Wanne-Eickel-Historie


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Kotten Hülsmann

Höfe und Kotten

Kotten Hülsmann


Der Kotten Hülsmann lag in der Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann, an der heutigen Holsterhauser Straße Ecke Dorstener Straße.

Aus der Stammtafel der Familie Hülsmann ist ersichtlich, dass Hülsmann, ein freier Bauernhof zu Baukau bei Herne war, der im Jahre 1486 erstmals im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* mit "Henrik Hulsman" genannt wird.

In der Türkensteuerliste des Amtes Bochum von 1542
* wird ein Kötter "Wessel im Hulßhove" und im Türkensteuerregister von 1598* ein "Heinrich Hulshoff" erwähnt. Eine weitere Nachricht weist auf das Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664* hin. Hier wird ein Hof "Hulssmann" aufgeführt; er gehörte zur Grundherrschaft Strünkede.

Georg Engelbert Hülsmann aus Baukau heiratete am 16. Juni 1817 die aus Holsterhausen stammende Anna Catharina Schulte Altedorneburg. Im gleichen Jahr gründeten sie eine Dampf-Kornbranntwein-Brennerei (wie auf dem Hochzeitsbalken ersichtlich) als landschriftschaftlichen Nebenbetrieb, der später in einem gewerblichen Betrieb umgewandelt wurde (siehe auch: Kornbrennerei Heinrich Hülsmann).


Die Inschrift des Hochzeitsbalken lauten:

BRENN UND BRAUHAUS HOLSTERHAUSEN ENGELBERT HÜLSMANN DEN 16. JUNI 1817 ANNA CATRINA SCHULTE ALTEDORNEBURG


Die Brennerei wurde in ununterbrochener Linie von der Familie Hülsmann betrieben. Im Jahre 1974 fiel die Kornbrennerei an der Holsterhauser Straße 73 der Spitzhake zum Opfer. Auf dem Gelände befindet sich heute ein Wohnhaus mit 18 Wohneinheiten.

Heute erinnert nur noch der Straßenname Brennerstraße, die an dem Hof vorbei führte, an die alte Brennerei Hülsmann.

Ausschnitt aus dem Kartenwerk Wanne und Eickel aus dem Jahre 1842 von den preußischen Offizieren von Seydlitz und von Dorpowski aufgenommen und gezeichnet. Der Hofname Hülsman(n) ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann.

Ansicht der Dampf-Kornbranntwein-Brennerei von Heinrich Hülsmann, Holsterhauser Straße 73 um 1960. Das Betriebsgelände befand sich an der Dorstener Straße zwischen der Holsterhauser Straße links im Bild und Brennerstraße rechts im Bild.

Zur Geschichte des Familiennamen Hülsmann


Hülsmann gehört zu der großen Gruppe von Familiennamen die in dem zweiten Teil ihres Namen -mann stehen haben, das an Handwerks- und Berufsnamen (zum Beispiel Zimmermann, Kaufmann), an Eigenschaftswörter (zum Beispiel Frommann) oder an Ortsbezeichnungen angehängt wird. In unserem Falle ist -MANN an HÜLSE bzw. HÜLS angehängt. Mit HÜLSE wird in Nordwestdeutschland die Stechpalme, der Stechdorn bzw. Christdorn, mit dem botanischen Namen Ilex, bezeichnet. Es sind dieses die grade in Westfalen oft vorkommenden Sträucher mit den immergrünen, lederartigen, dornig gezahnten Blättern, zwischen denen dann die doldenartigen, rotleuchtenden, kugeligen Beeren hervorleuchten. Es ist auffallend, dass man nach diesem Strauch, der auch im übrigen Deutschland außerhalb Westfalens anzutreffen ist, wenn auch seltener, viele Familiennamen gebildet hat. Ich nenne außer HÜLSMANN oder HÜLSEMANN, HÜLSHOF bzw. HÜLSHOFF (vergleiche Droste Hülshoff) HÜLSBERG, HÜLSEWEDE, HÜLSE, HÜLSEN, VON HÜLSEN, in den Niederlanden VAN HÜLST. Wenn man in Deutschland einem begegnet, der HÜLSMANN bzw. HÜLSEMANN heißt, kann man ohne weiteres mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass er aus Westfalen stammt. Besonders häufig kommt dieser Name in der ehemaligen Grafschaft Mark und in der alten Grafschaft Limburg vor. In früheren Zeiten schwankt oft bei ein und demselben Familiennamen HÜLSMANN und HÜLSEMANN. Heute ist das natürlich nicht mehr möglich. Für das Kulturelle Leben der Grafschaft Mark spielte eine Reihe von Trägern dieses Familiennamens HÜLSEMANN oder HÜLSMANN eine bedeutsame Rolle. In den Wappen dieser Familien stoßen wir zumeist auf die grünen, dornig gezahnten Blätter mit den leuchtend roten Beeren dieser Hülse, die man auch Mäusedorn oder Walddistel nennt.

Wappenschild der Familie Hülsmann.

*Anmerkung:
Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1542. Die Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Türkensteuerregister von 1598 für das Amt Bochum. Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden.

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Borgmann, Rudolf: Türkensteuerliste von 1542 des märkischen Amtes Bochum, Zeitschrift Westfalen, Heft 1, 1936.
Bauermann, Johannes: Türkensteuerregister von 1598 für das Amt Bochum, Wittener Jahrbuch 1937.
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Höfken, Günther: Westfälische Familiennamen, Bochum 1954.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.
Interview mit Dieter Hülsmann am 16. Oktober 2012.


Bildnachweis:
Mit freundlicher Genehmigung durch Dieter Hülsmann.
Preußische Kartenaufnahme von 1842. Original im Besitz der Staatsbibliothek, Preußischer Kulturbesitz.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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