Wanne-Eickel-Historie


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Reinhold Grasreiner

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Heimatforscher und Pädagoge


Reinhold Grasreiner stammt aus Tühringen und war fast ein vierteljahrhundert lang Rektor der Bulmker Karlschule und einer der ersten und eifrigsten Erforscher der Gelsenkirchener Stadtgeschichte. Seine Vorfahren, im 18. Jahrhundert als Protestanten aus dem Land Salzburg verbannt, siedelten sich in Steinach an, wo den Stammvater der Grasreiner wohl "die Berge des Thüringer Waldes und so manch anderes ihn an seine Salzburger Heimat erinnert" (Grasreiner). Etwa hundert Jahre später, im November 1830, "zog mit Sack und Pack Christoph Grasreiner, von Steinach kommend, nach Crock und begründete zu Anfang des Jahres 1831 die Spielwarenindustrie in Holz, die erste im Dorf", berichtet sein Enkelsohn Reinhold, der dort am 31. Oktober 1863 geboren wurde. Zunächst absolvierte dieser eine lehre als Modelleur, besuchte aber bald darauf das Lehrerseminar in Hildburghausen/Thüringen. Am 24. Mai 1883 tritt er seine erste Lehrstelle in Scherfede an der Diemel an. Im Jahre 1885 heiratete er die in Bochum-Langendreer geborene Sofie Meckenstock und wurde nach bestandener Rektorprüfung Hauptlehrer an einer Volksschule in Wanne-Eickel, im Ortsteil Röhlinghausen.

Die Schulverwaltung des Amtes Braubauerschaft (Bismarck) reagierte auf steigenden Schülerzahlen im Jahre 1900 mit dem Ausbau der Karlschule am Heinrichplatz in Gelsenkirchen-Bulmke zum siebenklassigen Schulsystem. Mit der Leitung dieser Schule wurde am 1. Mai 1900 Rektor Reinhold Grasreiner beauftragt. Von ehemaligen Schülern wird der Lehrer Grasreiner als "pflichtbewusste und gerechte Respektsperson, der keineswegs zu den Rohrstock-Pädagogen gehörte" geschildert.

In einem kurzen Porträt schildert der Heimatforscher Wilhelm Idelberg seinen Heimatfreundfreund Grasreiner als gern gehörter Redner, der kaum einmal in einer Versammlung des Lehrervereins fehlte und an Besprechungen stets lebhafte Anteil nahm. Für die belange der Volksschulen und die Interessen der Lehrerschaft setzte er sich mit großer Verve ein und blieb bei aller Verständigungsbereitschaft in grundsätzlichen Fragen oft kompromisslos. Als seine Lieblingsbeschäftigung bezeichnete Idelberger jedoch die Pflege der Heimat. "Er sammelte eifrig alle Schriften und Zeitungsausschnitte, die von Gelsenkirchen berichteten, notierte alte Hausinschriften, zeichnete Deelenbalken und Hausgiebel, deutete die Hausrunen und hätte es gern gesehen, wenn alle ausgebauten Deelenbalken sorgsam aufbewahrt worden wären."




Grasreiner wurde im Laufe der Jahre in viele Ämter gewählt oder mit verschiedenen Funktionen betraut. So war er zum Mitglied der "Bezirksstelle für Naturdenkmalpflege im Gebiet des Ruhrsiedlungsverbandes zu Essen" und der "Interessengemeinschaft für Heimatschutz im Industriegebiet" berufen worden. Er wurde zum "Pfleger für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer im Stadtkreis Gelsenkirchen" durch den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen ernannt, 1922 wählte man ihn in den Jugendwohlfahrts-Ausschuss und im Schulrat war er als ständiger Mitarbeiter Vertrauensmann der Lehrerschaft. Nach seiner Pensionierung im Jahre 1922 konnte er sich verstärkt seinen publizistischen Arbeiten widmen, und es entstanden eine Vielzahl von Aufsätzen, die in Zeitschriften und Zeitungsbeilagen veröffentlicht wurden. Grasreiners Untersuchungen zur Lokalhistorie zeichnen sich durch eine treffsichere Ausdrucksweise, die niemals akademisch-trocken wirkte, aus. Die Fähigkeit, seine Leser nicht nur zu informieren, sondern auch zu unterhalten, kennzeichnen seinen Stil. In den Jahren 1923 und 1925 gab er das zweibändige Heimatbuch "Im Herzen des Ruhrlandes" heraus, das, wie der Untertitel verrät, für "Schule und Haus" bestimmt war.


Reinhold Grasreiner, Porträt von Grete Grasreiner- Havranek.



Im Jahre 1927 gehörte Grasreiner zu den Gründungsmitglieder des Gelsenkirchener Heimatbundes, der sich im Haus des ersten Vorsitzenden Hermann Franken konstituierte. Ein Jahr später bat er allerdings aus Altersgründen um Entbindung vom Posten des 2. Schriftführers. Auf dem Gebiet der Heimatforschung blieb er jedoch weiterhin aktiv, wie viele Beiträge in Zeitschriften beweisen.


Darüber hinaus widmete er sich einer anderen Tätigkeit mit großer Begeisterung und Zuneigung, denn seinen Enkelkindern ist er ein "warmherziger und pfiffiger Großvater, den wir oft bei Besuchen in seiner ganzen Lebendigen und Liebenswürdigkeit erleben durften", wie Enkelin Johanna Ruch sich noch erinnert.

Reinhold Grasreiner starb am 12. Februar 1935 in Dortmund und wurde auf dem Ostfriedhof in Gelsenkirchen-Hüllen beigesetzt. Knapp hundert Jahre nach seiner Geburt wurde Reinhold Grasreiner eine besondere Ehre zuteil: Die Stadt Gelsenkirchen beschloss am 4. Mai 1959 nach ihrem verdienstvollen Bürger eine Straße in der Gelsenkirchener Innenstadt zu benennen.



Lehrervereins-Anzeiger. Herausgegeben von den Lehrervereinen Gelsenkirchen, Wanne-Eickel und Wattenscheid. Verantwortlich für den Schriftleitungsteil Reinhold Grasreiner. Dezember 1912.

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Quelle: Scheibe, Klaus: Gelsenkirchener Heimatforscher und Pädagoge Reinhold Grasreiner, Eine Dokumentation, Gelsenkirchen 1988, S 3 ff.
Fotonachweis: Stadtarchiv Gelsenkirchen


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