Wanne-Eickel-Historie


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Schultenhof

Höfe und Kotten

Der Oberhof - Schultenhof zu Eickel


Die älteste Urkunde über Eickel aus dem Jahre 1085 berichtet über den Ankauf des Oberhofes Eickel. Erzbischhof Sigewin von Köln bestätigt dem Abt Hermann (1082 bis 1121) und dem Konvent von St. Pantaleon die von ihnen erworbenen vogteifreien Güter, darunter ein Allod in 'Eycklo'. Diese Urkunde soll nach Oppermann (Rheinische Urkundenstudien, 1. Teil, 1922 Seite 256, 266) Mitte des 12. Jahrhunderts gefälscht worden sein, wobei eine alte echte Urkunde benutzt worden sei. Möglicherweise geht diese Bezeichnung auf einen Flurnamen zurück: 'eck' bedeutet 'Eiche', 'loh' = Wald; demnach war Eickel eine Siedlung im Eichenwald.

Um 1150 wird im Urbar E der Abtei Werden an der Ruhr ein 'Wicbertus in Eclo' genannt. Der Oberhof (curia) 'E (i) kelo' der Abtei St. Pantaleon in Köln wird auch in den Vogteirollen des Stiftes Essen aus der Zeit vor/um 1220 erwähnt. Um 1225 wird im Urbar A von St. Pantaleon in Köln die curtis (= späterer mittelalterlicher Zeit auch Bezeichnung für Oberhof) 'Echilo' genannt.

Der Pächter nannte sich nach dem Oberhof von Eickel 'de Eclo', verwaltete als Schulte (villicus = Verwalter eines Gutes) die Angelegenheiten der Villikation (Hofverband), saß als Vertreter des Abtes dem Hofgericht vor und brachte die in Geld festgesetzten Abgaben dem Abt nach Köln. Die ältesten Vertreter dieser adeligen Schulten von Eickel sind um 1225 Hinricus de Eicklo und sein Sohn Rigbert.

Kurz darauf übernimmt Wessel von Strünkede (1142, erstmals urkundlich genannt als Zeuge in einem Streit mit dem Stift Essen) als Defensor (Schutzherr der Kirche und ihrer Güter) gegen eine jährliche Leistung von einem Fuder Wein oder zwei Mark den zusätzlichen Schutz des Oberhofes.

Nach dem Tode des Defensors übernimmt Graf Arnold von Altena (1150 bis 1206) den Schutz des Oberhofes mit der Hofgemeinschaft zu gleichen Bedingungen. Sein Sohn Friedrich, der sich seit 1207 Graf von Isenburg nennt, folgt ihm im Amt.

Nach der Hinrichtung Friedrichs von Isenburg (1226) rückt dessen Vetter Adolf von der Mark im Jahr 1227 in die Rechte in Eickel ein und die Hofgemeinschaft muss sich nun verpflichten, dem neuen Defensor als Schutzgeld jährlich zwei Mark kölnischer Währung zu zahlen.

Durch Schiedsvertrag im Jahr 1243 geht das Schutzverhältnis zunächst an die Limburger über und wird dann an die Linie von Limburg - Styrum weiter gereicht.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark werden im 'Nederampt van Bouckhem (Niederamt Bochum)' im Jahre 1486 in 'Ekell' 36 Hofesnamen aufgezählt. In der Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1542 sind 12 Höfe und 18 Kötter verzeichnet; im Türkensteuerregister von 1598 für das Amt Bochum
* wird der 'Schulte tho Eickel' neben vielen anderen als Abgabepflichtiger genannt. Im Feuerstättenverzeichnis sind im Jahre 1664* vier Höfe, ein halber Hof und 35 Kötter eingetragen.

Hieraus ist zu entnehmen, dass ein größerer Teil der Kotten, die das Dorf Eickel bildeten, auf dem Grund und Boden des alten Oberhofes angelegt wurde. Der Oberhof auch Schultenhof bildet als Urhof des unmittelbaren Ortskerns die Keimzelle der Orts- und Besiedlungsgeschichte in Eickel.


Schultenhof


Der Schultenhof lag in der Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel, zwischen der ehemaligen Brauerei Hülsmann und dem Gasthof Meistertrunk. Im Jahr 1820 war der Schultenhof noch 100 Morgen
* groß.

Bei dem Oberhof Eickel war der Schulte über eine große Hofgemeinschaft gestellt; er trieb bei den dem Haupthof pflichtigen Höfen die Abgaben ein und sprach im Namen des Hofherrn Recht. Leitete der Hofherr selbst die Verhandlung, hatte der Schulte beratende Funktion.

Der Name "Schulte" war der Titel eines verliehenen Amtes. Schulte war der Vorsteher der Markgenossen, der Hofgemeinde oder der Beauftragte des Großgrundbesitzers.

Im Frühjahr 1805 wurde das Wohnhaus durch einen Brand zerstört und an der gleichen Stelle, in der heutigen Straße "Schultenhof", erneut aufgebaut. Das aus dem Jahre 1821 stammende Fachwerkgebäude verzeichnete in den Balken über dem Deelentor folgende Inschrift:

"Drum Wer Nur Hier Das Seine Tut, Mag Bauer oder König Heißen: Er Hat Doch Gutes Nachzuweisen. Und Lebt In Seinem Stande Gut. Den 23. Juni 1821. M. H. B. P. M."

Ein anderer Spruch deutet auf ein erlittenes Brandunglück hin und trägt folgende Worte:

"Nun Ist Hier Alles Neu Gebaut, Gott Du Wollest Es Bewahren, Vor Unglück Und Gefahren. Durch Deine Milde Unterhand. D. H. E. - C. C. Sch. Eheleute."

Auch beim alten Schultenhof bewahrheitet sich das Sprichwort, dass auf dieser Welt nichts von Bestand ist. Als durch sechs Jahrhunderte hindurch Generationen das Schultenamt bekleidet hatten, im 16. Jahrhundert die Herren von Eickel ausgestorben waren, eine Lockerung in den Hofesverbänden eintrat, Höfe und Länderein in den Besitz der örtlichen Kirchengemeinden übergingen, verblaßte der Glanz des Schultenamtes. Die Einrichtung des Jurisdiktionsgerichtes
* Eickel im Jahre 1690 gab dem Eickeler Schultenhof den Todesstoß. Die Schultenaufgaben gingen sämtlich auf das Gericht über. Der Eickeler Schultenhof als Verwaltungsstelle und Gericht hatte seine Rolle ausgespielt.

Trotzdem erwiesen Bauern, Kötter und Tagelöhner dem Schulten ohne Macht und Recht aus angeborenem Konservatismus noch lange ihre Reverenzen. Erst die französische Besatzung und die Auswirkungen der französischen Revolution, die auch durch die stille Gassen des Eickeler Schulten drangen, machten auch dem ein Ende. Nach der Steinschen Reform
* kaufte Landwirt Middeldorf den Schultenhof. Seine Witwe heiratete dann den Bauern Schulte, der auch bald starb. Zum drittenmal heiratete die Frau, diesmal den Landwirt Gruthof. Sein ältester Sohn, war der letzte Schulte von Eickel. Gruthoff verstarb im Jahre 1857. Er wurde bei der Arbeit von einem Pferd erschlagen.

Im Jahre 1873 ging der Hof durch Heirat an den Schwiegersohn Tiemann über. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb die Stadt das Anwesen. Das Fachwerkhaus wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben und die Reste des Hauses 1947 von einem Sturm zerstört.

Heute erinnert nur noch die Straße Schultenhof, die auf diesen Hof führte, an den alten Oberhof Eickel, dessen Gelände heute von der ehemaligen Brauerei Hülsmann und einem dicht bebauten Stadtteil eingenommen wird.

Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Eickel, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Schulte ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel.

Blick in den Schultenhof, aufgenommen um 1910.

*Anmerkung: Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Türkensteuerliste war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Der Rechtsbegriff der Judikative (lat.: iudicare, "Recht sprechen"; früher auch Jurisdiktion genannt) bezeichnet die "richterliche Gewalt" im Staat, ausgehend von der klassischen dreigliedrigen Gewaltenteilung in Legislative (Parlament als gesetzgebende Gewalt), Exekutive (Regierung als vollziehende Gewalt) und rechtsprechende Gewalt. Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (* 25. Oktober 1757 in Nassau; † 29. Juni 1831 auf Schloss Cappenberg bei Selm) war ein preußischer Staatsmann und von 1783 bis 1804 als preußischer Verwaltungsangestellter in Westfalen tätig. Auf ausdrücklichen Wunsch Napoleons trat Reichsfreiherr vom und zum Stein am 4. Oktober 1807 das Amt des leitenden Ministers in Preußen an. Fünf Tage später erließ König Friedrich Wilhelm III. ein von Stein ausgearbeitetes Edikt, das die Leibeigenschaft der Bauern beseitigte. Da zahlreiche Bauern ihre Existenzgrundlage verloren, als sie ein Drittel oder gar die Hälfte des Bodens abgeben mussten, um den Landadel für den Verlust der gutsherrlichen Rechte zu entschädigen, wanderten viele von ihnen in die Städte und vergrößerten dort am Vorabend der Industrialisierung das Proletariat. Andere wurden zu besitzlosen Landarbeitern, die zwar persönlich frei waren, deren Lage sich aber eher verschlechtert hatte, da kein Gutsherr sie mehr beschützte.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Beitrag zur Kulturgeschichte der Heimat, Witten 1918.
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Höfken, Günther, Zur ältesten Geschichte des Oberhofes Eickel, (mit Urkundenanhang) Bochum 1955.
Keinhorst, Hermann, Eickel vom Jahre 774 bis zur Neuzeit, Wanne-Eickel 1963.
Tageszeitung aus dem Jahre 1953, 1954, 1955, 1958.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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