Wanne-Eickel-Historie


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Kotten Blanke

Höfe und Kotten

Kotten Blanke


Der Kotten Blanke liegt in der Gemarkung Holsterhausen, Flur II, genannt Essmann, an der ehemaligen Dorstener Chaussee, der heutigen Dorstener Straße 279 in Holsterhausen.

Dem von Bochum nach Dorsten führenden Kohlenweg
* verdankt der Kotten Blanke mit Gasthaus seinen Ursprung. Eine Erwähnung finden wir in einem Grundbesitzverzeichnis aus dem Jahre 1684, wonach der Besitz Engelbert Blanke 2 Scheffelsaat* und 83 Ruten* groß war.

Dem damaligen Besitzer Friedrich Schlenkhoff, der in den von Johann Blanke errichteten Kotten einheiratete, gab man den Namen "Vörtner".
Ein Verzeichnis aus dem Jahre 1733 weist für die Gemeinde Eickel zwei "Vöden
*" aus, es waren: der Eickeler Bruch und die Cranger Heide. Die Bauernschaft hatte das Recht, ihr Vieh auf diese gemeinsam zugehörige Weidefläche zu treiben. Die Markgenossen* machten davon wenig Gebrauch. Das Verzeichnis weist 31 Namen von Auftreibenden auf, welche im ganzen 35 Kühe und 22 Rinder auf dieses Weideland brachten. Die Bauern kamen sogar aus Hüllen, Günnigfeld und Hordel. Von 1743 musste jeder der Auftreibenden für ein Pferd 1 rthlr.*, für eine Kuh 30 stbr.*, für ein Rind 15 stbr. zahlen. Zum Einziehen dieser Beträge war ein "Auftreiber" angestellt. So befand sich eine Barriere an der Cranger Heide. Wegen dem Schließen und Öffnen dieser Barriere, auch Pforte (Vörtner) genannt soll der damit beauftragte Schlenkhoff den Zunamen Pförtner (Vörtner) erhalten haben.

Da die Wegstrecke mit Pferdewagen und Ochsenkarren aus dem Ruhrtal und aus dem Münsterland an einem Tag nicht zu schaffen war, beherbergte der Kotten mit Gaststube im 18. und 19. Jahrhundert Fuhrleute auf dem Kohlenweg von Bochum nach Gahlen.


Das so genannte Querdeelen-Fachwerkhaus stammt aus Gladbeck und steht seit 1839 an der Dorstener Straße. Die Giebelinschrift verrät, dass das Fachwerkhaus bereits 1775 gebaut wurde. Die Balken im Eingangsbereich zeigen deutlich die ins Holz geschnittenen römischen Zahlen.

Die Scheunentorinschrift lautete:
"Wer ein- und ausgeht durch die Tür, soll bedenken für und für, daß unser Heiland Jesu Christ, die rechte Tür zum Himmel ist. Die Wege des Herrn sind eitel, gut und wahrhaft denen, die seinen Bund halten." 1839, Johann Engelbert Blanke, Catharina Maris Becker.

In seiner einstigen Funktion als Zollstation erinnert der Gasthof an die Zeit der Zoll- und Schlagbäume, von denen es annähernd 50 Stationen entlang der alten Transportstraße gegeben haben soll. Erst im Jahre 1875 wurde das "Chaussee Geld" aufgehoben.

Das Gebäude wurde am 23. November 2000 in der Liste der Herner Baudenkmäler mit der Nummer 646 unter Denkmalschutz gestellt.

Zurzeit wird das Gasthaus "Zum alten Fritz" von dem Eigentümern Renée und Sabine Krekeler betrieben. Das Gebäude befindet sich eigentlich in seinem Ur- Zustand. Nur bei der Kegelbahn handelt es sich um einen Anbau, der erst später hinzu gebaut wurde. Wann genau, weiß man bis heute jedoch nicht zusagen.



Ausschnitt einer Übersichtskarte der Städte Gelsenkirchen und Herne aus den Jahre 1842. Der Hofname Schlenkhoff genannt Vörtner ist rot unterlegt. Der Kotten befindet sich an der Dorstener Straße 279.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Schlenkhoff ist rot unterlegt. Der Kotten befindet sich an der Dorstener Straße 279.

Das Fachwerkhaus "Zum alten Fritz" an der Dorstener Straße 279, aufgenommen im Jahre 1968.

Das Fachwerkhaus "Zum alten Fritz" an der Dorstener Straße 279, aufgenommen im März 2014.

*Anmerkung: Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Kohlenweg. Schon vor über 200 war die Dorstener Straße ein Hauptverkehrsweg für den Kohlentransport nach Gahlen und hieß daher auch Gahlensche Kohlenstraße. Die Länge der Strecke betrug 29 Kilometer. Der erste Ausbau wurde 1763 von Bochum Stiepel über die jetzige Bochumer Kohlenstraße nach Eickel, weiter über eine Brücke, über die Emscher bei Crange in Richtung Buer, Erle, an Dorsten vorbei zum so genannten Kohlenhaus am Lippehafen bei Gahlen geführt. Der Ausbau der Strecke war 1769/70 beendet. In den Jahren 1849-1854 wurde die Strecke zur Dorstener Chaussee ausgebaut. Die Straße erhielt eine Breite von 8,6 Meter. Vöde, ist eine besondere Form von gemeinschaftlichen Eigentum, die Allmende. Markgenossen sind die Anteilseigner von bestimmten Nutzungsrechten oder Anteilen an dem ungeteiltem Eigentum an Boden einer Mark. Mark, das altdeutsche Wort für Grenze. Reichstaler, Abkürzung: Rthlr., Rthl., rthl., Thl., eine weitverbreitete Silbermünze von 1566 bis ins 19. Jahrhundert. Neben dem Gulden offizielles Zahlungsmittel. Er wurde bis 1871 geprägt. Stüber, Abkürzung: stbr., war in Westfalen eine Kleingroschenmünze ab dem 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Lublewski, Peter: Die Umstände zur Anlegung des Gahlener Kohlenweges durch den Hattinger
Lehrer und Bergwerksbesitzer Johann Wilhelm Müser.
Tagespresse von 1955: "Dorstener Chaussee vor hundert Jahren freigegeben" und 1961:
"Bauernhofromantik wird auf uralten Inschriften lebendig".
http://www.staatliche-muenzsammlung.de


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Preußische Kartenaufnahme von 1842. Original im Besitz der Staatsbibliothek, Preußischer Kulturbesitz.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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