Wanne-Eickel-Historie


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Rudolf Zienius

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Ein Leben fürs Archiv


Rudolf Zienius wurde am 9. Mai 1919 als jüngstes von zehn Kindern eines Bergmanns in Wanne-Eickel geboren. Zienius Vater, den es aus Ostpreußen nach Wanne-Eickel verschlagen hat, erwirbt im Laufe der Zeit, in Crange das 1804 erbaute Fachwerkhaus Altcrange Nr.7. Das Elternhaus ist für Rudolf Zienius Ausgangs- und Ruhepunkt seiner späteren Jahre. Hier fand die Irrfahrt der Familie ein Ende – die Flucht der protestantischen Vorfahren von Salzburg nach Masuren, die Übersiedlung des Vaters von Sensburg in Ruhrgebiet. Hier wurzelt, merkwürdig und verständlich zugleich, seine große Liebe zu Wanne-Eickel, in einem alten Fachwerkhaus, in dem er geboren wurde, gleich neben dem Cranger Kirmesplatz. Sein beruflicher Werdegang war am Anfang eher Kurios als Gradlinig, sollte er doch eigentlich die Lehre als Schonsteinfeger bei Verwandten in Köln antreten. Doch das Vorhaben zerschlug sich. Aus einer Maurerlehre wurde auch nichts, es war 1933, sieben Millionen Arbeitslose! Der künftige Lehrherr hält ihn mit dem Vertrag hin, lässt ihn als Jungarbeiter Beton gießen, bis der Vater sagt: Schluss jetzt! Dafür bist du zu schade. Weil er keine Lehrstelle findet, wird er zur Handelsschule geschickt. Nach Abschluss der Ausbildung tritt er eine Lehrstelle in der Stadtverwaltung als Obergerichtsvollzieher an.


Nach den Kriegswirren kam Zienius 1945 über Wien zurück ins Ruhrgebiet nach Wanne-Eickel. Im Jahre 1946 stellte ihn die Stadt wieder ein. Seine Tätigkeit war nun, das Sichten, Sortieren und Sammeln – er geht von Tür zu Tür und zählt die Wanne-Eickeler für die städtische Kartei. Mit großer Sorgfalt arbeitet er sich im laufe der Zeit durch verschiedene Ämter: Einwohnermeldeamt, Ordnungsamt, Sozialamt, Kulturamt und Jagdamt. Als im August 1948 die Gesellschaft für Heimatkunde wiedergegründet wurde, zählt er zu den ersten „neuen“ Mitgliedern. Ab Januar 1950 übernahm er in der Gesellschaft, die Stelle des Geschäfts- und Schriftführers. Das Jahr 1964 öffnet Zienius den Weg zu „Höherem“, man überträgt ihm das Amt des Archivars, weil es an akademischen Bewerbern fehlt. Ein Kurs und ein Praktikum sorgen für fungiertes wissen. Ein Glücksgriff wie sich später heraus stellen sollte. Diese Tätigkeit übte Zienius mit Begeisterung aus und brachte dem nimmermüden Heimatforscher den inoffiziellen Beinamen „Bürgermeister von Crange“ ein. Die Höhe seines heimatpflegerischen Wirkens stellte sicherlich die Eröffnung des Heimatmuseums in der ehemaligen Schule an der Unser Fritz Straße im Jahre 1971 dar, die wesentlich auf seine Initiative zurückgeht. 1975 ernannte der Westfälische Heimatbund auf Empfehlung des Kultur- und Bildungsausschusses der Stadt Herne Zienius zum Stadtheimatpfleger.

1977 trat er aus gesundheitlichen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand. Seine Aufgaben in der Heimatpflege versah er jedoch nach wie vor mit ungebrochenem Elan. Für seine Verdienste um die Heimatpflege in der ehemals selbstständigen Stadt Wanne-Eickel verlieh der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Rudolf Zienius 1987 das Bundesverdienstkreuz. Stadtgeschichte und kirchliches Engagement kennzeichnen Zienius Lebensweg. So war er für die Evangelische Kirchengemeinde Crange in den Jahren von 1984 bis 1992 als Kirchmeister tätig. Als Dank und in Anerkennung seiner Leistungen ernannte der Vorstand der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel Rudolf Zienius 1990 zum Ehrenmitglied. Im Alter von 85 Jahren verstarb am 4. November 2004 der ehemalige Stadtarchivar und Geschäftsführer der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V.

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Quelle: Interview vom Juli 1985 durch Gudrun Kratz-Norbisrath, Westfälischer Heimatbund Ausgabe 3/1990.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


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