Wanne-Eickel-Historie


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Pfarrgemeinde Heilige Familie

Gebäude

Die Entstehungsgeschichte von Haus Nazareth und der katholischen Pfarrgemeinde Heilige Familie


Ein Blick in die Chronik der katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie verrät, dass die Gründung der Kirche auch auf die Geschichte des Ordens der Heiligen Familie zurückgeht.

Als Anfang 1906 bekannt wurde, dass Holsterhausen von der Pfarrgemeinde St. Marien in Eickel abgetrennt, und eine Kirche nahe der Herner Straße, heute Holsterhauser Straße, auf dem Spelbergschen Grundstück erbaut werden sollte, legten die Verantwortlichen gegen den Kirchbau ihren Einspruch ein. Ihre Begründung lautete: "Die Kirche würde nicht zentral genug liegen, sondern an der äußersten Grenze der Gemeinde Holsterhausen. Gegen alle Einsprüche wurde am 14. Mai 1906 der Grundstein zum Kirchbau gelegt. Die feierliche Weihe - dem heiligen Franziskus von Assisi erfolgte am 8. August 1907.

Zum 1. Oktober 1909 wurde die Abtrennung von der Kirchengemeinde St. Marien in Eickel und zugleich die Erhebung zur selbstständigen Pfarrgemeinde "Eickel-Holsterhausen", heute Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus, vollzogen.

Spätestens mit dieser Abpfarrung begann im nördlichen Holsterhausen die Diskussion über einen weiteren Kirchenneubau nahe der Julia-Kolonie. Nach Pfingsten im Jahre 1921, konnte der Ordensverband der "Missionare von der Heiligen Familie", (MSF Orden, ist die Abkürzung des lateinischen Namens der Kongregation: Missionarii a Sacra Familia - zu Deutsch: Missionare von der Heiligen Familie) deren Mutterhaus zur damaligen Zeit im holländischen Grave stand (der französische Priester Jean Berthier (1840-1908) hat diesen Orden 1895 in einer leerstehenden und halbverfallenen Kaserne der niederländischen Stadt Grave gegründet), von dem Bauer Meeßmann ein 5 000 Quadratmeter großes Grundstück an der Rottstraße mit einem aufstehenden Fachwerkhaus, dem so genannten "Meeßmannschen Kotten" erwerben. Das Gebäude stand einst genau dort, wo sich heute die Kirche befindet. Hier gründete Pater Heinrich Roeb von der Ordensgemeinschaft der Missionare von der Heiligen Familie ein Kloster.

Das rief die Gemeinde St. Franziskus auf den Plan. Die Proteste im Generalvikariat (die zentrale Verwaltungsbehörde einer Diözese), die das Ziel verfolgte, den Kauf rückgängig zu machen, blieb aber erfolglos.

Wie sah nun dieses aus einem Stall umgebaute Kloster aus?
Der Chronist berichtet: "Es war ein Armeleutehaus im Schatten einer Ulme. Die Wohnräume, Ställe und Scheune waren unter einem Dach. Die gesamte Länge betrug 16 Meter und 12,2 Meter in die Breite. Die Räume waren zunächst kaum bewohnbar".
Mit zeitweise 20 bis 25 Helfern baute man das landwirtschaftliche Gebäude zu einem Missionshaus um.

Die Haustür musste zur Giebelfront an der Straße verlegt werden. Der Flur wurde durch die Länge des Gebäudes gelegt und führte in die Kapelle (umgewandelte Tenne). Den Altar stiftete der Schreinermeister Linkamp aus Bickern. Der Stall wurde zur Sakristei umgebaut. Die Deele diente als Speiseraum, ihr gegenüber lag die Küche. Links vom Eingang diente ein kleiner Raum als Sprechzimmer. Daneben befanden sich zwei Kammern als Schlafräume der Patres. Die erste Etage hatte vier Räume, die von drei weiteren Patres und einen Ordensbruder bewohnt wurden. Die Türen waren so niedrig, dass man nur in gebückter Haltung diese Räume betreten konnte.


Im Hintergrund das Fachwerkhaus des Bauern Meeßmann, das Missionshaus Nazareth vor dem ersten Anstrich im Jahre 1921. Im Bild von links: Bruder Alfons, August Sticker, Pater Heinrich Roeb, Pfarrer Pieper, Johann Abeln, Johann Gariczak mit Sohn, Eisenbahner Berkemeier, August Löns und Schreinermeister Spangenberg.

Die bischöfliche Behörde genehmigte eine Hauskapelle. In einer großen Prozession wurde das Allerheiligste am 16. Oktober 1921 (am Sterbetag des Ordensstifters) von der St. Franziskus Kirche zur Filialkirche gebracht. Die Patres gaben dem "neuen Gebäude", das als Kloster diente, den Namen "Haus Nazareth".

Am 16. Oktober 1921 wird Missionshaus Nazareth in einer großen Prozession eingeweiht. Der Kotten stand an der Stelle, wo sich heute die Pfarrkirche befindet.

Im Frühjahr 1923 wurde beim Bischöflichen Generalvikariat in Paderborn die Erlaubnis zum Bau einer Notkirche beantragt, die am 28. März 1923 genehmigt wird.

Der Chronist berichtet: "Geldliche Auslagen wurden durch Sammlungen bestritten. In den Pfarreien der Umgebung hatten wir die Erlaubnis zu Bettelpredigten. Es ist vielleicht geschichtlich noch interessant, wenn ich hier mitteile, dass wir die eingegangenen Gelder in Koffer und Paketen zum Teil zu zweien nach Hause schleppten. Wir waren Millionäre, weil es jeder war. Jeder hatte viel und doch nichts. Wir kamen aus der eisernen Zeit in die papierene. Im Besitz von Millionen und Milliarden war man dennoch arm" (siehe auch: Notgeld aus Geldnot).


Im Vordergrund das Fachwerkhaus des Bauern Meeßmann, das Missionshaus Nazareth, im Anschluss die Notkirche, aufgenommen um 1923. Foto: Pfarrgemeinde Heilige Familie.

Zum 1. April 1924 wird die Pfarrvikarie gegründet, jedoch ohne eigene Vermögensverwaltung. Die Pfarrvikarie erhält den Namen "Eickel/Haus Nazareth". Der Klosterneubau direkt neben der Notkirche konnte beginnen. Der Grundstein wurde am 9. April 1925 gelegt. Bereits im Oktober war das Bauobjekt einschließlich der Ausstattung fertig. Am 5. November konnte das Haus eingeweiht. Lange Zeit arbeiteten und lebten hier 20 Ordensmitglieder, 15 davon waren als Priester in den Pfarreien und Schulen tätig.

Der Klosterneubau direkt neben der Notkirche,
aufgenommen um 1925
.
Foto: Pfarrgemeinde Heilige Familie.

Das neue Kloster Haus Nazareth, aufgenommen um 1930.

Ein kleiner Zeitsprung führt direkt in die Wirren und Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Auch das Kloster wird arg in Mitleidenschaft gezogen. Artilleriefeuer trifft die Kreuzung Rottbruchstraße/ Baukauer Straße, heute Paderborner Straße, und 16 Granaten schlagen auf den Klostergrund des Hauses Nazareth ein. Die Notkirche erleidet schwere Schäden. Das Dach war halb eingedrückt, die Orgel völlig zerstört, die Seitenwand des Chores aufgerissen. Doch die Gemeinde der Pfarrvikarie Heilige Familie ließ sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen und baute ihre Kirche wieder auf.

Ansicht der Notkirche, aufgenommen um 1950.

Innenansicht der Notkirche, aufgenommen um 1950.

Es sollte noch bis zum Jahre 1952 dauern, bis ein eigener Kirchbauverein gegründet wurde, der monatliche Kirchbaukollekten durchführte. 11 000 Mark kamen in besagtem Jahr zusammen.

Nach jahrelanger tatkräftiger Unterstützung der Pfarrgemeinde durch das Kloster erfolgt am 15. März 1953 die Errichtung der Pfarrvikarie Heilige Familie mit eigener Vermögensverwaltung.

Die Notkirche wegen Kriegs- und Bergschäden stark in Mitleidenschaft gezogen wurde am 30. Juni 1953 durch die Baufirma Heitkamp kostenlos abgebrochen. Der Gottesdienst findet in der Übergangszeit in dem zuvor errichteten provisorischen Zwischengebäude statt.

Damit war der Weg frei für einen "Kirchenneubau". Der Bauauftrag zu Errichtung einer neuen Kirche ging an die Baufirma Anton Isfrort aus Osterwik. Die Architekten waren: Kurt Peter aus Gütersloh und Anton Schwering aus Holtwik, im Landkreis Coesfeld. Baubeginn war Anfang August. Am 20. September 1953 erfolgte die Grundsteinlegung und im Dezember das Richtfest. Der große Tag der Kirchweihe erfolgte am 19. September 1954 durch dem damaligen Weihbischof von Paderborn und späteren Essener Kardinal Dr. Franz Hengstbach.

Die neue Pfarrkirche Heilige Familie an der Rottbruchstraße noch ohne Turmuhr. Das Gebäude im Vordergrund ist das ehemalige Jugendheim, aufgenommen um 1960.

Die Rückansicht der Pfarrkirche rechts im Bild, mit dem Kloster Haus Nazareth links im Bild. In der Mitte der Zwischenbau, der im Jahre 2001 weichen musste, aufgenommen um 1962.



Der Grundstein der Pfarrkirche Heilige Familie, er befindet sich auf der Rückseite der Pfarrkirche zur Paderborner Straße.


So stolz die Holsterhauser auf ihre neue Kirche nun waren - zu einem "richtigen" Gotteshaus fehlte noch einiges. Am 12. Dezember 1954 fuhren festlich geschmückt Wagen vom Gußstahlwerk Stahlwerk Bochumer Verein nach Holsterhausen und überbrachten die Glocken für die neue Kirche. Bevor die Klangkörper aber im Glockenturm ihren Dienst verrichteten, blieb sie zunächst ein paar Tage vor dem Kirchengebäude stehen. Jeder "Mann" konnte sie nun probeweise schlagen - gegen ein gewisses Entgelt. Weihnachten 1954 erschallten ihr Klang erstmals über Holsterhausen. Desweiteren wurde im Oktober 1955 das Altarbild-Mosaik durch den Künstler Theo Landmann aus Osnabrück fertig gestellt. Er fertigte auch die bunter Bleiverglasten Kirchenfenster.

Innenansicht der Pfarrkirche mit dem Altarbild-Mosaik des Künstler Theo Landmann aus Osnabrück.

Am 19. September 1958 werden vom Bildhauer Kirchner aus Münster in der Kapelle der "Lieben Frau von La Salette" drei große Holzreliefs angebracht, wo im Eingangsbereich im Dezember 1981 das Schmiedegitter angebracht wird.

Ansicht der La Salett Kapelle, im Eingangsbereich rechts, mit den drei großen Holzreliefs des Bildhauers Kirchner aus Münster. Die Kapelle erinnert an die Ordensgründung der Missionare von der Heiligen Familie am 28. Februar 1895.

Ansicht der Kreuzkapelle, im Eingangsbereich links mit dem gekreuzigten Christus und vier Gedenktafeln, sie tragen die Namen der gefallenen Söhne der Gemeinde.

Ansicht der Niklaus von Flue-Kappele, in einem Seitenraum auf der linken Kirchraumseite, ein Holzrelief des Bildhauers Kirchner aus Münster. Niklaus von der Flühe oder Bruder Klaus (* 1417; † 21. März 1487), war ein Schweizer Einsiedler und Asket. Er gilt als Schutzpatron der Schweiz.

Die Orgel mit ihren 16 Registern, gebaut durch die Orgelbaufirma Matthias Kreienbrink.

Nun fehlte nur noch eine Turmuhr. Am 12. März 1965 konnte auch dieses Vorhaben glücklich abgeschlossen werden.
Als der Erzbischof Kardinal Lorenz Jaeger am 5. Juli 1966 zur Firmung von 302 Jugendlichen in der Heiligen Familie weilte, trug ihm der Kirchenvorstand die Bitte zur Erhebung einer eigenen Pfarrei vor. Der Erzbischof nahm die Bitte wohlwollend zur Kenntnis. So wurde die im Bereich der katholischen Pfarrgemeinde St. Franziskus gelegene Filialgemeinde mit eigener Vermögensverwaltung Heilige Familie in Holsterhausen zum 1. Januar 1967 zu einer selbstständigen Pfarrgemeinde erhoben. 14 Tage später, am 15. Januar wird Pfarrvikar Hermann Löser zum ersten Pfarrer in der Gemeinde geweiht. Von seinen 52 Priesterjahren verbringt er fast 30 Jahre in Holsterhausen. Er stirbt im Jahre 1988 und wird in Lennestadt auf dem Friedhof seiner Glaubensgemeinschaft beigesetzt. Sein Nachfolger wird Pater Rudolf Ibba.


Blick auf die Pfarrkirche der Heiligen Familie von der Rottbruchstraße aus gesehen, aufgenommen im April 2016.

Blick auf die Pfarrkirche der Heiligen Familie von der Paderborner Straße aus gesehen, aufgenommen im April 2016.

In Vordergrund das neue Pfarrhaus mit Pfarrbüro und Wohnraum für den Pfarrer.

Am 15. Juni 1997 schließt das Ordenshaus "Nazareth" an der Rottbruchstraße 13 in Holsterhausen, wegen Ordensnachwuchs seine Pforten. Im September 1998 beginnen der Umbau und die Erweiterung des Klostergebäudes durch den Caritasverband Herne, der hier Wohnungen für Menschen mit unterschiedlicher Behinderung einrichtet.

Blick auf Haus Nazareth an der Rottbruchstraße, aufgenommen im April 2016.

Weitere Baumaßnahmen werden auf den Weg gebracht. So entsteht im November 2000 das neue Pfarrhaus mit Pfarrbüro und Wohnraum für den Pfarrer. Im Februar 2001 wird der Zwischenbau, für einen Parkplatz und Zufahrt abgerissen. Am 6. Mai wird das neue Pfarrheim durch Domkapitular Prälat Grothe eingeweiht.

Die Rückfront von Haus Nazareth vom ehemaligen Klostergarten aus.

Blick in den ehemaligen Klostergarten mit dem neuen Pfarrheim, erbaut im Jahre 2001.

Bild links: Die Sandsteinfigur zeigt: Joseph von Nazareth.
Bild rechts: Ein sogenannter Bildstock - ein religiöses Kleindenkmal, zeigt Christus am Kreuz.


Der Kreuzweg mit 14 Stationen in Form von Bildstöcken im ehemaligen Klostergarten. Auf den Bildern werden die einzelnen Stationen Jesu Christi bis zu seinem Tod durch das Kreuz gezeigt.

Als Kreuzweg; auch Prozessionsweg bezeichnet man einen der Via Dolorosa (schmerzensreiche Straße) in Jerusalem, dem Leidensweg Jesu Christi nachgebildeten Wallfahrtsweg wie auch eine Andachtsübung der römisch-katholischen Kirche, bei der der Beter den einzelnen Stationen dieses Weges folgt.


Bildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich LührigBildarchiv Heinrich Lührig
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Mit dem Jahre präsentierte sich die Heilige Familie als eine Pfarrgemeinde voller Aktivitäten und Leben, viele Vereine und Gruppen haben in den Einrichtungen eine feste Bleibe gefunden.


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Quellennachweis:
Chronik 1900-1967 der kath. Kirchengemeinde H.L. Familie Wanne-Eickel.
Vom Kotten zur Pfarrkirche, Heilige Familie, 50 Jahre Kirchweihfest.
Eine Festschrift der Pfarrgemeinde Heilige Familie Wanne-Eickel. 19. September 1954 - 19. September 2004.
Interview mit Pater Ibba, Holsterhausen im April 2016.
Tagespresse: WAZ aus dem Jahre 1997 und 2004.

Weitere Infos unter: Panoroma Bild


Bildnachweis:
Pfarrgemeinde Heilige Familie Holsterhausen.
Sammlung Heinrich Lührig.



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