Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Stadthalle in Flammen

Geschichte

Die Stadthalle steht in Flammen


Am Samstag, den 17. Januar 1942 gastierte in der ausverkauften Stadthalle neben der "Löwenkirche" Reichsmusikdirektor Herms Niel mit seiner Arbeitsdienstkapelle.


Die Stadthalle war ein liebes altes Stück. Und selbst in der Bezeichnung "Käseglocke", die man ihr wegen der Form gegeben hatte, war nicht unbedingt etwas Abschätzendes. Man ging gerne hin. Auch zu Herms Niel. Die "Käseglocke" nach dem Ersten Weltkrieg gebaut, war seit der Stadtwerdung im Jahre 1926 immerhin so etwas wie ein kulturelles Bindeglied zwischen Wanne und Eickel. In der Mitte war der große Kuppelbau, seitlich schlossen sich Nebengebäude an. Im späteren südlichen Flügel war das Heimatmuseum untergebracht, im anderen Nebenbau waren Versammlungsräume und Platz für Turngeräte. Der Reichsmusikdirektor mit seiner Kapelle, er war durch seine Kompositionen: "Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein, und das heißt Erika", hinreichend bekannt, waren für das Konzert zwei Tage im Kurhotel untergebracht. Die "Käseglocke" war am Abend des 17. Januar voll, und das Publikum ging mit.

Heute an diesem Abend wollte niemand etwas von Alarm wissen. Er kam an diesem Tage dennoch. Um 20.15 Uhr heulten die Sirenen, zum ersten Male im neuen Jahr, als ob es nur darauf ankäme, Herms Niel zu stören. Schon um 21 Uhr kam Entwarnung, aber um 21.30 Uhr hörte man die "Heulsusen" schon wieder, aber auch dann dauerte der Alarm nur ganz kurz.

Flugzeuge tauchten über dem Stadtgebiet an diesem Abend nicht auf. Deshalb behielt man beim Konzert die Nerven - und machte weiter. Nachher brauchte sich niemand zu beeilen. Die meisten Besucher gingen in Ruhe nach Hause, einige begaben sich noch zu Kumpmann auf dem Steinplatz, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. In der Stadthalle verlosch das Licht. Hausmeister Winter schloss ab und ging ebenfalls zu Kumpmann. Er war erst kurze Zeit im Lokal, da rief es jemand in die Wirtschaft: "Die Käseglocke brennt!"

Die Anwohner der Kurhausstraße und der Langekampstraße hatten es zuerst bemerkt. Es leuchtete durch die Scheiben in der Kuppel. Fast zur selben Zeit ging der Alarm bei der Polizei und bei der Feuerwache ein. Rasant schnell breitete sich der Brand aus. Kein Wunder. Hier gab es genug Nahrung; die Vorhänge, die Stühle, die hölzernen Pfeiler und sogar die Verkleidung. Und zu allem Überfluss kam nun noch einmal Fliegeralarm. Die Feuerwehr löschte unentwegt weiter. Oben auf dem Dach standen die Männer, und richtete den Strahl nach unten in die Flammen. Aber es war ein hoffnungsloses Bemühen. Vorsichtshalber ließ man schon die nächstliegenden Häuser räumen. Trotz der gewaltigen Hitze, die der Brand ausstrahlte, fror den Männern der Feuerwehr das Sprühwasser an den Uniformen zu Eis, so kalt war die Nacht. Aus dem Heimatmuseum schleppte man die wertvollen Stücke ins Freie. Hier fielen den Flammen keine großen Werte zum Opfer. Von der Stadthalle aber war nach dem Brand nicht mehr fiel übrig. Später wurden die Reste der Halle und die stark mitgenommenen Nebengebäude abgerissen. Die Brandursache gab Rätsel auf, und heute noch hört man, dass Brandbomben die Ursache gewesen sein könnten. Gelegentlich wurde aber auch ein weggeworfener Zigarettenstummel als Brandursache genannt. Aber es stand fest, dass das Feuer hinter der Bühne ausgebrochen ist. Auf der Bühne waren bis zum Schluss des Konzerts Feuerwehrmänner auf ihren Posten, so dass auch diese Version unwahrscheinlich war. Die Ermittlungen haben dann später klar ergeben, dass das Feuer durch einen Kurzschluss entstanden ist.

Das eigenwillige Bauwerk, die Stadthalle, von der Langekampstraße und Kurhausstraße aus gesehen, um 1935.



zurück


Herms Niel, Reichsmusikdirektor des
Reichsarbeitsdienstes (RAD), aufgenommen im Jahre 1941.

Quelle: Auszüge aus der WAZ vom 17. März 1962
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü