Wanne-Eickel-Historie


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Kotten Schuhmacher

Höfe und Kotten

Kotten Schuhmacher


Der Kotten Schuhmacher lag in der Gemarkung Holsterhausen, Flur I, genannt Cranger Heide, im Holsterhauser Feld, an der späteren Herforder Straße 15 in Höhe der heutigen Bünder Straße.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* von 1486, werden in Bezug auf "Holsterhuysen" (Holsterhausen) 18 Hofbesitzer zur Steuer veranlagt. Im Feuerstättenverzeichnis* aus dem Jahre 1664 gab es in "Holsterhaussen" 2 Höfe, 2 halbe Höfe und 12 Kötter.

Der hinter der alten Overbergschule, nahe der Rottbruchstraße gelegene Kotten wurde 1785 durch Casper Cleff und seiner Frau Anna Gertrud geborene Middeldorf erbaut.

Die Scheunentorinschrift lautete:

"Wo Gott zum Haus nicht gibt seine Gunst, arbeitet jeder Mann umsonst"

Die Inschrift über dem Türeingang Lautete:

"Wer ein- und ausgeht durch die Thuer, der soll gedenken für und für, daß unser Heiland Jesus Christ die rechte Thuer zum Himmel ist"

Im Jahre 1799 verkaufte die Witwe Anna Cleff das Anwesen an Wilhelm Blanke. Wilhelm Blanke übte das Handwerk eines "Ziegelbäckers" aus. Im Volksmund bekam darauf hin das Anwesen den Namen "Pannebeckers Kotten".

Die Größe des Anwesens von Wilhelm Blanke finden wir in der Steuerveranlagung
* zur Zeit Napoleons vom 16. Juni 1810, als Holsterhausen zur Mairie (Bürgermeisterei) Herne gehörte, der damalige Landbesitz war 2 Morgen* und 212 Ruten* groß. Von den Franzosen wurde dieser Besitz mit 28 Franken* und 83 Centimen* steuerlich veranlagt.

In der Mutterrolle von 1810 wird für Blanke folgender Grundbesitz in den Fluren gelistet:

  • Garten - Lage "hinterm Haus"
  • Ackerland - Lage "Hegeler Kamp"
  • Ziegelplatz - Lage "Hegeler Kamp"



Beim der Teilung der Cranger Heide im Jahre 1841 kaufte Wilhelm Blanke neues Land hinzu.

Durch Heirat kam im Jahre 1899 Heinrich Schuhmacher auf den Kotten. Heinrich Schuhmacher war von Beruf Schreinermeister. Der Feuerwehrturm (Steigerturm) der Freiwilligen Feuerwehr Holsterhausen zeugte von seinem handwerklichen Können.

Durch Tod Heinrich Schuhmacher kamen durch die zweite Ehe für einige Jahre die Kotten Hegeler und Schuhmacher zusammen.

August Schuhmacher, ein Sohn, betrieb als letzter die Landwirtschaft. Nach seinem Tod wurde 1933 das Land verpachtet und später verkauft.
Langezeit bewohnten bis zu fünf Familien den Kotten, ehe er im Februar 1972 abgebrochen wurde.



Der Kotten Schuhmacher im Holsterhauser Feld, an der späteren Herforder Straße 15 in Höhe der heutigen Bünder Straße, aufgenommen im Jahre 1953.


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*Anmerkung: Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Franken Landeswährung. Seit dem 1. Januar 1809 war die Dezimalrechnung und das metrische System eingeführt worden. Der französische Franken war zwar Landeswährung, jedoch blieben die im Lande vorhandenen Münzen anderer Währungen im Gebrauch. 1 Taler = 24 Groschen = 3 Westphälischer Franken und 70 Centimen.

Quellennachweis:
Grundsteuer-Veranlagung der Gemeinde Holsterhausen zur Zeit der Fremdherrschaft (1810), Ruhrdepartment, Kanton Bochum, Mairie Herne. Mutterrolle für die Grundsteuer der Gemeinde Holsterhausen. In Gefolge des Beschlusses Seiner Exzellenz des Herrn Finanzministers vom 16. Juni 1810 (Original im Katasteramt Wanne). Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel). Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925. Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664. Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925. Tagespresse aus dem Jahre 1952, 1954 und 1955. Interview mit Albert Fischer aus Holsterhausen, November 1990.


Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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