Wanne-Eickel-Historie


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Lina Kühn

Kunst und Kultur > Menschen aus Wanne-Eickel

Ein Leben für "Pommes rot-weiß"


In jedem Ortsteil gibt es sie die Pommesbude um die Ecke. Stammkunden sind es meistens die hier ihren Heißhunger auf Pommes Frites mit Mayo oder Currywurst stillen. Man kennt sich im laufe der Jahre und kann sich eine andere Person hinter der Friteuse kaum vorstellen, denn: "hier gibt es die besten Pommes der Stadt". In einem lockeren Porträt werden sie nun vorgestellt die Menschen hinter der Friteuse, ob Pommes Paul, Oma Kühn oder Tante Urban. Alle haben sie eins gemeinsam, die einstigen "Legenden" der Stadt, ihre Imbissbuden gingen in die Stadtgeschichte ein.

"Pommes" war ihr Leben"

Für uns Kinder war sie ein fester Bestandteil unseres jungen Lebens, die Pommesbude an der Märkischen Straße. Wenn wir vom schwimmen aus dem Hallenbad kamen, war der erste Weg zu ihr, zu "Oma Kühn".
Von 1959 bis zum April 1992 war ihr Geschäft eine Institution in Wanne-Eickel. "Lina Kühn, von ihren Kunden, ob groß oder klein, liebevoll "Oma Kühn" gerufen. Hier gab es 33 Jahre lang " die besten Pommes der ganzen Stadt
.


Dieses Foto schoß Klaus Wilbrandt 1995 zum 90. Geburstag von Lina Kühn (rechts im Bild) und ihrer Zwillingsschwester Frieda Weeke.


Die ersten Pommes Frites mit Mayo gab es in gedrehtem Papier - die Tunke erst in der Mitte und dann noch einmal oben drauf. Die Portionen gab es anfangs zu 30 Pfennig, die Brühwurst zu 50 Pfennig und die Bratwurst zu 70 Pfennig. Ob Mayonnaise und Sauce überhaupt etwas kosteten, weiß Lina Kühn nicht mehr so genau zu sagen.









Pommes Currywurst rot-weiß, im Ruhrgebiet auch als "Mantateller" bekannt.



Mit eisernen Willen und funkelnden Augen steuerte die 1,54 Meter große, gebürtige Wanne-Eickelerin mit Erfolg ihr Geschäft. Eine Spülmaschine für den großen Abwasch hat sie nie gebraucht. Mein Gott, das hätte doch viel zu lange gedauert: "In zehn Minuten spüle ich Ihnen 60 Teller und trockne sie ab", sagte sie in einem WAZ Interviewe. "Frau Kühn steht ihren Mann" hieß es, und die Polizei, nein, die habe sie nie bebraucht: "Wenn jemand an die Luft gesetzt werden musste, habe ich das schon allein gemacht." So verfuhr sie auch mit Angestellten, die lange Finger machten. Betrat jemand den Laden, der ihr zwielichtig vorkam, schloss sie die Küchentür ab und wartete an der Friteuse. Heißes Fett als Notwehrwaffe? Nötig war es nie. Für ihre kleinen Kunden opferte sie sich auf, denn wer "Oma Kühns" Sympathie hatte, bekam auch schon einmal eine Portion Pommes umsonst. Nur merken sollten es die anderen Kunden natürlich nicht. Sie kassierte dann den Betrag und gab das Wechselgeld in gleicher Höhe verschmitzt zurück.

Als andere Imbissstuben schon längst auf Gyros, Pizza und Cevapcici übergingen, stand Lina Kühn, die das Geschäft gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Johanna (82) betrieb, eisern zu Pommes, Bratwurst und Hähnchen. Als irgendwann einmal Cola und Fanta in Dosen dazukamen, war das eine kleine Sensation.

Ans Aufhören hatte sie nie gedacht, bis dann einest Tages ihr Neffe, der aus dem Beruf vorzeitig ausgeschieden war, sie dazu überredete. "Ich mit 59 Jahren in Rente und du mit 87 Jahren noch im Laden? Das geht ja wohl nicht," hat er gesagt. Lina Kühn ließ sich breitschlagen, mehr schlecht als recht. Als sie Schluss machte, ist es ihr jedoch sehr schwer gefallen - wie gesagt, "Pommes war ihr Leben".

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Quelle: Das Magazin 2003: Zum 90 Geburtstag Lina Kühn, Ausgabe 1, 1995. Auszüge aus der WAZ vom 28. Januar 1995.


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