Wanne-Eickel-Historie


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St. Laurentius Kirche in Wanne-Nord

Gebäude

Die Geschichte der St. Laurentiuskirche in Wanne-Nord


Am 10. August 1449, dem Festtag des heiligen Laurentius, wurde auf den Gutshof Crange eine Kapelle auf den Namen des heiligen Laurentius geweiht. Später traten die Besitzer von Haus Crange der evangelischen Konfession bei, so dass nach 1560 in der Kapelle evangelischer Gottesdienst gefeiert wurde. Diese Nutzung blieb, als während des Dreißigjährigen Krieges die Gutsherrenschaft wieder katholisch wurde. Um 1750 diente der Rittersaal des Hauses Crange als katholische Schlosskapelle, ein eisernes Kreuz über dem Seitenflügel erinnerte daran, dass hier die heilige Messe gefeiert wurde. Zur späteren Pfarrei St. Laurentius zählte auch die Bauernschaft Bickern (seit 1895 Wanne genannt). Die wenigen katholischen Bürger von Crange und Bickern gehörten zur Pfarrei St. Marien in Eickel.

Blick auf die St. Laurentiuskirche mit dem alte Pfarrhaus im Jahre 1886.

Ansicht der St. Laurentiuskirche von der Karlstraße aus, um 1910.


Ansicht der St. Laurentiuskirche von der Hauptstraße aus,
um 1910.


Mit dem Aufblühen des Bergbaus und dem Bau der Köln-Mindener- Eisenbahn kamen Menschen aus allen Teilen Deutschlands, vor allem aus dem damaligen deutschen Ostprovinzen. Die Menschen, suchten und fanden hier eine neue Existenz. So wurde 1871 die katholische Schulvikarie Crange-Bickern gegründet, die aber weiterhin der Pfarrei St. Marien unterstand. Ihr erster Schulvikar wurde Rudolf Wrede und die Schlosskapelle in Haus Crange erster Gottesdienstraum der katholischen Filialgemeinde mit 370 Seelen.

Am 27. Oktober 1890 kam es zur Abpfarrung von St. Marien in Eickel. Der bisherige Schulvikar Rudolf Wrede wurde zum erster Pfarrer ernannt. Nach den Plänen von Dombaumeister Güldenpfennig aus Paderborn, begann man 1884 mit den Bau der heutigen Kirche, jedoch ohne die beiden Joche und den Kirchturm. Am 21. Oktober 1885 weihte man das Gotteshaus auf dem christlichen Märtyrer St. Laurentius. Eine Sandsteinplastik über dem rechten Eingangsportal erinnert an das Schicksal dieses Diakons, der auf Geheiß des römischen Kaisers Valerian 253 nach Christi im Zuge der Christenverfolgung über einem glühenden Rost zu Tode gemartert wurde. Im Jahre 1892 wurde entsprechend den Entwürfen die Laurentiuskirche als dreischiffige neogotische Hallenkirche durch die beiden letzten Joche und den Turm vollendet. Die Orgel mit insgesamt 28 Registern ist im Jahre 1898 von der Dorstener Orgelbauwerkstatt Breil für rund 13. 000,- Mark erbaut worden. Sie wurde 1974-75 unter Verwendung des alten Pfeifenmaterials gründlich renoviert und mit jetzt 30 Registern nach klassischem Vorbild neu aufgestellt.



Am 1. April 1898 stirbt Pfarrer Rudolf Wrede. Er hinterlässt eine Gemeinde mit 10.700 Seelen, wobei ein Großteil aus Polen kam. 1904 wurde deshalb für die polnisch sprechende Bevölkerung eine eigene Messe eingeführt. Die Gemeinde weiht am 27. September 1898 das St. Anna Stift mit Kindergarten und Nähschule ein. In diesem Gebäude betrieben Vinzentinerinnen aus Paderborn im Auftrage der Gemeinde einen Kindergarten - man nannte ihn damals noch Kinderverwahrschule - und eine Nähschule. 100 angemeldete Kinder wurden von den Schwestern betreut.

Am 12. September 1900 wurde der Grundstein des Anna Hospital gelegt. Ein Jahr später konnten die ersten Betten belegt werden. Bis 1971 versahen auch hier die Barmherzigen Ordenschwestern vom heiligen Vincenz von Paul zu Paderborn ihre Arbeit. Im Jahre 1924 erfolgte der Erweiterungsbau, 1966 der Neubau und 1987 der Vorbau von Sanitärzellen. Im Jahre 1913 weihte der Gesellenverein das spätere Kolpinghaus ein, in welchem auch andere Vereine der Gemeinde zusammen kommen. 1951 beschloss der Kirchenvorstand die Errichtung des Mädchenwohnheimes St. Elisabeth.


Ansicht des St. Anna Hospital um 1910.


Im Jahre 1907 wurde im Norden der Pfarrei die Gemeinde Herz Jesus, im Süden die Pfarrei St. Josef (zum größten Teil aus Gebieten der Gemeinde St. Marien in Eickel) und 1913 im südwestlichen Teil St. Michael abgepfarrt. Hinzu kam 1963 im Osten der Pfarrei die 1959 errichtete Pfarrvikarie Allerheiligste Dreifaltigkeit als eigene Pfarrei. Die flächenmäßig so verkleinerte Gemeinde zählt augenblicklich 3.500 Seelen.

Im Zweiten Weltkrieg blieb die Substanz der Kirche trotz erhebliche Schäden erhalten. Bei einem großen Tagesangriff am 9. November 1944 erlitt das Kirchengebäude schwere Schäden. Brandbomben im Pfarrhaus und auf dem Kirchenboden mussten gelöscht werden. Am heiligen Abend und am 1. Weihnachtstag gab es wiederholt Fliegeralarm. Nachdem die Kirchenfenster am 22. Januar 1945 schwer beschädigt worden waren, wurde das Gotteshaus nach einem Großangriff vom 4. März 1945 fast völlig zerstört, so dass der Gottesdienst im St. Anna-Hospital statt fand.


Nach dem Krieg bot das Kirchengebäude ein trostloses Bild. Die Gewölbe zeigten tiefe Risse, das Dach war stark beschädigt, die Fenster zerstört. Nach der Währungsreform 1948 beginnt der Wiederaufbau. Pfarrer ten Hompel erwarb durch einen Gelegenheitskauf eine Kanzel und das Chorgestühl. 1952-1954 beginnt man mit der Restaurierung, die Chorfenster werden zugemauert und das Mosaik des Altarraums durch den Künstler Edmund Schuitz angebracht, das Weihnachten 1953 eingeweiht wird.












Blick auf die St. Laurentiuskirche im September 1949.

Innenansicht der St. Laurentiuskirche vor 1952.
Fotonachweis: Kath. Pfarramt St. Laurentius.














Am Weihnachtstag 1952 wurde das Mittelstück des dreigeteilten Mosaik-Altarbildes des heimischen Künstlers Edmund Schuitz (1913-1992) fertig. Ein Jahr später wurde das Tryptichon eingeweiht. Die Aufnahme entstand im September 2010.


1964 modernisiert man die Kirche nach den Richtlinien des Konzils und dem Geschmack der Neuen Sachlichkeit. Um die dunkelen Farben früherer Anstriche zu beseitigen, trug man einen hellen Kunstharzputz auf. 1979 muss der nicht atmungsaktive Putz von den Wänden gekratzt werden, da die Wand der Kirche zu verfaulen droht. Dabei wurde nach gründlicher Sanierung von außen und innen die Baustruktur entsprechend gotische Vorbildern farbig herausgeholt. Später konnten die Heiligenfiguren aus Gips (jetzt aufgestellt auf der Orgelbühne) durch Figuren aus der Gotik bis zum Frühbarock ersetzt werden. Im Jahre 1975 wurde eine Kindertagesstätte und das Gemeindezentrum an der Karlstraße neu gebaut. Auffallend ist hier das Relief am Gemeindezentrum, erschaffen vom Bildhauer Josef Rikus (1923-1989) aus Paderborn. Seit 1980 dient die ehemalige Zweitsakristei als Werktagskapelle, ihr Eingang befindet sich auf der Südseite.





Innenansicht des Kirchenschiffes, aufgenommen vom Altar,
in Richtung Empore, im Jahre 1971.

Fotonachweis: Kath. Pfarramt St. Laurentius.


Das künstlerisch gestaltete Bronzetaufbecken, ein Werk der Neuen Sachlichkeit des Futurismus, aufgenommen im September 2010.

Die Kanzel der St. Laurentius Kirchen. Der Bronzeguss des bekannten Paderborner Bildhauers Josef Rikus (1923-1989) stellt eine biblische Szene des Propheten Jeremia auf den Trümmern von Jerusalem da.

Die Bronzetür ist mit einem Motiv aus der Genesis gestaltet. Hier und in den beiden Marienkapellen schuf der Rheinländer Prof. Georg Meistermann (1911-1990), der zahlreiche Kirchen in Deutschland ausschmückte (Heilig-Geist Kirche in Röhlinghausen 1975) in einem Zeitraum von zehn Jahren (1978-1988) die Glasfenster mit den acht Seligpreisungen der Bergpredigt. Im Eingangsbereich der Kirche stand seit 1970 das Werk des Bildhauers Ernst Barlach (1870-1938), der überlebensgroße "Bettler". Der Entwurf des "Bettlers" entstand 1930, gegossen wurde die Plastik nach Auskunft Karl Hagemann bis 1978 acht mal. Die Bronzefigur steht seit August 2007 im Münsteraner Dom. Neben Ikonen, spätgotischen Madonnen und Tafelbilder aus dem 15.-17. Jahrhundert finden sich Graphiken und Skulpturen bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts zur Meditationshilfe in der Kirche ausgestellt. Diese sind zum Teil Leihgaben. Weitere Werk sind, der "Lehrende Christus" des Bildhauers Ernst Barlach, zwei Skulpturen von Gerhard Marcks (1889-1981) - der "betende Prophet" und "Martin und der Bettler", der "Kreuzweg Christi" von Ernst Oldenburg (1914-1992), "Petrus" von Ewald Matare` (1887-1965). Christian Rohlfs (1849-1938) der Gefangene hängt in der Seitenkapelle neben eine russische Ikone aus dem 18. Jahrhundert sowie sieben Gouachen des französischen Malers Georges Rouault (1871-1958) zum Querbalken eines Kreuzes arrangiert. Im steinernen Längsbalken ist eine spätgotische Holz-Pieta eingelassen. Daneben die Grafik von Käthe Kollwitz, das neuste Stück in St. Laurentius.

Der Eingang der Werktagskapelle, er befindet sich auf der Südseite. Die Bronzetür ist mit einem Motiv aus der Genesis gestaltet.

Das Relief am Gemeindezentrum, erschaffen vom Bildhauer Josef Rikus aus Paderborn.

Ansicht der St. Laurentiuskirche von
der Karlstraße aus, im Herbst 2009.

Eingangsportal der St. Laurentiuskirche
Hauptstraße 317, im Herbst 2009.

Seit 1891 beerdigt die Gemeinde ihre Toten auf dem gemeindeeigenen Friedhof an der Stöckstraße. Zum Friedhof gehört die 1990 erbaute Einsegnungshalle. Auffallend sind auch hier die Fenster von Prof. Georg Meistermann. Links auf dem Eingangssockel steht eine Plastik von Gerhard Marcks, zwei Menschen im Gespräch. Auf dem Dach der Halle befindet sich eine Bronzefigur des Bildhauers Bernhard Kleinhans (1926-2004) aus Sendenhorst, ein Schofar-Engel, der zu den Lebenden hinschaut und zu den Toten bläst. Das Schofar-Horn ist ein in jüdischen Gottesdiensten gebräuchliches Widderhorn. Die Bronzefigur wurde in den 80er Jahren geschaffen.

Die 1990 erbaute Einsegnungshalle mit den
Fenster von Prof. Georg Meistermann.

Die Kreuzigungsgruppe von Josef Rikus,
auf dem Friedhof an der Stöckstraße.

Links auf dem Eingangssockel des St. Laurentius-Friedhofs,
zwei Menschen im Gespräch, eine Plastik von Gerhard Marcks.


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Der Schofar-Engel auf dem Dach der Aussegnungskapelle des
St. Laurentius-Friedhofs, eine Arbeit des Bildhauers
Bernhard Kleinhans aus dem Jahre 1990.

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Quellennachweis:
90 Jahre St. Laurentius. Gedanken zu den Seligpreisungen: Meistermann-Fenster und Barlach-Figuren in St. Laurentius. WAZ vom 29. Dezember 1990, 24. Dezember 2001 und 21. August 2007, WAZ-Wochenende vom 26. September 1998, Stadtpanorama vom 18. Juli 1979. Elmar Jansen: Ernst Balach. Georg Meistermann Museum Wittlich.
Weitere Infos unter: Panoroma Bild


Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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