Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Pelzmoden Wältermann

Firmen mit Tradition

Das Pelz- und Ledermoden - Geschäft Wältermann


Sehr selten kommt es heute noch vor, das ein Familienunternehmen über hundert Jahre besteht. Das Pelz- und Ledermoden-Geschäft Wältermann in Wanne-Nord zählt dazu.

Als Hugo Wältermann senior, seines Zeichens Kürschnermeister und Mützenmacher, am 1. Oktober des Jahres 1895 an der Hindenburgstraße 325 (heute Wanne Hauptstraße 325) in Bickern einen Kürschnerbetrieb eröffnete, konnte er nicht wissen, dass sich dieser Betrieb über mehrere Generationen am Markt behaupten und einst seine Enkel am Ort der Gründung das 100jährige Bestehen feiern würden.


Ob es das väterliche Vorbild war oder äußere Umstände eine entscheidende Rolle spielten weiß heute niemand mehr zu sagen. Jedenfalls traten sieben der zehn Kinder des Firmengründers in die Fußtapfen des Vaters und erlernten ebenfalls den Beruf des Kürschners. Wiederum vier von ihnen und zwar die Söhne Hugo und Rudolf sowie die Töchter Luise und Berta wagten im Laufe der Jahre den Schritt in die Selbstständigkeit.


Während Hugo Wältermann junior sich mit nicht mehr als 100 Kaninchenfellen (wie er später im Kreise der Familie immer wieder voller stolz erzählt) in Wanne-Mitte selbständig macht, und seine Schwester Luise das Geschäft des Vaters übernahm, zog es Berta Wältermann nach Marl-Hüls und Rudolf Wältermann zunächst nach Gladbeck.





Der Firmengründer Hugo Wältermann sen. (rechts im Bild)
mit einem Freund in der damals üblichen Handwerkertracht.

Blick in die Hindenburgstraße, heute Hauptstraße um 1900. Das Gebäude rechts mit dem Turm ist das Stammhaus der Firma Wältermann, Hindenburgstraße 352.

Blick in die Hindenburgstraße im Wanner Norden, die heutige Hauptstraße 30 Jahre später.


Im Jahre 1971 übernahm Rudolf das väterliche Geschäft an der Hauptstraße 352 in Wanne-Eickel und später auch das seiner Schwester Berta in Marl-Hüls.

Inzwischen ist mit den Söhnen Rudolf Wältermann die dritte Generation herangewachsen. Die Brüder Rudolf junior, Klaus und Werner Wältermann, ebenfalls alle Kürschnermeister, übernahmen 1988 von ihrem Vater die Geschäfte in Gladbeck, Wanne-Eickel und Marl-Hüls, die sie bis dahin schon als Geschäftsführer geleitet hatten.


Hugo Wältermann jun. (links im Bild)
bei der Gesellenprüfung Ende 1920.




Aus den Erzählungen seines Vaters weiß Klaus Wältermann zu berichten, dass man sich nach 1945 zunächst nur Pelzbesätze oder Pelzkragen leisten konnte, genauso wie die "Wirtschaftswunderjahre" als der Pelz zum Statussymbol avancierte. Heute werden die edlen Materialien miteinander gemixt und mit Stoffen wie Seide und Kaschmir zusammen verarbeitet.


Im Jahre 1988 übernahm Klaus Wältermann das Geschäft seines Vaters. Eigentlich wollte er studieren, doch dann nahm ihn sein Vater zur Pelzmodenschau nach Frankfurt mit. Damit war der Wunsch geweckt selbst ins Kürschnerhandwerk einzutreten. "Ich war fasziniert von den Fellen und dem Gedanken, schöne Bekleidung zu machen", erinnert sich Klaus Wältermann, der bis heute hohe Ansprüche an das eigene kreative wie handwerkliche Schaffen und das seiner Mitarbeiter stellt.


Aus Alt wird bei Wältermann aber auch Neu: "Wir arbeiten alte Pelze um und machen anhand unserer Ware Vorschläge, wie ein eher konservativer Schnitt neuen Pepp bekommen kann", weiß Klaus Wältermann zu berichten. Ein Service, von dem Kunden gern Gebrauch machen. "Zum Beispiel kann durch ein Chausuble (ärmelloser Überwurf) ein Pelz eine ganz neue Optik bekommen", erläutert der Fachmann. Dabei werde, wie bei neuen Entwürfen auch, immer an der Funktionalität gearbeitet. Wendejacken, abnehmbare Überwürfe und Capes sind verwandelbare Kostbarkeiten.

Felle wie Lamm oder Scharf beweisen dabei, dass nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen auch für die Kürschner das (Berufs)-Leben weiter ging. "Das war zwar eine einschneidende Sache, aber wir Kürschner haben uns darauf eingestellt", bekennt Klaus Wältermann.

Verdammen möchte er die Pelzverarbeitung nicht. "Ich denke, wenn wir nicht das Kapital der Natur angreifen, sondern von ihren Zinsen leben, ist das eine vernünftige Lösung und moralisch nicht verwerflich", beurteilt der Kürschnermeister sein Gewerbe.

Mit der Entscheidung von damals dem Studium das Kürschnerhandwerk vorzuziehen, setzt Klaus Wältermann heute eine nunmehr über 100jährige Familientradition fort.













Das Pelz- und Ledermoden - Geschäft Klaus
Wältermann, Hauptstraße 352 in Wanne-Nord.


zurück...

Quellennachweis: Firmenchronik: 1895 - 1995 - 100 Jahre Mode in Pelz und Leder Wältermann.
WAZ vom 11. Oktober 1995.
Fotonachweis: Bildarchiv der Firma Klaus Wältermann und Sammlung Heinrich Lührig.
Weitere Infos unter: www.pelzeundleder.de


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü