Wanne-Eickel-Historie


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Kotten Sassenhof

Höfe und Kotten

Die Kutscherstation am Gahlenschen Kohlenweg, der Sassenhof


Der Kotten Sassenhof
* lag in der Gemarkung Holsterhausen, Flur I, genannt Cranger Heide, an der ehemaligen Dorstener Chaussee*, der heutigen Dorstener Straße in Höhe der Hausnummer 377.

"Sasse" - das bedeutet soviel wie "der Sesshafte". Somit war der Name - "der Sesshafte auf dem Hof" eine Verpflichtung. Der Familienspruch lautet wie folgt:
"WO KUOLEN LEGET UN EKEN WASST DO WASSTOK LU DE DOBI PASST"
"Wo Kohle liegen und Eichen wachsen da wachsen auch Leute die dazu passen".


Die alte Kutscherstation an der Dorstener Chausseestraße kann auf eine bewegte Geschichte zurück blicken. Wo früher einmal Pferdetröge und grobe Sturzkarren standen, prägen heute Parkplätze das Außenbild.

Der alte Sassenhof stand seit dem 14. Juni 1803 im Dorf Crange. Hier bauten Heinrich Sassenhoff und seine Frau Maria Katharina, geborene Hangor, ihr Fachwerkhaus. Gut 40 Jahre später wurde Balken für Balken des alten Hauses abgetragen und an der ehemaligen Dorstener Chaussee der heutigen Dorstener Straße in Höhe der Hausnummer 377 wieder aufgebaut, als der Sohn Caspar Heinrich Sassenhoff die Bauerntochter Anna Katharina Gertrud Stallberg aus der Nachbarschaft heiratete.

Es war Caspar Heinrich Sassenhoff, der am 5. Juni 1850 im Sassenhof neben der Landwirtschaft ein Gasthaus einrichtete. Denn vor seiner Tür zogen Bauern und Fuhrleute aus dem Ruhrtal und aus dem Münsterland mit Pferdewagen und Ochsenkarren die Straße entlang, um von der Ruhr Kohlen zu holen. Da die Wegstrecke an einem Tag nicht zu schaffen war, kehrte man ein und übernachtete auch.

Am 5. Juni 1850 erteilte der Landrat des Kreises Bochum Caspar Heinrich Sassenhoff die Gast- und Schank Konzession mit der Nr. 3395. In der hießt es:
"In Willfahrung des bei dem Amtmann zu Herne angebrachten und von diesem befürworteten Gesuch erteile ich Ihnen die Erlaubnis zum Betrieb der Gast- und Schankwirtschaft in ihrem an der Kohlenstraße neu erbautem Hause und erwarte, dass Sie auf Recht und Ordnung in der Wirtschaft halten und die betreffenden polizeilichen Vorschriften genau befolgen werden."

Weiter heißt es:
"Den Erlaubnisschein lasse ich Ihnen hierbei zugehen."

Der Erlaubnisschein des Bochumer Landrates legte fest, dass der Wirt
"keine verbotenen Spiele und Nachtschwärmerein bei sich duldet, die Polizeistunde streng einhalte und sich bei Verlust der Konzession nicht über acht Tage Kredit für genossene Getränke gebe". Ferner gab es die Verpflichtung, "gutes, trinkbares Bier in Schoppengläsern feilzuhalten… und fällt jedes Mal, wenn sich einer in seiner Schenke betrinkt, in eine Strafe von zwanzig Silbergroschen an".


Am 5. Juni 1850 erteilte der Landrat des Kreises Bochum Caspar Heinrich Sassenhoff die Gast- und Schank Konzession mit der Nr. 3395.

Wörtlich Übersetzt heiß es hier:


Erlaubnisschein


Dem C.H. Sassenhoff wird die Erlaubnis zum Betriebe der Gast- und Schenkwirtschaft in dem in der Commüne Eickel, sub No. des Katasters aufgeführten Hause für das Jahr Eintausend acht Hundert und fünfzig hiermit unter der Bedingung erteilt, daß er die hinsichtlich des Schenkwirtschaftsbetriebes bestehenden und noch erscheinenden polizeilichen Verordnungen pünctlich befolge, keine verbotene Spiele und Nachtschwärmerinnen bei sich dulde, die Polizeistunde streng einhalte und bei Verlust der Concession nicht über 8 Tage Credit für genossene Getränke gebe. Auch ist Concessionister verpflichtet, gutes trinkbares Bier in Schoppengläsern feil zu halten und fällt jedesmal, wenn sich jemand in seiner Schenke betrinkt, in eine Strafe von 20 Silbergroschen.
Dieser Erlaubnisschein ist nur für die Person des in demselben benannten Gewerbetreibenden und nur für das auslaufende Kalenderjahr gültig, kann jedoch auf Nachsuchen des Inhabers von der ausstellenden Behörde von Jahr zu Jahr erneuert werden.
Wer ein Gewerbe, wozu ein polizeilicher Erlaubnisschein erforderlich ist, ohne einen solchen Schein oder vor dem Anfange des Jahres, auf welches derselbe lautet, oder in einem anderen, als dem darin bezeichneten Locale, oder nach dem Ablauf des Kalenderjahrs fortsetzt, ohne einen neuen Erlaubnisschein oder den Verlängerungs- Vermerk auf dem früher erteilten erwirkt zu haben, verfällt in eine Geldbuße von 5 bis 50 Thlr. oder in verhältnismäßige Gefängnisstrafe.

Bochum, den 5. Juni 1850
Der Landraht


Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Sassenhof(f) ist rot unterlegt. Der Hof befand sich an der heutigen Dorstener Straße in Höhe der Hausnummer 377.

Der alte Sassenhof um 1900.

Der alte Sassenhof um 1925.

Die Gast- und Schankwirtschaft war aber nicht die einzige Einnahmequelle der Familie Sassenhoff. Es wurde auch der Hof mit Landwirtschaft, Kühen, Schweine, Hühnern und Pferde betrieben.

Bis im Jahre 1933 hatte die Witwe Emilie Sassenhoff den Hof und die Schankwirtschaft betrieben. Im Jahre 1935 heiratete sie in zweiter Ehe den Landwirt Fritz Altevogt. Ihr zweiter Mann betrieb fortan die Landwirtschaft und sie führte die Schankwirtschaft.

Nachdem Teile des Wohngebäudes im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden waren, ließ die Familie ihr Wohnhaus wieder aufbauen, das sie bis Anfang 1960 selbst bewohnten.

Der Bau des Emscherschnellweges (A42) erzwang im Jahre 1968 den Abbruch des alten bäuerlichen Ursprungsgebäudes. Nur die alten Deelenbalken wurden als Erinnerung aufbewahrt und zieren die Terrasse der Scharpwinkels.


ES IST GENUG ZU DIESEM LEBEN WER WASSER UND BROD KLEIDER UND HAUS HAT DA MIT ER SEINE NOTHDURF DECKEN KAN

FRIED UND GESUNDHET KRAFT GEDH EIN ZU UNSER HÄNDE FLEIS GOTT GIEBST DU ANNA 1803 D 14 JUNII


Die Besitzerin des Sassenhofes in der vierten Generation, Hilde Scharpwinkel geborene Sassenhoff verstarb am 6. Mai 2011, ihr Lebensgefährte Hubert Estner wurde Erbe des Besitzes.

Nur ein Steinwurf vom Ursprungsgebäude entfernt wurde im Jahre 1950 durch den Bauunternehmer August Morick das neue Lokal fertig gestellt. Das Gasthaus präsentiert sich heute als Restaurant und Hotel.

*Anmerkung:

Sassenhoff
oder Sassenhof, der Familienname und der Hofname unterscheiden sich in der Schreibweise. Dorstener Chaussee, schon vor über 200 war die Dorstener Straße ein Hauptverkehrsweg für den Kohlentransport nach Gahlen und hieß daher auch Gahlensche Kohlenstraße. Der erste Ausbau wurde 1763 von Bochum Stiepel über die jetzige Bochumer Kohlenstraße nach Eickel, weiter über eine Brücke, über die Emscher bei Crange in Richtung Buer, Erle, an Dorsten vorbei zum so genannten Kohlenhaus am Lippehafen bei Gahlen geführt. Der Ausbau der Strecke war 1769/70 beendet. In den Jahren 1849-1854 wurde die Strecke zur Dorstener Chaussee ausgebaut. Die Straße erhielt eine Breite von 8,6 Meter.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel - Wanne einst und jetzt. Siegen 1903.
Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel, Ausgabe 1906.
Dr. von Knorre, Alexander: Der Gahlensche Kohlenweg, Kunststraße zwischen Ruhr und Lippe.
Tagespresse WAZ aus den Jahren 1990, 2000.
Interview mit Hubert Estner am 18. März 2014.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszug, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.




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