Wanne-Eickel-Historie


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Schmiedemeister Hohmuth

Bergbau

Aus Schmiedemeister Hohmuth Leben


Ein alter Königsgruber war der Schmied Hohmuth.
Er wohnte in der Königsgruber Kolonie, Hannoverstraße 8.
Über den Schmiedemeister Hohmuth berichtet Liebetraut Rothert:

Die Erinnerungen des alten Knierim konnten wir nicht mehr selbst erlauschen, doch steht der werkstreue, fleißige Hesse in der liebevollen Schilderung des Sohnes lebendig vor uns. Den 86jährigen Vater Hohmuth dagegen trafen wir. noch ganz munter und lebendig, wie er im goldenen Septembersonnenschein vor seinem Königsgruber Koloniehause saß, das Bild seiner alten, hundertjährigen Schachtanlage immer leibhaftig vor Augen. Gleich war er bereit, uns von vergangenen Zeiten zu berichten, und ebenso hübsch wie sein Erzähleifer war die Freude, mit der Tochter und Schwiegersohn - auch dieser ist Hauer auf Königsgrube - den Geschichten des Vaters lauschten.

Den hatte die jugendliche Wanderlust von weit her in die Königsgruber Kolonie geführt. Sein Vater war selbständiger Schmiedemeister im Kreise Krotoschin, nahe der schlesischen Grenze, und seine Mutter entstammte einer württembergischen Bauernfamilie, die später im Posenschen ansässig geworden war. Der junge Hohmuth lernte beim Vater das Schmiedehandwerk; ehe er aber noch losgesprochen war, das heißt die Gesellenprüfung gemacht hatte, warf es den Vater auf das Totenbett. Da bestand der 18jährige bei fremdem Meister die Prüfung und ging dann, die Augen westwärts gerichtet, auf Wanderschaft.


„Bis nach Breslau ging ich zu Fuß, mein Handwerkszeug, Hammer und Zangen, trug ich in einer Tasche über der Schulter, so wie die Frauleute heute die Taschen tragen." In der schlesischen Hauptstadt wies man den Gesellen auch gleich zu einem Meister, aber als er mit dem Gruße ..Gott segne das ehrbare Handwerk, Meister und Gesellen" die dunkle, verräucherte Werkstatt betrat, lichtlos in enger, lauter Gasse gelegen, da grauste es den Jungen vom Lande, wo die Schmiede, nach der Dorfstraße zu geöffnet, unter alten Bäumen gelegen war, ein Teil des bäuerlichen Lebens. So nahm er lieber draußen vor den Toren der Stadt Arbeit und blieb nur drei Monate, um weiter zu sehen und zu lernen. Er kam nach Liegnitz, kam ins Sächsische, arbeitete in Dresden, kam in die Stadt Hannover, immer die Augen offen und an den einzelnen Haltepunkten die Hände fleißig geregt. Eigentlich sollte es nun nordöstlich ins Mecklenburgische gehen und später heimwärts, denn Hohmuth wollte sich einmal, wie der Vater, in der Heimat selbständig machen. Aber in Hannover traf er Gesellen, die vom Kohlenpott als einer guten Verdienstquelle sprachen, und zudem wußte er von Landsleuten, die auf Königsgrube bereits in Arbeit standen - nun, die konnte man ja schließlich mal besuchen. Im Juni 1889 kam der Schmiedegeselle in Wanne an. ,,Da stand damals noch der alte Bahnhof, und die Ziegen liefen über die Geleise! Keine Stadt Wanne war da, nur ab und an kam ein Haus." An der alten Markenbude von Königsgrube holte er den Landsmann Weirauch ab, und ein paar Tage später schlug ihm gar ein Landsmann aus dem eigenen Dorf, August Reim, Schmied auf der Nachbarzeche Hannover, auf die Schulter. Was Wunder, dass der junge Schmied Hohmuth, nachdem er auf Königsgrube sein eigenes Feuer hatte, sich unter so viel landsmannschaftlichem Zuspruch bereitfand, zu bleiben? Und zwar für sein ganzes Leben, 39 Jahre treuer Arbeit auf Königsgrube!

Eines Tages, im Jahre 1893, holte er seine Mutter von daheim nach Röhlinghausen und brachte sich gleich seine junge Frau aus der Heimat mit. Acht Kinder wurden im Laufe der Jahre alle im selben Koloniehause geboren, in dem der alte Hohmuth jetzt auch seinen Feierabend verlebt, während Enkel um ihn groß werden. „Für uns war's immer ein Fest, wenn Vater sonntags mal zu Hause war", erzählte die Tochter. Der sonntägliche Verdienst bei Reparaturarbeiten wurde bei einer so vielköpfigen Familie, in der vier Mädchen, heute mit Bergleuten verheiratet, und zwei Jungen zum Bergmannsberufe heranwuchsen, dringend benötigt.

Vielseitig war die Arbeit in der großen Werkstatt. Erst galt es ja mal, sich an das Plattdeutsch zu gewöhnen, das der Meister Plantenberg, aus Warendorf gebürtig, wie alle anderen Westfälinger auf der Zeche, ausschließlich sprach. Besonders liebevoll erinnerte sich Vater Hohmuth der Grubenpferde, die er zu beschlagen hatte. 28 schwere Belgier waren damals auf der 6. Sohle, sie wurden gleich an Ort und Stelle beschlagen. Hohlbohrer wurden in der Schmiede gemacht, es galt im Schacht die breiten Unterseile zu spleißen, alte Fördereinrichtungen in den Malakowtürmen abzuwerfen und was es sonst an Arbeit gab - viel noch ließe sich darüber berichten".

Aus jedem Worte aber und jeder Erinnerung sprach die Liebe und Anhänglichkeit für den alten Pütt, dem Vater Hohmuth sein Lebenswerk gewidmet hat.

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Quelle: Lührig, Heinrich / Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, 2. erweiterte Auflage, Herne 1997, S. 93 ff.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


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