Wanne-Eickel-Historie


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Kotten Tüntmann

Höfe und Kotten

Kotten Tüntmann


Der Kotten Tüntmann lag in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur II, genannt Bönebruch, an der Grenze zu Gelsenkirchen Hüllen, an der Wanner Straße 12, der heutigen Gelsenkircher Straße.

Der Kotten wird erstmals 1528 in einer Steuerliste erwähnt. Eine weitere Erwähnung finden wir im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum
* aus dem Jahre 1664. Hier wird in "Hordell" unter den Grundherren von Nesselrodt ein Heuerling* und Kötter Tüntmann im Diepenbruch mit zwei Feuerplätze aufgezählt. Ein Verzeichnis der Grundbesitzer (Bauern und Kötter) aus dem Jahre 1684 weist Tüntmann mit der Größe eines Besitzes von 5 Maltersaat*, 3 Scheffelsaat* und 88 Ruten* aus. In der Kirchengeschichte der evangelischen Kirchengeschichte zu Eickel, verweist Pfarrer Johannes Daniels auf eine Urkunde vom 8. Juni 1704 hin, in dem ein Tüntmann im Diepenbruch aus der Armenkasse 11 Reichstaler geliehen hat. Hiermit hat es folgende Bewandtnis:
Jan Justus Langenberg lieh dem Jürgen Tüntmann zur Abzahlung der dem Hause Strünkede schuldigen Pächter die Summe von 11 Reichstaler
*. Ein Jahr später lieh er sich noch einiges Geld hinzu. Im Jahre 1713 betrug die Summe 19 Reichstaler* und 40 Stüber*.

Im Jahre 1808 bauten die Eheleute Johann Peter Tüntmann und Henriette Katharina Generalla, genannt Tüntmann ein neues Hofgebäude. Die Inschrift der Scheunentorbalken lauteten:

"Es kommt alles von Gott, Glück und Unglück, Armut und Reichtum."


Zwei Jahre später, im Jahre 1810 wird der Besitzer Heinrich Tüntmann mit 16 holländischen Morgen
* und 722 Ruten* erwähnt. In der Grundsteuer-Mutterrolle von 1810 taugt der Name Tüntmann als Haus im Diepenbruch auf.

Um 1890 fand auf dem Hof eine Besitzerwechsel mit Landwirt Wilhelm Brennholt statt, im folgte um 1930 Karl Armin.

Das Gehöft fiel den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. In den Trümmern gab es in den ersten Nachkriegsjahren noch eine behelfsmäßige Wohnung. Als die Rheinisch-Westfälische Wohnstätten AG in den 1950 Jahren mit dem Bau von Zechensiedlungen für Bergmannsfamilien der Zeche Pluto begann, wurden auch die letzten Balken und Stein des Hofes abgerissen
.


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Röhlinghausen, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Tüntmann ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Röhlinghausen, Flur II, genannt Bönebruch.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Tüntmann ist rot unterlegt. Das Grundstück befand sich an der Gelsenkircher Straße. Am 1. November 1891 wurde das Amt Wanne geteilt und zwar in die Ämter Wanne mit den Gemeinden Bickern (hier blau unterlegt), Crange und Röhlinghausen und Eickel mit den Gemeinden Eickel und Holsterhausen.

Der Kotten von Heinrich Tüntmann an der Wanner Straße 12, der heutigen Gelsenkircher Straße, um 1925.

*Anmerkung:

Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahlder Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Heuerling, waren selbstständig wirtschaftende Kleinlandwirte, die von den Bauern Haus, Garten und etwas Ackerland gepachtet hatten. Durch Mitarbeit auf dem Hof des Bauern verdiente sich der Heuerling seine Heuer (Pacht), zusätzlich Korn, Heu und auch die Spannhilfe des Bauern. Heuerlinge waren keine vollberechtigten Mitglieder der Bauernschaft. Sie besaßen kein Stimmrecht, brauchten keine Kirchenbeiträge zu bezahlen, mussten aber für das Totengeläut eine Gebühr entrichten. Reichstaler, Abkürzung: Rthlr., Rthl., rthl., Thl., eine weitverbreitete Silbermünze von 1566 bis ins 19. Jahrhundert. Neben dem Gulden offizielles Zahlungsmittel. Er wurde bis 1871 geprägt. Stüber war in Westfalen eine Kleingroschenmünze ab dem 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.

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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel 1906, Amtsblattdruckerei Wanne.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Wanne-Eickel, 1927.
Einwohnerbuch für die Stadt Wanne-Eickel 1937.
Schmitz, Gerhard: Ein heimatkundlicher Streifzug durch meine Heimatstadt Wanne-Eickel. Eine Unveröffentlichte Semesterarbeit, Pädagogische Hochschule Essen 1962.
Tagespresse Wanne-Eickeler Zeitung aus dem Jahre 1954.
http://www.staatliche-muenzsammlung.de


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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