Wanne-Eickel-Historie


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Steilwandfahrer auf dem Festplatz in Crange

Kirmes

Es muss nach Sensation und Benzin riechen


Premiere in Crange auf dem Festplatz hatten im August 1952 die tollkühnen Steilwandfahrer der Truppe Thies, bestehend aus vier Akteuren, darunter eine wagemutige Frau ("Fräulein Milly") die die Besucher mit ihren verwegenen Verfolgungs- und Überholungsrennen in Atem hielten.

Werbeanzeige der Tagespresse von August 1952.

Premiere im August 1952 die Steilwandfahrer der Truppe Thies.

Eine weitere Premiere feierte die halsbrecherische Steilwandtruppe von Teddy Mars, mit den Motorrad-Stunt-Fahrer Heinz Borcho und Jimmy Enderson im August 1960 auf dem Cranger Festplatz.

"Motorsportschau" stand in großen Buchstaben über dem Eingang zum Zelt mit der Steilen Wand. "Früher hieß es Todesarena", erzählt der damals 34 jährige Wiener Teddy Mars der Tageszeitung 1960. "Todesarena", so hieß auch der Film, in dem Teddy Mars mitgewirkt hat. Seit zehn Jahren dreht er seine gefährlichen Kurven, immer mit von der Partie, sein Stiefsohn Heinz Borcho und der 28 jährige Jugoslawe Jimmy Enderson.

Mars Artistenlaufbahn begann als Dompteur in einem Schweizer Zirkus. Dort bekam er auch ersten Kontakt mit Motorrädern. In einer großen Tonne startete er jeden Abend zur "Todesfahrt im Löwenzwinger". Dompteurkunst verband sich mit dem waghalsigen Unternehmen der Steilen-Wand-Fahrerei in der "Todeswand".



Der Löwin blieb er bis Weihnachten 1959 treu, sie hieß Petra und fuhr im Beiwagen mit Teddy Mars an der Steilen Wand. Bei einer Vorstellung in Dülmen brach sie 1959 aus. Als sie wieder eingefangen wurde, musste sie getötet werden.

Ohrenbetäubender Lärm herrschte in dem Kessel, wenn die drei halsbrecherischen Männer starten. Gefahren wurde auf amerikamischen Polizeimaschinen, bei einer Spitzengeschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde.

Steilwandfahrer mussten schon damals mit Attraktionen aufwarten um ihr Publikum zu begeistern. Es musste nach Sensation und Gefahr riechen. So fuhr Teddy Mars freihändig mit seiner Beiwagenmaschine, sein Kollege Jimmy Enderson stieg während der Fahrt auf die Fußstützen. Sogar im Gegenverkehr bis hoch zum Kesselrand fuhr das Trio an der Steilen Wand.


Der Wiener Stunt-Fahrer Teddy Mars.

Motorrad-Stunt-Fahrer Teddy Mars an der "Kesselwand" im August 1960 in Crange.

Nostalgische Schaugeschäfte aus alten Zeiten sind heute im 21. Jahrhundert selten geworden auf deutschen Jahrmärkten. Aber es gibt sie noch, wie zum Beispiel die Motorrad-Steilwandfahrer des Berliner Schaustellers Charles Blume. Sein Vater gründete in den 1960er-Jahren die Vergnügungsbetriebe GmbH. Seit 1989 ist sein Sohn Charles Blume mit seinen drei Stunt-Fahrern deutschlandweit auf allen Jahrmärkten unterwegs. Der Eintritt hierzu beträgt für Erwachsene 6,- Euro und für Kinder 4,- Euro, eine Show dauert 15 Minuten.

Charles Blume war gerade mal acht Jahre alt, als ihn sein Opa zum ersten Mal auf ein Motorrad setzte. Heute präsentiert er die weltberühmte "Show der Sensationen".


Der Berliner Schausteller Charles Blume präsentiert die weltberühmte "Show der Sensationen".

An einer neun Meter hohen Holzwand - in einem Kessel von rund elf Metern Durchmesser, fahren die Motorrad-Stunt-Fahrer freihändig oder gar mit verbundenen Augen, auf ihren zum Teil historischen Maschinen (über 80 Jahre alt). Dabei erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern. Sogar mit einem Pik-up Wagen und einem Miniatur Motorrad wurde 2008 erstmals an der Wand gefahren. "Wer unsere Show gesehen hat, ist begeistert", sagte der Schaustellers Charles Blume in einem Interview im August 2008.

Die Steilwandfahrer der "Show der Sensationen" präsentierten ihr Können bei einem Auftritt im August 2008 auf dem Festplatz der Cranger Kirmes.

Die Steilwandfahrer der "Show der Sensationen" präsentierten ihr Können bis 2010 auf dem Festplatz der Cranger Kirmes. Nachwuchssorgen und Unfalltod (1998, 2002, 2006 und 2012 in Leipzig) lassen das Stunt-Spektakel auf Jahrmärkten seltener werden.


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Quellennachweis:

Tagespresse von 1952 und 1960.
Interview mit Charles Blume im August 2008.
45-minütige Dokumentation Film: Faszination Cranger Kirmes. Vom Pferdemarkt zu einem der größten Volksfeste Deutschlands. Interview und Film-Sequenzen im Zuge der Dokumentation zu "Motorrad-Steilwandfahrer auf der Cranger Kirmes", von Heinrich Lührig, Wanne-Eickel 2009.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



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