Wanne-Eickel-Historie


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Kotten Vedder

Höfe und Kotten

Kotten Vedder


Der Kotten Vedder lag in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur II, genannt Bönebruch an der heutigen Straße Auf der Wilbe in Höhe der Hausnummer 28.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* von 1486 wird ein Vedder erstmals namentlich erwähnt. Im Jahre 1607 vermacht ein Ewert Vedder auf der Wilbe, der Kirche zu Eickel "5 Taler Bochumer Währung". In einem Verzeichnis der Grundbesitzer vom Jahre 1684 wird Vedder als Kötter mit der Größe des Besitzes von 1 Scheffelsaat* und 31 Ruten* erwähnt.

Bei der Teilung (Verkauf) des Eickeler Bruchs unter Friedrich dem Großen am 17 Juni 1773 wird unter anderem als interessierter Käufer einer kleineren Parzelle ein Vedder auf der Wilbahn genannt. Der Verkaufstermin wurde auf den 21. Oktober 1773 festgelegt. Als Kosten hatte jeder Käufer, für den Kaufbrief 1 Reichsthaler, für Stempelpapier 10 Stüber und für das Sigill
* 7 ½ Stüber zu zahlen. Wie die Verkaufskommission festlegte, wurde dem Käufer Vedder auf der Wilbahn die Gebühren wegen des erlittenen Viehsterbens erlassen.

Im Jahre 1810 wird in der französischen Grundsteuerveranlagung von Röhlinghausen ein Vedder mit 3 holländische Morgen
* und 630 Ruten* Land erwähnt. Als im Jahre 1850 ein Meesmann aus Riemke auf den Hof Denis einheiratete, wurde eine große Gebehochzeit abgehalten. Auch hier taucht in einer Spendenliste, die damals an der Hochzeit in Röhlinghausen teilnahmen, der Name Vedder mit auf.

Ein paar Jahre später (dies ist aus den Archivalien nicht festzustellen) heiratete ein gewisser Storp auf den Kotten Vedder ein. Der Hof behielt weiter seinen alten Namen
*. Denn erlosch die Geschlechtsreihe auf einem der Höfe im Mannesstamme, so nahm der Ehemann der Erbtochter den alten Hofnamen an. Der "neue" Bauer Storp hieß nun: Storp, genannt Vedder. Später verkaufte dieser den Kotten an einer Familie Goldhagen.

Der Schalker Gruben- und Hüttenverein, in dessen Besitz die Zeche Pluto Thies war kaufte um 1900 die Ländereien an der ehemaligen Schulstraße auf. Wann das Hofgebäude abgetragen wurde liegt im Dunkel der Geschichte. Das zum ehemaligen Hofbereich gehörende Gelände wurde Mitte der 1960 Jahren in Bauland umgewandelt und mit Mietshäusern und im Jahre 2000 im hinteren Bereich mit Reihenhäusern bebaut.


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Röhlinghausen, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Vedder ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Flur II, genannt Bönebruch.

Das Fachwerkhaus Vedder, hier wohl schon Goldhagen, aufgenommen um 1935. Das Wohngebäude lag an der ehemaligen Schulstraße, der heutigen Straße Auf der Wilbe in Höhe der Hausnummer 28.

*Anmerkung: Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Der Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Sigill ist ein Wachs oder Lacksiegel. Der Hof vererbte sich vom Vater auf den Sohn, und wenn die männliche Geschlechterreihe erloschen war, nahm der Ehemann der Erbtochter den alten Namen des Hofes an.

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Quellennachweis:
Hegeler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Straßen und Hausnummer-Verzeichnis der Gemeinde Röhlinghausen. Wanne 1909.
Hegeler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt. Herne 1995.


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszug, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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