Wanne-Eickel-Historie


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Rathaus Wanne-Eickel

Gebäude

Vom Amtshaus zum Rathaus Wanne-Eickel


Am 1. August 1875 wurde aus den Landgemeinden Bickern, Crange, Röhlinghausen, Eickel und Holsterhausen das Amt Wanne gebildet (Erlass des Oberpräsidenten datiert vom 22. Mai 1875). Das neugebildete Amt zählte 11 186 Einwohner. Die Diensträume befanden sich zunächst im Hause des Brennereibesitzers Hackert in der damaligen Bahnhofstraße 6 (heute Hauptstraße), danach in der Viktoriastraße 14 (heute ebenfalls Hauptstraße).

In einer der ersten Sitzungen der Amtsversammlung wurde am 5. November 1875 der Bau eines Amtshauses beschlossen. Der Landwirt Langebeckmann schenkte dem Amt Wanne das Grundstück, das sogenannte "Heitkamps Feld", welches eine Größe von 2 275 Quadratmeter hatte und an der damaligen Kaiser-Wilhelm-Straße (heute: Am Alten Amt), lag. Am 11. September 1876 erhielt die Baukommission die Vollmacht, der Firma Schalke aus Westenfeld die Bauausführung zu übertragen.













Das alte Amtshaus Wanne in der damaligen Kaiser-Wilhelm-Straße, heute Am Alten Amt um 1900. Am 1. April 1905 wurde das Katasteramt in das alte Amtshaus verlegt.Das Gebäude wurde im März 1976 abgetragen, heute befindet sich hier ein Spielplatz.


Bezugsfertig war das Amtshaus am 10. September 1877. Im Erdgeschoss befanden sich die Amtsräume, im Obergeschoss die Dienstwohnung für den Amtmann, in einem Anbau das Meldeamt, die Dienstwohnung für den Amtspolizeidiener und das Polizeigefängnis. Nachdem im Jahre 1893 eine eigene Dienstwohnung für den Amtmann fertiggestellt war, wurden im Amtshaus bis 1895 insgesamt zwölf Diensträume eingerichtet. Im alten Amtshaus waren seitdem u.a. folgende Dienststellen untergebracht: Katasteramt, Schulamt, Kulturamt, Rechnungsprüfungsamt, Wohnungsamt, Amt für Vertriebene und Flüchtlinge, Amt für Soforthilfe, Sozialamt und Versicherungssamt.

Trotz eines Anbaus erwies sich das Amtshaus jedoch aufgrund der zunehmenden Einwohnerzahl (bis 1902 auf 33 000 gestiegen) bald als zu klein. So beschloss die Amtsverwaltung im Jahre 1901 den Bau eines geräumigeren Gebäudes. Über den Standort konnte allerdings erst im Jahre 1903 eine Stimmenmehrheit in der Amtsversammlung erzielt werden.

Dazu wurde ein Grundstück am Viehmarkt, später Schwerinstraße, der heutigen Rathausstraße, vom Landwirt Nottebaum erworben. Die Pläne für das neue Amtshaus entwarf Amtsbaumeister Otto Zahn. Die Ausschachtungsarbeiten erfolgten am 14. März 1903. Nach nur 21-monatiger Bauzeit war der Ziegelstein-Massivbau im November 1904, im Neorenaissancestil (Neo "neu" oder Neurenaissance ist eine Richtung des Historismus im 19. Jahrhundert, in der auf die Baukunst der Renaissance zurückgegriffen wird. Der Begriff Renaissance, französisch Wiedergeburt - zu erkennen an einer klassischen dreigliedrigen Fassade, Schweifgiebel, Segment- und Rundbogenfenster usw.) fertiggestellt. Die feierliche Einweihung fand am 19. Januar 1905 statt.




















Das im Neorenaissancestil errichtete neue Amtshaus am Viehmarkt, später Schwerinstraße, der heutigen Rathausstraße im Frühjahr 1905.

Das dreieinhalbgeschossige Amtshaus im U-förmigen Grundriss, so wie es heute noch genutzt wird, ist mit seinen Segment- und Rundbogenfenstern, den geschweiften Giebeln mit Verzierungen (Fialen oder Pinakel - sind aus Stein gemeißelte, schlanke, spitz auslaufende Türmchen), das Eingangsportal, darüber der Balkon mit Balusterbrüstung und dem achtseitigen, kupfergedeckten Zwiebelturm zu einem wirklichen Schmuckstück geworden.

Das neue Amtshaus enthielt unter anderem einen Sitzungssaal, 61 Büroräume, sechs Gefängniszellen und zwei Räume für die Polizeiwache. Im Keller befand sich ein Reinigungsbad mit zwei Wannen und vier Brausezellen.

Anfangs war der Verwaltungsbau für Bürozwecke nicht voll genutzt. Im dritten Stockwerk konnten deshalb Wohnungen an die Beamten des Amtes vermietet werden, die sie zum ersten Weltkrieg wieder abtreten mussten.

Noch während des Baus des Amtshauses wurde zusätzlich ein Nachbargebäude errichtet, das in den folgenden Jahrzehnten zunächst der jeweilige Amtmann, danach der Oberbürgermeister und später der Stadtdirektor als Dienstwohnung nutzten.

Für die verspielte Villa wurde im Mai 1904 die Bauerlaubnis erteilt, so dass der erster Amtmann,
Friedrich Winter, bereits im Herbst 1905 einziehen konnte.















Rechts neben dem Amtshaus wurde eine Villa errichtet. Hier wohnte der erste Amtmann des Amtes Wanne Friedrich Winter. In den folgenden Jahrzehnten nutzten die Dienstwohnung der jeweilige Amtmann, danach der Oberbürgermeister und später der Stadtdirektor.

Amtshaus Wanne um 1920.

Nachdem zunächst noch Verwaltungsbeamte im neuen Gebäude wohnen konnten, wurde im Jahre 1919 auch das eigentlich geräumig gebaute Amtshaus zu klein. Weitere Abteilungen mussten nach außerhalb verlegt werden. Diese Raumknappheit nahm noch zu, als sich die Ämter Wanne und Eickel am 1. April 1926 zusammenschlossen und das ehemalige Amtshaus nun zum Rathaus der "neuen" Stadt Wanne-Eickel wurde.

Immer wieder war über einen Rathausneubau nachgedacht worden. Die Wirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre machte aber die Pläne zunichte.


Rathaus Wanne-Eickel um 1930.

Rathaus Wanne-Eickel um 1951.

Siegel- oder auch Verschlussmarke der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel. Sie bestand aus Papier und wurden bis 1945 von Behörden zum Versiegeln von Briefe benutzt. Man nennt diese Marke auch Siegelmarke. Durch das Öffnen der Briefe sind diese Marken meistens kaputt gegangen und heute nur noch selten zu finden.

Das endgültige "Aus" für den Rathausneubau kam, als der Plan der Landesregierung, die Städte Wanne-Eickel und Herne im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Ruhrgebiets am 1. Januar 1975 zu einer neuen Stadt Herne zusammenlegten.

Rats- und Presseamt, Haupt- und Personalamt sowie Schulverwaltungs- und Standesamt zogen nach Herne ins Rathaus ein, während zunächst das Sozialamt im Rathaus Wanne-Eickel verblieb. Im Herbst 1977 musste die alte Amtmanns-Villa dem Neubau des Gesundheitsamtes weichen. Der Anbau wurde am 1. Oktober 1980 offiziell seiner Bestimmung übergeben.


Am 3. Dezember 1985 beschloss der Hauptausschuss des Westfälischen Amtes für Denkmalschutz schließlich das Rathaus Wanne-Eickel unter Denkmalschutz zu stellen. Am 12. Dezember 1985 erfolgte der Eintrag des Gebäudes unter der Nummer 18 in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne.

Im Gebäude befinden sich heute das Amt für Bauordnung und Denkmalschutz, das Stadtplanungsamt und das Amt für Angelegenheiten der Bezirksvertretung. Außerdem werden Eheschließungen vorgenommen und einmal im Monat tagt im großen Sitzungssaal die Bezirksvertretung Wanne.

Das Rathaus der ehemalige Stadt Wanne-Eickel im Juni 2010.

Am 12. Dezember 1985 erfolgte der Eintrag des Gebäudes in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne.



















Das Rathaus von Wanne-Eickel, von der Rathausstraße aus gesehen.

Blick vom Treppenhaus der ersten Etage, ins Erdgeschoss, aufgenommen im Juni 2010.

Blick vom Erdgeschoss in Richtung Ausgang,
aufgenommen im Juni 2010.

Blick in den großen Sitzungssaal, aufgenommen im September 2013.

Blick in das Trauzimmer, aufgenommen im September 2013.

Ein Blick in das erste Obergeschoss nach der Sanierung
im Sptember 2013.

Eiserne Eckschutzschienen im Jugendstil fallen dem
Besucher in den Obergeschossen auf.

Dem Rathaus unters Dach geschaut. Weite Teile des Dachstuhls sind original erhalten.
Darunter auch einige Balken, an denen Brandspuren zu erkennen sind.

Eingangsportal zum Rathaus (links) und zum Gesundheitsamt (rechts).

Der Hinterhof des dreieinhalbgeschossigen Gebäudes mit U-förmigen Grundriss.

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, 1903, S.18 ff.,
50 Jahre Amt Wanne, 1925, S 54 ff.
Architektur im Ruhrgebiet Herne, 1987, Objekt Nr. 7,
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit, 1984, S. 88,
Rathaus Wanne-Eickel im Spiegel der Presse, 1985 - 2006.
Fotonachweis: Heinrich Lührig.



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