Wanne-Eickel-Historie


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Schulte-Altedorneburg

Höfe und Kotten

Schulte-Altedorneburg


Der Hof Schulte-Altedorneburg lag in der alten Gemarkung Eickel, Flur II, genannt Dorneburg.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Schulte-Alte Dorneburg ist rot unterlegt.

Zu den abhängigen Hufen* des Gutes Oberhof gehörte auch der Hof Schulte-Altedorneburg. Er war ein von Dornengestrüpp umgebener Bauernhof, ein Hag* in die man in Kriegszeiten sich mit dem Vieh zurückziehen konnte.

Im 12. Jahrhundert übergab der Graf von der Mark seinen Lehnsmann ein Gut, das sich "an der alten Dorneburg" nannte. Um Verwechselungen zu vermeiden, nannte sich der ältere Siedler Altedorneburg und fügte später seinen Namen zum Unterschied von den adeligen Herren von Dorneburg noch den Zusatz "Schulte" hinzu.

Im Jahre 1225 bestätigte der Abt von St. Pantaleon in Köln dem Altedorneburg, dass er ein Erbhof- und nicht ein "höriger" Bauer sei.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* werden im 'Nederampt van Bouckhem (Niederamt Bochum)' im Jahre 1486 in 'Ekell' 36 Hofesnamen aufgezählt, darunter auch der Hofname "Ailbert schulten ter alden dornenborg". In der Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum* aus dem Jahre 1542 sind 12 Höfe und 18 Kötter verzeichnet, unter anderem auch ein "Schulten tor alden Darnborg". Im Feuerstättenverzeichnis sind im Jahre 1664* vier Höfe, darunter auch der Hof von "Schulte zu Altendorneburg" eingetragen. Im Pfarrarchiv zu Eickel wird im Jahre 1577 ein "Alte-Dorneburg" genannt. Im Jahre 1800 ist ein "Schulte-Alte-Dorneburg" als Kirchmeister in Eickel eingetragen.

Johann Heinrich Schulte-Altedorneburg löste die alten grundherrlichen Rechte am 27. Dezember 1821 mit 8 000 Reichstalern ab. Der Pachtvertrag bzw. wie es seiner Zeit hieß der "Gewinnbrief"
* erlosch, Schulte-Altedorneburg war Eigentümer seines Hofes geworden.

Bei der Teilung der Cranger Heide erhielt Johann Heinrich Schulte-Altedorneburg im Jahre 1841 für Aufgabe seiner Weiderechte eine Abfindung von 22 Morgen.
*

Schon sehr früh verkaufte Schulte-Altedorneburg Teile seines Grundbesitzes an Kötter, Industrie, Hafenbahn und der Stadt. Im Jahre 1918 verkaufte dann die Witwe Wilhelm Schulte-Altedorneburg, Amalie geborene Göddenhoff, den Restbestand der Ländereien an die Zeche Shamrock, den Hafen und dem Amt Wanne.


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*Anmerkung:
Ein
Hag ist ein meist von einer Hecke eingehegtes bzw. eingefriedetes Gelände. Der Wortbestandteil -ha(a)g(en) weist als verbreiteter Flur- oder Ortsname auf diese frühere Siedlungsform hin. Auf dem umfriedeten Gelände befindet sich meist ein Hof (Hofstelle), ein Gehöft oder ein Weiler. Hufe in Deutschen und den germanischen Eroberungsgebieten war das Sondereigentum eines Volksgenossen an Grund und Boden, einschließlich der Hofstelle sowie aller Rechte an der Allmende. Das Wort Hufe bezeichnet ein landwirtschaftliches Gut, welches mit einem Pfluge bestellt werden kann und demnach der Arbeitskraft einer Familie entspricht und diese ernährte. Die korrelative Fläche wurde vom Anfang des 9. bis ins 19. Jahrhundert hinein meist auf rund 30 Morgen veranschlagt. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Türkensteuerliste war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Der Reichstaler war eine weitverbreitete Silbermünze und wurde im Jahre 1750 von Friedrich dem Großen in Preußen - hierzu gehörte auch die Provinz Westfalen bzw. die Rheinprovinz - eingeführt, der Wert der Münze betrug 3 Mark. Neben dem Gulden war sie offizielles Zahlungsmittel. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Ergänzend zu Lagerbüchern wurden im Münsterland und Westfalen von Grundherren in der Form von Registern auch Gewinnbücher geführt. In diesen Gewinnbüchern, wie auch in einen für den einzelnen Erbpächter zusätzlich ausgestellten Gewinnbrief, wurde ein Erbwechsel oder Auffahrt von der alten auf die junge Generation dokumentiert. Der Erbwechsel konnte auch durch ein vor Gericht vereinbartes und bescheinigtes Kontraktenprotokoll geschehen. Vereinbart wurde im Gewinnbrief oder im Kontraktenprotokoll die Konditionen für die Rechte und Pflichten der abtretenden Aufsitzer, wie auch die Rechten und Pflichten der neuen Ergewinner. Neben der Eigentumsübergabe konnte die Altersversorgung der Alteigentümer und ein vom Erbwechsel abweichender Zeitpunkt für den Wechsel der Administrationsrechte vereinbart werden.

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Beitrag zur Kulturgeschichte der Heimat, Witten 1918. Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel, Eickel 1927. Höfken, Günther, Zur ältesten Geschichte des Oberhofes Eickel, (mit Urkundenanhang) Bochum 1955. Keinhorst, Hermann, Eickel vom Jahre 774 bis zur Neuzeit, Wanne-Eickel 1963.

Bildnachweis:
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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