Wanne-Eickel-Historie


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Kotten Hasenkemper

Höfe und Kotten

Kotten Hasenkemper


Der Kotten Hasenkemper lag in der Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann. Von der Feldkampstraße, der heutigen Südstraße aus, in Richtung Riemker Straße, liegt nördlich davon die Flur "Hauge Löchte
*" (Hohe Luft), südlich davon die Flur "Dübelskamp" (Teufelsfeld)*. Etwa 600 Meter westlich der Eisenbahnstrecke der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn, hinter dem Erbhof Feldhege, im heutigen Gewerbepark Hibernia lag der Kotten Hasenkemper.

Gemarkungskarte aus dem Jahre 1824. Der Hofname Hasenkemper, hier mit dem Umlaut "ä" geschrieben (Hasenkämper) ist rot unterlegt. Robert Heitkamp, beauftragte Anfang der 1960er Jahre den Kunstmaler Edmund Schuitz mit der Umsetzung dieser Karte.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Hasenkemper ist rot unterlegt. Er befand sich in der alten Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann.

Von Steinen beschreibt 1757 die Bauerschaft Holsterhausen wie folgt:

"Holsterhausen lieget etwas linkerseits von der Straßen, die von Herne nach Wesel führet. Diese Bauerschaft, welche ins Gericht Eckel gehöret, ist zwar zum Theil zu Eckel, der gröste Theil aber zu Herne eingepfarret."

Zu Holsterhausen gehörten die ehemaligen Gewanne (Flurform) Aschenbruch, Böhme, am Craney, Crangerheide, Hahenfeldkamp, Regenkamp, Horst, Roehen und Rottbruch.

Holsterhausen hieß 1220 "Holtzeterhusen" und war den Oberhöfen (curiae) "Ekelo" (=Eickel) und "Hurle" (=Hordel) abgabepflichtig. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark aus dem Jahre 1486
* wurden in "Holsterhuysen" 18 Hofbesitzer zur Steuer veranlagt. Zur Türkensteuer wurden 1542* in "Holsthuisen" 10 Höfe und 6 Kötter herangezogen und laut Feuerstättenverzeichnis von 1664* gab es in "Holsterhaussen" 2 Höfe, 2 halbe Höfe und 12 Kötter.

Die Größe des Besitzes des Kotten von Johann Henrich Hasenkemper finden wir in der Steuerveranlagung
* zur Zeit Napoleons vom 16. Juni 1810, als Holsterhausen zur Mairie (Bürgermeisterei) Herne gehörte, nach der der Kotten 2 Morgen* und 50 Ruten groß war. Von den Franzosen wurde dieser Besitz mit 2 Franken* und 140 Centimen* steuerlich veranlagt.

Da der Ertrag des Kotten
* nicht für den Lebensunterhalt ausreichte, verrichtete der Kötter zusätzlichliche Arbeiten wie Hirtendienste oder als Knecht auf den Nachbarhöfen der Vollbauern.

Der Name Hasenkemper bedeutet im Wort "Has" Moor oder "Moder". Im zweiten Abschnitt des Namens "Kemper" oder "Kamp", ist ein eingefriedetes Stück Ackerland, Wiese, Weide oder Holzung gemeint. So besaß Johann Henrich Hasenkemper ein eingefriedetes Stück Ackerland von 2 Morgen hinter seinem Kotten.

Am 8. September 1939 brach auf dem Kotten von Karl Hasenkemper ein Brand aus, der die Stallungen und die Scheune einäscherte. Um ihre Produktionsanlagen zu vergrößern, kauften die Stickstoffwerke der Hibernia AG. das Anwesen auf.


*Anmerkung
Furbezeichnung
Hauge Löchte und Dübelskamp. Die vielen Kieselsteine die die Ruhr in der Eiszeit dort abgelagert hatte und den Bauern das Pflügen in alter Zeit erschwerte, brachte der Flur diesen Namen ein. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Türkensteuerliste war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden". Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Grundsteuerveranlagung von 1810. Am 27. Oktober 1810 wurde eine Verordnung zur Grundlage für die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer festgelegt. Nach dieser Absichtserklärung wurde mit den Gesetzen vom 21. Mai 1861 die gesetzliche Grundlage für die Einführung einer allgemeinen Grundsteuer geschaffen. Westphälischer Franken - Centimen. Am 1. Januar 1808 wurde im Königreich Westphalen der "Code Napoleon" als bürgerliches Gesetzbuch eingeführt. Gleichzeitig wird der französische Franken Landeswährung. Seit dem 1. Januar 1809 war die Dezimalrechnung und das metrische System eingeführt worden. Der französische Franken war zwar Landeswährung, jedoch blieben die im Lande vorhandenen Münzen anderer Währungen im Gebrauch. 1 Taler = 24 Groschen = 3 Westphälischer Franken und 70 Centimen. Der Holländische Morgen beträgt ca. 2500 Quadratmeter. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Kotten oder kleines Wohnhaus, waren Höfe deren Landbesitz meist nur 15 Morgen betrug. Da der Ertrag häufig nicht für den Lebensunterhalt ausreichte, verrichteten sie meist arbeiten als Tagelöhner auf Nachbarhöfen. Im Unterschied zu den Heuerlingen waren Kötter keine Mieter, sondern selbstständige Hausbesitzer.


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Quellennachweis:
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichungen des Archives Wanne, Band I. Wattenscheid 1925.
Borgmann, Richard: Die Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum vom Jahre 1542.
Bauermann, Johannes: Türkensteuerregister von 1598 für das Amt Bochum, Wittener Jahrbuch 1937.
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Grundsteuer-Veranlagung der Gemeinde Holsterhausen zur Zeit der Fremdherrschaft (1810), Ruhrdepartment, Kanton Bochum, Mairie Herne. Mutterrolle für die Grundsteuer der Gemeinde Holsterhausen. In Gefolge des Beschlusses Seiner Exzellenz des Herrn Finanzministers vom 16. Juni 1810 (Original im Katasteramt Wanne).
Tagespresse aus dem Jahre 1939.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Einwohnerbuch für die Stadt Wanne-Eickel 1937.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.
Interview mit Albert Fischer aus Holsterhausen, November 1990.
Bundesfinanzministerium.

Bildnachweis:
Kartenauszug mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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