Wanne-Eickel-Historie


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Nosthauser Mühle

Gebäude

Der letzte Müller Heinrich Löns


Die Besitzung Löns, bestand aus der Gaststätte, der Mühle und ausgedehnte Länderein. Das Fachwerkhaus gegenüber der neunen Wirtschaft fiel dem Bomben zum Opfer. Das Idyll des rauschenden Mühlenbaches verschand mit der zunehmenden Industrialisierung, die Mühle wurde wegen Krankheit des letzten Müllers aufgegeben und in ein Wohnhaus umgebaut. Der Bach wurde zugeschüttet. Das Besitztum gehörte in früheren Jahrhunderten zu dem adeligen Gut Ost-Nosthausen. Wann die Übertragung an Löns erfolgte, ist heute nicht mehr nachweisbar. Es könnte wahrscheinlich um 1787 erfolgt sein, als der Erbe von Nosthausen, Leutnant Johann von Dobbe sich an den preußischen König wandte und ihn bat, einige Grundstücke verkaufen zu dürfen, da er als Vasall des Gutes Nosthausen "fast soviel Schulden als Güter vererbt bekam".


Litographie-Postkarte von 1905, mit Ansicht des Ausflugslokal von Heinrich Löns.
Unten links: Ansicht der Nosthauser Mühle mit dem Fachwerkhaus.

Blick in die Dorstener Straße in Höhe Nosthauser Mühle, mit dem Fachwerkhaus von Heinrich Löns, im Jahre 1894 und 1928.

Zur damaligen Zeit gab es für den Transport von Gütern aller Art weder eine Eisenbahn noch große Lastwagen. Die Beförderung übernahmen Fuhtleute mit Tragetieren oder mit kleinen Wagen. Schwer beladene Fuhrwerke wären wegen des schlechten Zustandes der Straßen im Schlamm stecken geblieben. Das Tägliche Bild waren fluchende Kohlentreiber auf morastigen Straßen, bergauf, bergab magere Pferde mit je zwei Ringeln Kohle beladen, ächzende, rumpelnde Kohlekarren im Schlamm der Straßen, die keine waren.

Da die Handelswaren weit ins Land gebracht werden mußten, waren die Gaststätten auf den Durchgangsstraßen eine Notwendigkeit. Die bekannteste Gaststätte weit über das Kirchspiel Eickel hinaus bis nach Dorsten war das Haus Löns, das für die Fuhrleute besondere Vorteil bot, weil in den dazu gehörenden Stallungen Pferde und Wagen untergestellt werden konnte. Durchschnittlich übernachteten bei Heinrich Löns täglich 8 Fuhrwerke, für die ein Betrag von 0,75 Mark für Benutzung der Stallungen, Übernachten und je eine Milchsuppe abends und morgens gezahlt werden mußte. Da die Landwirtschaft alle Lebensmittel für die Küche lieferte, war diese zusätzliche tägliche Bareinnahme von ca. 6 Mark willkommen.

Nach dem Ausbau der Durchgangsstraße nach Dorsten und Eröffnung der Köln-Mindener-Eisenbahn am 15. April 1847, verlagerte sich der Transport auf die Eisenbahn, auch die Relaisstation der Reitpost in der Gaststätte Löns wurde zu gleicher Zeit aufgehoben.


Der Kohlentransport um 1860.
Fotonachweis: Maria Weber- Keinhorst.



Auszug aus einem Übersichtshandriß der Gemeinde Eickel vom Juni 1823. Deutlich zu erkennen, die Nosthauser Mühle links von der Chauseestraße, der heutigen Dorstener Straße gelegen.

Wie entstehen Straßen?

Die Ausprägung eines bestimmten Weges gehörte zu den ältesten Zeugnisse menschlicher Zivilisation. Sie ist das Ergebnis eines langen Prozesses, in dem sich ein immer wieder veränderter Pfad als "Weg des geringsten Widerstandes" auf möglichst wenige Hindernisse stößt und ein rasches Vorwärtskommen erlaubt. Eine auf diese Weise entstandene "Straße" war auch die ursprüngliche Dorstener Chaussee, ein Hauptverkehrsweg für den Kohlentransport nach Gahlen, sie hieß daher auch Gahlensche Kohlenstraße. Ihr erster Ausbau erfolgte im Jahre 1763 von Bochum-Stiepel über die jetzige Bochumer Kohlenstraße nach Eickel, weiter über eine Brücke, über die Emscher bei Crange in Richtung Buer, Erle, an Dorsten vorbei zum so genannten Kohlenhaus am Lippehafen bei Gahlen.


Im Laufe der Jahre vergrößerte Löns sein Besitztum. 1868 kaufte er von dem Getreidegroßhändler Taufenbach in Bochum die seiner Gaststätte gegenüber liegende Mühle mit dem Mühlteich.

Der zur Gaststätte gehörende schöne Garten war in den Sommertagen ein gesuchter Ausflugsort. Abwechselnd konzertierten hier zur Unterhaltung und zum Tanz, die verschiedensten Militärkapellen aus Münster, Paderborn und Düsseldorf. Die Kapellen der Kürassiere und Husaren waren beim Publikum wegen ihrer bunten Uniform besonders beliebt.

Am Fronleichnamstag trafen sich in den Gartenanlagen die Teilnehmer der Feldprozession nach ihrem traditionellen Reisessen mit Zucker und Zimt, zum Kaffeetrinken mit Streußelkuchen.

Als während des zweiten Weltkrieges die Pfarrkirche St. Marien in Eickel zerstört war und teilweise kein Gottesdienst abgehalten werden konnte, diente der Lönssche Saal als Notkirche.

Der letzte Müller der Lönsmühle war Heinrich Löns, gleichzeitig auch der letzte Namensträger. Als er am 30. Oktober 1936 starb, schrieben die Zeitungen:

"Ein bekannter Heimatfreund des Kohlenpottes, der Gastwirt Heinrich Löns, ist heimgegangen. Es gibt in den Städten Wanne-Eickel und Bochum wie auch in der Nachbarschaft wenig Volksgenossen, die diesen, mit seiner Heimat stark verwurzelten Mann, nicht gekannt haben. Er war ein Original besonderer Art".

Seine Nichte Josefa Schürmann wurde Erbe des Besitztums.



Blick in die Mühlenstraße, von der Dorstener Straße aus gesehen.


Blick auf den Dorneburger Bach, der die Dorstener Straße unterquert in Richtung Eickel, im Herbst 2009. Der Bach trieb in früheren Zeiten das Mühlenrad an.


Die ehenmalige Dorstener Chaussee, die heutige Dorstener Straße führte an der Nosthauser Mühle vorbei. Die Wassermühle wurde vom Dorneburger Mühlenbach angetrieben.

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Quellennachweis: Keinhorst, Hermann: Eickel vom Jahre 774 bis zur Neuzeit, S. 55 ff.,
mit Genehmigung durch Maria Weber- Keinhorst, im August 2008.
Wanne-Eickeler Anzeiger vom 9. Juni 1941. Westfälische Rundschau vom 31. Dezember 1952.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



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