Wanne-Eickel-Historie


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Lutherkirche in Wanne-Nord

Gebäude

Die Geschichte der Lutherkirche in Wanne-Nord


Die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Nord ist eng mit dem Werden der Gemeinde Bickern verknüpft. Vor 1884 gehörte Bickern, also auch Wanne-Nord, noch zur großen Kirchengemeinde Eickel. Wegen des weiten Weges zur Eickeler Kirche besuchten die evangelischen Christen die Cranger Kirche auf. So kam es zu Grenzstreitigkeiten zwischen den Gemeinden Eickel und Crange. Ein Ministererlass aus dem Jahre 1853 setzte danach die Grenzen neu fest. Teil von "Unser-Fritz" gehörte nach diesem Beschluss zur Kirchengemeinde Crange. Am 21. Februar 1883 wurde dem Eickeler Presbyterium ein von 65 Eingesessenen evangelischen Bürgern Bickerns unterschriebener Antrag auf Trennung Bickerns von der Gemeinde Eickel vorgelegt. Dies endete mit den Beschluss, die bis dahin zur evangelischen Kirchengemeinde Eickel eingepfarrten evangelischen Eingesessenen der Gemeinde Bickern aus der Kirchengemeinde Eickel auszupfarren und zu einer selbstständigen Pfarrei zu erheben.


Siegel der evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Nord.

Ansicht der Lutherkirche um 1915. Das Gotteshaus wird von den beiden Pfarrhäusern flankiert.

Diese Verfügung trat am 10. Oktober 1884 in Kraft. Als erster Pfarrer wurde Eduard Hellweg gewählt. Ein Jahr nach Einführung des Pfarrers hatte die Gemeinde bereits einen eigenen Friedhof, den bekannten Friedhof an der Post. Traf sich die neue Gemeinde zunächst noch im Saal des Wirtes Engelbert Heitkamp, so wurde doch bald auf dem vom damaligen Kirchmeister August Overhof geschenkweise angebotenen 2 Morgen großes Grundstück am Dorneburger Mühlenbach eine Kirche geplant. Am 10. November 1887 konnte die heutige Christuskirche (Wanne-Mitte) eingeweiht werden.

Im Jahre 1892 wurde die Kirchengemeinde Bickern erweitert. In unmittelbarer Nähe des bereits seit 1886 zu Bickern gehörige Friedhofes an der Post, lag ein teil der damaligen Gemeinde Eickel, welche durch die Köln-Mindener-Eisenbahn vom Eickeler Kirchort gänzlich abgeschnitten war. Dieser Teil wurde der Gemeinde Bickern hinzugefügt.

Am 1. Dezember 1895 wurde die Gemeinde Bickern in zwei selbstständige Pfarrbezirke geteilt. Die Grenze zwischen den beiden Bezirken, dem östlichen und dem westlichen, bildete die Bahnhofstraße, die heutige Hauptstraße, und weiter die Unser-Fritz-Straße. Die beiden Pfarrer wurden damals zusätzlich von einem masurischen Vikar unterstützt, der in masurischer Sprache Gottesdienst abhielt.

Da mit dem Wachstum der Gemeinde auch die evangelische Bevölkerung von Jahr zu Jahr erheblich anstieg - 1884 zählte die evangelische Kirchengemeinde Bickern 2650 Seelen, 1890 waren es schon 4252 Seelen - wurde der Ruf nach einem zweiten Gotteshaus immer lauter. Im Jahre 1903 erwarb die Gemeinde hierzu ein geeignetes Gelände im Wanner-Norden, im heutigen Stadtteil Unser-Fritz. Am 14. Juli 1907 wurde dann der Grundstein zur Lutherkirche gelegt. Eine Inschrift im Altarraum erinnert an den Bibelvers, der damals bei der Grundsteinlegung verlesen wurde:

"Darum steht in der Schrift: ´Siehe, ich lege in Zion einen
auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt,
der soll nicht zuschanden werden.´" (1. Petrus 2,6).


Betritt man die Kirche durch das Hauptportal, gelangt man in eine flache Eingangshalle mit einer wuchtigen Balkendecke. Auf der rechten Wandseite befindet sich über einem Eichebord eine Gedenktafel, für die gefallenen Söhne der Gemeinde im treuem Gedenken. Die Tafel weist die Jahreszahl 1914-1915 (oben) 1916- 1917 (links) und 1918-1919 (rechts) aus.

Die neue Kirche wurde - mit deutlichen Anklängen an die norddeutsche Backsteingotik - von R. Fischer, dem Sohn des Architekten G.A. Fischer aus Barmen, der seinerzeit die Christuskirche in Wanne-Mitte geplant hatte, erbaut. Die "Gewerkschaft Unser-Fritz" schenkte damals zum Kirchbau 5000 Mark. Am 8. Dezember 1908 wurde die Lutherkirche feierlich durch Generalsuperintendent Dr. Zöllner und Pfarrer Karl Radicke eingeweiht. Nach der Einweihung gab es bei Garthmann ein Festessen und bei Schulte-Berg, dem späteren Union-Theater, eine Nachfeier. Die beiden ersten Pfarrer, die von den älteren Gemeindemitglieder mit der Lutherkirche in Verbindung gebracht werden, waren Otto Engel aus Resse und Ernst Bunte, der für den scheidenden Pastor Haesler am 8. März 1914 in der Lutherkirche in die 1. Pfarrstelle der Gemeinde Wanne eingeführt wurden. Diese beiden Personen stehen heute im Wanner-Norden stellvertretend für die Zerrissenheit des Glaubens im Zweiten Weltkrieg.

Der staatliche Umbruch 1933 schuf für die Kirche eine völlig veränderte Lage. Nach dem Parteiprogramm vertrat die nationalsozialistische Partei den Standpunkt eines "positiven Christentums", das sich immer mehr zur "Glaubensbewegung Deutscher Christen" (DC) entwickelte. Alle Christen sollten hier in einer Nationalkirche vereinigt sein - allerdings unter dem Vorzeichen des Nationalsozialismus: "Adolf Hitler gestern, heute, und in Ewigkeit". Entgegen dieser Weltanschauung erwachte innerhalb der evangelischen Kirche der Widerstand gegen diese Entwicklung von Seiten der "Bekennenden Kirche". Mit Namen wie Pfarrer Martin Niemöller verbunden, nahm man hier deutlich Stellung gegen die Irrlehre der Deutschen Christen.

In Wanne-Nord wirkte sich dieser Konflikt besonders deutlich aus, da Pfarrer Ernst Bunte Anhänger der "Deutschen Christen" war, während Pfarrer Otto Engel der "Bekennenden Kirche" angehörte. Das Gemeindeleben wurde dadurch noch konflikt- und problemreicher, als es in der Zeit des Nationalsozialismus ohnehin war.

Nach dem Zusammenbruch 1945 wurden die Einsichten der "Bekennenden Kirche" in Theologie und Kirche maßgeblich - besonders durch die "Barmer Theologische Erklärung", die übrigens auszugsweise im neuen Evangelischen Gesangbuch nachzulesen ist. Auch die Lutherkirche war von den Kriegsereignissen des Zweiten Weltkrieg nicht verschont geblieben. Das Hauptkirchendach und das Turmdach waren fast völlig abgedeckt. Die Außenmauern und ein Teil der Kirchenfenster waren durch Bomben- und Granatsplitter ebenfalls beschädigt. Im Innenraum der Kirche war das Deckengewölbe teilweise eingebrochen. Steine und Unmengen Staub bedeckten Boden und Kirchenbänke. Der Gottesdienst konnte in der Kirche nicht gefeiert werden.

Man wich in einen Gemeinderaum im Pfarrhaus Unser-Fritz-Straße 22 aus, der heute zur Küsterwohnung gehört. Für die Kirchenmusik bediente man sich eines Harmoniums. Mit dem Wiederaufbau von Wohnhäusern nahm auch die Zahl der Gemeindemitglieder wieder schnell zu. Die Wiederinbetriebnahme der Kirche war daher dringend geboten. Im Rahmen der Instandsetzung nach dem Krieg wurden die Vorderfenster des Altarraumes zu einer glatten Steinfläche, mit dem Bild der Auferstehung Jesus, geschaffen von Edmund Schuitz, umgestaltet. Dieses Bild ist auf vielen Urkunden zu sehen und noch vielen Gemeindemitgliedern in Erinnerung.


Innenansicht des Kirchenschiffs, aufgenommen um 1953. Hinter dem Altar, das nach dem Krieg zugemauerte rückwärtige Chorfenster mit dem Fresko "Auferstehung" von Edmund Schuitz (1913-1992).

Zwischen 1990 und 1992 wurde das zugemauerte Chorfenster aufgebrochen und durch ein Glasfenster des gleichen
Künstlers ersetzt.


Im Advent 1950 wurde von Präses Wilm der Einweihungsgottesdienst gehalten. Die Glocken im Kirchturm, die mit Seilzug betrieben wurden, läuteten wieder. Mit der neuaufgebauten Orgel, deren Blasebalg ebenfalls per Muskelkraft angetrieben wurde, wurde die Kirchenmusik durch den Gemeindekirchgesang begleitet - damals noch auf der rechten vorderen Empore.

Durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges bestand ein großer Bedarf an Gottesdienst. Die Kirche war stets so überfüllt, dass die, heute noch vorhandenen, herausklappbaren Notsitze im Mittelgang mitbenutzt werden mussten, um allen Platz zu bieten. 1957 wurde neben der Kirche das Gemeindehaus mit Jugendhaus errichtet. Durch Zuwanderung von Flüchtlingen, Vertriebenen und (Berg-)Arbeitern wuchs die Gemeinde Wanne bis 1958 auf 23 000 Seelen an. Am 3. August 1958 wurde Pfarrer Horst Zugberg im Anschluss an seine Vikariatszeit ordiniert und am 16. April 1959 in die Pfarrstelle eingeführt.

Im Jahre 1959 wurde die bisherige Kirchengemeinde Wanne neu gegliedert. Es entstanden die Kirchengemeinden Wanne- Mitte, Wanne-West und Wanne-Nord. Am 1. Oktober 1959 wurde in diesem Zusammenhang die Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Nord als ihrem Zentrum gegründet. Ihre ersten drei Pfarrer sind Pfarrer Sonnemann, Pfarrer Scholz und Pfarrer Zugberg. Ende der sechziger Jahre ging Pfarrer Sonnemann und Pfarrer Scholz aus Altersgründen in den Ruhestand. Nachfolger wurde Vikar Christoph E. v. Bodelschwingh, der allerdings nach einem Jahr von Pfarrer Hans-Jürgen Dusza abgelöst wurde, und Pfarrer Siegfried Stetza, beide 1970.

Ansicht des Altars im Jahre 1970.

Ansicht des Taufbeckens im Jahre 1970.

Die Kanzel der evangelischen Lutherkirche in Wanne-Nord.

Im Jahre 1973 wurde die Orgel durch die Orgelbaufirma Breil aus Dorsten unter Verwendung der alten, noch brauchbaren Pfeifen mit elektrisch erzeugter Luftzufuhr neu errichtet.

Im Laufe der Jahre mussten an der Lutherkirche weitere Erneuerungsarbeiten vorgenommen werde. Die Kirchturmspitze erhielt statt des maroden Turmhahnes ein Kreuz. Auch der Turm, dessen Dach bei Sturm teilweise abgedeckt wurde, musste neu eingedeckt werden. Die Turmuhr erhielt moderne Zifferblätter. Eine neue Orgel, nun elektrisch betrieben, war dringend erforderlich geworden. Gleichzeitig wurden auch das Turmläutwerk und die Turmuhr elektrifiziert. Am Palmsonntag 1978 wurde Pfarrer Rainer Sudbrack in die Pfarrstelle Wanne-Nord eingeführt, die er bereits zwei Jahre als "Pastor im Hilfsdienst" verwaltet hatte.

Zwischen 1990 und 1992 wurde die Lutherkirche grundlegend von außen saniert und von innen renoviert. Dabei wurde auch das Auferstehungsbild hinter dem Altar durch ein Fenster ersetzt, dessen Gestaltung erneut Edmund Schuitz übernahm. Er trug dabei der theologischen Erkenntnis Rechnung, dass die Auferstehung selbst eigentlich nicht abbildbar ist. Daher kontrastiert das neue Mittelfenster gewollt mit den seinerzeit von den Professor Bischof und Martens entworfenen Seitenfenster durch seine abstrakte Darstellung
.

Als Nachfolger von Pfarrer Zugberg kam Pfarrer Burkhard Giese nach Wanne-Nord, der 1996 als Berufschulpfarrer nach Herne wechselte. Da die Gemeindegliederzahl inzwischen deutlich gesunken war - bedingt durch Abwanderung, der schlechten wirtschaftlichen Situation im Stadtteil - hatte Wanne-Nord nur noch zwei Pfarrstellen. Am 1. Oktober 1998 ging Pfarrer Stetza in den Vorruhestand; die Gemeindearbeit wurde unterstützt durch Pfarrer Sudbrack, sowie Pfarrer z.A. Wolfgang-E. Edler, der den vielen noch bekannten Stefan Weyer (heute Soest) ablöste.

Eingangsportal der neugotischen Luther Kirche in Wanne-Nord, aufgenommen im Sommer 1999.

Der Vorplatz der Kirche ziert die Lutherrose (sie ist das Wahrzeichen Martin Luthers und auf seinem Siegelring abgebildet) in Granitstein.


Die neugotischen Luther Kirche in Wanne-Nord, aufgenommen
im Herbst 2009. Der Innenraum hat ein Fassungsvermögen für
ca. 400 Plätze. Der Kirchturm hat eine Höhe von 28 Meter.


Das mittlere der drei spitzbogigen Altarfenster. Es zeigt eine Darstellung der Auferstehung, die der Wanne-Eickeler Künstler Edmund Schuitz entworfen und die Glaserfirma Grönegras aus Eickel ausgeführt hat. Der Künstler zeigt die Auferstehung als einen gegenstandslosen Rausch aus dynarmischen Farbwirkungen.

Das linke spitzbogige Altarfenster zeigt die Taufe Jesu,
entworfen von Professor Wilhelm Bischof.

Das rechte spitzbogige Altarfenster zeigt die Kreuzigung Jesu
mit Maria und Johannes, entworfen von Karl Martens.

Der Glockenstuhl weist drei Glocken auf. Die Kirchenfenster stellen im Altarbereich Szenen aus dem leben Jesu dar (links die Taufe Jesus, rechts die Kreuzigung, in der Mitte die Auferstehung). In den Rosetten links und rechts über den Emporen sind Szenen aus den Evangelien nach Lukas (links) und Johannes (rechts) dargestellt. Eine weitere Rosette über dem Hauptportal wird von der Orgel verdeckt. Sie zeigt neben der heiligen Schrift (mit den Buchstaben Alpha und Omega) und den vier Evangelisten (zum Teil als Tiere dargestellt) die Lutherrose.

Die fünf runden Fenster im Mittelschiff über den Emporen symbolisieren die zur Erbauungszeit der Kirche wichtigen Berufsgruppen Wannes in ihrer Beziehung zur christlichen Symbolik: links die Bauern (Brot und Wein) und die Stahlarbeiter (Faust), rechts die Eisenbahner (geflügeltes Rad), die Schiffer (Anker) und die Bergleute (Schlegel und Eisen).


Die Neustrukturierung im Evangelischen Kirchenkreis ist auch an der Luthergemeinde nicht vorbei gegangen. So beschließt das Landeskirchenamt in einer Sitzung vom 25. April 2006:

"Die evangelische Kirchengemeinde Crange und die evangelische Kirchengemeinde Wanne-Nord werden entsprechend einer Urkunde zu einer Kirchengemeinde vereinigt. (Crange-Wanne 1a)."

Mit Genehmigung des Regierungspräsidenten in Arnsberg tritt die Vereinbarung am 01. Juli 2006 in Kraft.
Sie bildet heute die Gemeinde Wanne-Nord mit der Gemeinde Crange die Gemeinde Crange-Wanne.



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Quellennachweis: 75 Jahre Lutherkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Wanne-Nord.
Manuskript zusammengestellt von Pfarrer Wolfgang-E. Edler, 1999.
100 Jahre Lutherkirche 1 Jahr Kirchengemeinde Crange-Wanne, 2007.
Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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