Wanne-Eickel-Historie


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Mannesmann- Seiffert- Rohrbau

Firmen mit Tradition

Mannesmann - Seiffert - Rohrbau


Auf dem Gelände der früheren Firma Raacke & Co., Eisen- und Blechkonstruktionen, davor Witzig und Winter, etablierte sich im Zweiten Weltkrieg Mannesmann-Seiffert-Rohrbau.

Das Werk, Seiffert Rohrbau wurde 1893 in Berlin vom „Zivilingenieur“ Franz Seiffert gegründet. 1902 wird das Unternehmen in eine KG und 1905 in eine AG umgewandelt. Im Jahre 1924 erwirbt die Hahnsche Werke AG die Mehrheit der Seiffert Anteile. 1938 kommt sie in den Besitz der Mannesmannröhren – Werke AG. 1956 werden die Betriebe der Mannesmann – Rohrbau GmbH in Düsseldorf und der Franz Seiffert & Co. AG in Bochum in den Mannesmannrohrbau, ab 1958 wieder Mannesmann – Rohrleitungsbau GmbH, zusammengefasst. Im Jahre 1963 werden die beiden Betriebe im Rahmen einer Neuordnung verschmolzen. Seit 1977 ist die Mannesmann & Seiffert GmbH in Berlin, ein Unternehmen der Gruppe Anlagenbau. Noch heute ist vielen Menschen das so genannte Erdgas-Röhrengeschäft, für den Pipelinebau in der Sowjetunion aus den 1970er Jahren in Erinnerung. Nach Übernahme durch Vodafone Anfang 2000 wurde der Großkonzern zerschlagen. Die Mannesmannröhren Werke AG wurde von der Salzgitter AG erworben, die sie als Mannesmannröhrenwerke – Werke GmbH im Unternehmensbereich Röhren führt. Später verkaufte Salzgitter die Sparte „Rohre“ an die Vallourec – Gruppe, die heute als Vallourec & Mannesmann Tubes firmierte.

Die Firma Mannesmann-Rohrleitungsbau mit Sitz in Düsseldorf-Nord war ein in der ganzen Welt bekanntes und führendes Unternehmen im Rohrleitungsbau. Das Fertigungsprogramm umfasste Planung, Konstruktion, Lieferung und Montage von Rohrleitungen mit Zubehör für alle Kraftwerke. Mannesmann – Rohrbau AG stellte Stahlhochbauten aus Profilen und Rohren her. Die Firma belieferte die Petrochemie, stellte Anlagen für die Aquatechnik und zur Wärme- und Kälteversorgung her.




Zu diesem Unternehmen gehörte seit 1943 das Werk in Röhlinghausen. Es war belegschafts- und produktionsmäßig der größte metallverarbeitende Betrieb in der ehemaligen Stadt Wanne-Eickel.

Nach dem Krieg wurde das zerstörte Werk wieder aufgebaut und in den Jahren nach 1950 erheblich vergrößert und modernisiert.

Im Jahre 1958 wurde eine sehr gut eingerichtete Schweißlehrwerkstatt gebaut, in der z. B. Spezialschweißer für den bau der Pipeline Wilhelmshaven – Köln ausgebildet wurden.

Im Jahre 1971 waren von den 5.300 Beschäftigten des Gesamtunternehmens allein 700 im Werk Röhlinghausen tätig. Am 1. Januar 1980 schloss das Werk, für viele Mitarbeiter unverständlich, seine Pforten.



Luftaufnahme der Werkshallen der Mannesmann-Rohrleitungsbau AG, Werk Röhlinghausen, aufgenommen im Jahre 1970. Am unteren Bildrand zu erkennen, die Edmund-Weber-Straße, links die Wittenbergstraße und rechts die Marktstraße.



Die „Pflastermeile“ Röhlinghausen, ein Zusammenschluss Röhlinghauser Kaufleute, veranstaltete im Juni 1986 für zwei Tage auf dem Mannesmanngelände ein großes Sommerfest. In die brachliegenden Werkshallen kehrte für kurze Zeit wieder rege Betriebsamkeit ein. Es wurde ein Trödelmarkt mit neuen und alten Antiquitäten veranstaltet. Auf dem Werksgelände fand eine kirmesähnliche Veranstaltung statt. Ein echtes „Volksfest“, urteilten viele Röhlinghauser begeistert.


Ein Jahr später wurden die alten Werkshallen abgebrochen. Die Neubauten zur Wittenbergstraße, in denen sich kleine Betriebe angesiedelt hatten, und das neuerrichtete Verwaltungsgebäude zur Edmund-Weber-Straße blieben erhalten. Das Verwaltungsgebäude wurde später umgebaut und beherbergt heute das Finanzamt Herne-West.


Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Mannesmann. Nach dem Umbau beherbergt es heute das Finanzamt Herne-West.

In den neuen Werkshallen zur Wittenbergstraße hin, befand sich bis August 2003 die Firma Pegasus Dübel. Alle Vertriebsrechte wurden seit dem auf die Firma Siero Europa übertragen.

Die Werkshallen der ehemaligen Mannesmannwerke von der Anhöhe Wittenbergstraße ausgesehen, in Richtung Edmund-Weber-Straße im Januar 2010.

Die Werkshallen der ehemaligen Mannesmannwerke von der Wittenbergstraße aus im Januar 2010. Hinter der Mauer befanden sich bis 1994 die Gleisekörper für den Kohlentransport der Zeche Königsgrube.


Mit einer Investition von 31 Millionen Mark baute die „Ruhr-Lippe-Wohngesellschaft“, eine Tochter der LEG, ab 1994 auf dem ehemaligen Firmengelände an der Edmund-Weber-Straße ein „Dorf in der Stadt“. Mit den sandsteinfarbenen Gebäuden dänischer Architektur (Fries und Moltke) und den drei „Punkthäusern“ in hellen mediterranen Tönen (vom Deubau-Preisträger Andreas Hanke) entstanden 149 Wohneinheiten. Am 29. April 1995 wurde auch der „neue“ 3.500 Quadratmeter große Marktplatz in Röhlinghausen, der zwischen Mannesmanngelände und Edmund-Weber-Straße liegt, im Rahmen der Wohnumfeldverbesserung für 1 Millionen Markt, durch den Oberbürgermeister Wolfgang Becker seiner Bestimmung übergeben.


Diese Aufnahme hielt der Fotograf Hans Blossey Ende 1997 mit seiner Kamera fest. Sein Schnappschuss zeigt das umfangreiche Bauprojekt, das an der Marktstraße unten links im Bild, verwirklicht wurde. Oben links zu sehen, die Werkshalle und die Häuser der Wittenbergstraße.
Fotonachweis: Luftbild mit Genehmigung durch Hans Blossey.

Farbige Akzente, verglaste Erker und Loggien unterm Dach prägen die Außenansicht der Ruhr-Lippe-Häuser in Röhlinghausen.



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Quellennachweis: Kultur- und Wirtschafts-Chronik für Wanne-Eickel, 1971, Verlag Josef Bühn, München.
Westfalenspiegel: Sonderdruck Wanne-Eickel, o. Jg., Verlag Aschendorff, Münster.
WAZ vom 20. Oktober 1994 und 03. Juni 1998. Deutsche Wirtschafts-Archive, Historische Quellen, München.

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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