier entstand von 1988 bis 1989 auf rund 40 000 Quadratmetern ein moderner Betriebshof für den Fahrdienst der Bochum- Gelsenkirchener Straßenbahnen AG. Von nun an standen die Gebäude in Eickel leer, bis im Juni 1997, als die Abrissarbeiten begannen.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude mit Wohnungen für den Betriebsdirektor und Werkmeister, an der Edmund-Weber-Straße 72.

Am 28. August 1997 erfolgte dann der Spatenstich für ein geplantes Seniorenwohnheim Elisa- Stift. Die am Eickeler Volksgarten gelegene Seniorenresidenz wurde im Oktober 1998 eröffnet. Im Jahre 2008 erfolgte ein Gesellschafterwechsel in Curanum AG.

Wo einst der Straßenbahnbetriebshof stand, blicken wir heute auf das Seniorenstift der Curanum AG., aufgenommen im Juli 2013.


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Quellennachweis:
Wanne-Eickel Stadt: Fünfundzwanzig Jahre Stadt Wanne-Eickel. Wanne-Eickel 1955.
Schönefeld, Ludwig: Die "Kommunale". Geschichte einer Straßenbahn zwischen Herne, Wanne-Eickel und Wattenscheid. Wuppertal 1985
Herne Stadt: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Herne 1995.
Ausstellung: Die Elektrische kommt. Ein Streifzug durch die Geschichte der BOGESTRA in Herne und Wanne-Eickel. Herne 1997.
Ausstellung: Öffentlicher Nahverkehr im Ruhrgebiet. Wanne-Eickel 1997.
Tagespresse aus den Jahren: Juni 1965, August 1997, April 1998, Oktober 1998.
Info Blatt: BOGESTRA - Bochum- Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, ein kommunaler Nahverkehrsbetrieb im mittleren Ruhrgebiet, o.J.
Weitere Infos unter: http://www.curanum.de/standorte/nrw/herne

Fotonachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.



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