Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Kötterhof Pins

Höfe und Kotten

Kötterhof Pins


Der Kötterhof Pins liegt in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur II, genannt Bönebruch, an der Straße Auf der Wilbe 11. Es ist das letzte Vierständer-Ankerbalken-Fachwerkhaus in Wanne-Eickel.

Der Kötterhof wird erstmals im Feuerstättenverzeichnis
* des Amtes Bochum von 1664 unter dem Mittelambt Hordell, ein Pächter "Pinss", eigenhöriger Kötter mit einem Feuerplatz erwähnt. Als Grundherr wird hierbei "Aschenbroich zu Mahlenborg" genannt. Eine weitere Erwähnung finden wir in einem Grundbesitzverzeichnis aus dem Jahre 1684, wonach Grund und Boden 1 Maltersaat* und 89 Ruten* groß waren. Da der Ertrag des Kotten* nicht für den Lebensunterhalt ausreichte, verrichtete Pins zusätzlichliche Arbeiten als Tagelöhner auf den Nachbarhöfen.

In der Grundsteuer-Mutterrolle von 1810 taucht der Name Diedrich Pins mit 3 holländische Morgen
* und 423 Ruten als Haus im Diepenbruch, im Pinskamp, genannt das Uferstück, auf.

Der Kötterhof, so wie er heute noch steht, ist mit Scheune und Stall im Jahre
1825 von J.D. (Johann Diedrich) Pins und A.G. (Anna Gertrud) Normann zu Bickern auf der Wilbe erbaut worden.

Eine andere Inschrift auf einem Stallgebäude lautete:
Böttcher Dietrich Pins und Gertrud Gravenhoff aus Heßler 1837.

An einem Nebengebäude finden wir folgende Namen, sie lauten wie folgt:
"Georg Wilhelm Pins - Lisette Laarmann zu Bickern E.V.P." 1 Juni 1880.

Im Jahre 1968 verkaufte die Witwe Sophie Pins einen großen Teil ihres Grund und Boden an die Stadt Wanne-Eickel. Im Januar 1990 wurde der Antrag zum Abriss des Kötterhofes gestellt. An deren Stelle sollten zwei dreigeschossige Häuser und siebzehn Garagen errichtet werden. Dem Eickeler Architekt Professor Dipl. Ing. Erich Frerk ist es schließlich zu verdanken, dass es dazu nicht kam. Bis heute befindet sich, die im hinteren Teil der Scheune gelegene Gastwirtschaft "Pins Bauernstube".


Der Kötterhof Pins, aufgenommen im Jahre 1915.

Der Kötterhof Pins, aufgenommen im Jahre 1960 links und 2014 rechts.

„Reishochzeit“ bei dem Kötter Pins in Röhlinghausen


Ein schier unerschöpfliches Kapitel in Röhlinghausen war das Thema Hochzeit. Hierzu ist überliefert, dass es zwei Arten dieser Feste gab. Neben der Gebehochzeit
*, wurde auch die Reishochzeit abgehalten.

Eine wichtige Persönlichkeit war dabei der "Hochzeitsbidder". Mit langem schwarzen Rock, hohem Zylinderhut und buntbeladendem Stab, die Kruse zog er von Hof zu Hof, um den geladenen Gästen feierlich seine reimgebundene Bitte vorzutragen:

"Beer un Schnaps un Ris un Kapps, Butter un Stuten, und ä Musikanten soll`n dobi tuten!" "Un wä dicken Ris wiäll iätten, drav dän Liäppel nich vergiätten!"


In einer kleinen Anekdote wird von der Reishochzeit bei Pins folgendes erzählt:

"Die Schüsseln mit dem dicken Reis waren draußen auf den Tischen hingestellt und wurden einen Augenblick lang nicht beaufsichtigt. Schon hatten sich ein paar picklustige Hühner an den verlockenden Schmaus herangepirscht und die zuckrige Oberschicht angeknabbert. Die gerade hinzukommende Magd machte nur ärgerlich kusch, kusch, kusch…, streute dann gleichmütig eine neue dicke braune Zuckerzimtdecke darüber, und der Schaden war behoben".

Um 1880 kamen die ausgedehnten Reishochzeiten allmählich aus der Mode, da die bis dahin eine große Familie bildende Dorfgemeinschaft durch den Zuzug fremder in ihrer engen örtlichen Begrenztheit aufgelockert wurde.


*Anmerkung: Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Der Holländische Morgen beträgt ca. 2500 Quadratmeter. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Kotten waren Höfe deren Landbesitz meist nur 15 Morgen betrug. Da der Ertrag häufig nicht für den Lebensunterhalt ausreichte, verrichteten sie meist arbeiten als Tagelöhner auf Nachbarhöfen. Gebehochzeit, sie wurde am 3. Mai 1829 durch eine Regierungsverordnung verboten, weil man darin eine zu hohe Verschuldung der Bevölkerung sah. Die Reishochzeit hatte fortan weiter bestand.


zurück...

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Straßen und Hausnummer-Verzeichnis der Gemeinde Röhlinghausen. Wanne 1909.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Tagespresse von 1950: "Pins-Hof auf der Wilbe feiert 125 jähriges Bestehen".
Tagespresse von 1950, 1954 und 1990.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt. Herne 1995.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen in alten Ansichten, Zaltbommel/Niederlande 1998.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü