Wanne-Eickel-Historie


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Nonnen und Berginvaliden putzen Steine

Geschichte

In der Christuskirche Mette bei Kerzenlicht


Die Pfarrei St. Marien, die zuerst ihre Kirche verloren hatte, hielt ihre ersten Messen in der Kapelle des Marienhospitals ab. Pfarrer Klein hatte einen Teil der Einrichtung mit Hilfe einiger beherzter Männer gerettet. Im Krankenhaus konnten nach dem Zusammenbruch einige Patienten notdürftig wieder untergebracht werden. Die Aufräumarbeiten begannen mit freiwilligen Helfern. Auf einen Appell von Pfarrer Klein hin putzten jeden Morgen Pater Erna, die Nonnen und einige Berginvaliden mitten in den Trümmern Ziegelsteine. Sie begannen auch mit der Schutträumung.

In Röhlinghausen hatte die evangelische Kirchengemeinde zwar ihren Turm behalten, die Glocken konnten aber wegen der drohenden Einsturzgefahr nicht geläutet werden. Der Gottesdienst wurde im Pfarrhaus Lutherstraße 5, abgehalten.

Auch an der Barbarakirche waren so schwere Schäden, dass die katholische Pfarrgemeinde Röhlinghausen im Schwesternhaus an der Rheinischen Straße zur Messe zusammenkam. Wegen der vier Glocken aus dem Jahre 1926, die zum Einschmelzen im Kriege abgeliefert worden waren, machte sich Küster Anton Gerken nach Lünen auf. Der Kirchenvorstand hatte gehört, dass sich dort ein großer Glockenfriedhof befinden soll. Außerhalb von Lünen stieß Gerken auf den riesigen Berg von Bronzeglocken, doch so sehr er sich auch Mühe gab, die Glocken der St.-Barbara-Kirche waren nicht mehr darunter. Man hatte Küster Anton Gerken schon bevor er die Erlaubnis bekam, sich das Lager anzusehen, erklärt, dass er kaum Aussicht hätte. In Lünen waren nur noch die Glocken mit hohem Altertumswert vorhanden. Sie waren bis zuletzt zurückgehalten worden. Glocken jüngeren Datums hatte man gleich nach Ablieferung eingeschmolzen. Gerken sah sehr interessante Glocken, viele davon mit eingegossenen Bildern, doch in seiner Mission musste er unverrichteter Dinge zurückkehren.

Ohne Glocken stand auch die ausgebrannte Josefskirche in Wanne-Süd da. Auch sie sind beschlagnahmt und sicher eingeschmolzen worden. Die Pfarrgemeinde hielt ihre erste Messe in den Trümmern des Josefshospitals an der Schulstraße ab. Die Kranken waren nach den schweren Bombentreffern in die Königin-Luisen-Schule gebracht worden, wo man ein Lazarett eingerichtet hatte. Nun diente der einigermaßen erhalten gebliebene Flur im Josefshaus als Gottesdienstraum.

Die evangelische Kirchengemeinde Wanne-Süd benutzte zum Gottesdienst das Pfarrhaus, bis dann auch der Konfirmandensaal wieder für kirchliche Zwecke hergerichtet war.

Die Zwölf-Apostel-Kirche war wegen schwerer Schäden nicht benutzbar.

Die Pfarrei St. Franziskus in Holsterhausen richtete nach Zerstörung der Kirche das Schwesternhaus an der Horststraße so ein, dass Messen abgehalten werden konnten, dann wurde ihr der Saal der Gaststätte Kraft zur Verfügung gestellt.

Die evangelische Kirchengemeinde Holsterhausen hatte das Melanchthonhaus behalten. Es wurde für viele Jahre Treffpunkt der Gemeinde. Das Fabrikkirchlein, wie Pfarrer Steil das kleine Gotteshaus der Gemeinde immer genannt hatte, war von Bomben hinweggefegt worden. Immerhin war man hier nicht der räumlichen Enge so ausgesetzt wie andere Gemeinden.

Die Lutherkirche an der Unser-Fritz-Straße hatte es noch im letzten Moment erwischt. Die Amerikaner hielten sich an den Turm, wenn sie sich einschossen. So war der Turm abgedeckt und das Gewölbe heruntergekommen. Pfarrer Sonnemann, der im Juli 1945 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, ließ den Vorraum der Kirche herrichten, so dass wieder Gottesdienst abgehalten werden konnte. Hier fand auch kirchlicher Unterricht statt, jedoch nur für einen Teil der Gemeinde. Die anderen hatten einen Raum im Holsterhauser Melanchthonhaus zur Verfügung gestellt bekommen.

Viele, die früher zur Lutherkirche gingen, fanden sich 1945 in der Christuskirche in Wanne-Mitte ein, wo die Schäden nicht so stark waren. Bomben hatten zwar die Fenster erheblich beschädigt, doch die Höhlen waren schnell mit Brettern vernagelt, so dass das Haus wenigstens dicht war. Die Kirche war überfüllt, als Pfarrer Sonnemann die Christmette 1945 hielt. Es gab damals längst wieder Strom, doch ausgerechnet zur Christmette ging das Licht aus. Man hätte völlig im Dunkel gesessen, wenn nicht ein paar Kerzen für den Weihnachtsbaum besorgt worden wären. Sie spendeten nun ein spärliches aber warmes Licht. Es war eine bewegte Stunde voller Andacht.


Ansicht der St.-Marien-Kirche in Eickel mit Notbedachung. Am 15. März 1950 läuteten erstmals nach dem Krieg wieder die Glocken.


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Quelle: Unveröffentlichtes Manuskript von Lührig, Heinrich: Schicksalsjahre unserer Stadt.
Nach einer Serie der WAZ zusammengetragen und bearbeitet. Eickel 2005. S. 163 ff.

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig


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