Wanne-Eickel-Historie


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Kotten Beisemann

Höfe und Kotten

Kotten Beisemann


Der Kotten Beisemann lag in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur II, genannt Bönebruch an der heutigen Plutostraße in Höhe der Hausnummer 42.

In der Türkensteuerliste
* des märkischen Amts Bochum aus dem Jahre 1542 finden wir erstmals einen "Johan Bosemann", der von allen Steuern befreit wurde. Der Kotten gehörte nach Aufzeichnungen aus dem Feuerstättenverzeichnis* des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664 zum "Mittelambt Hordell". Hier finden wir folgenden Eintrag: "Grundherr Aschebroich zu Mahlenberg: Pfächtiger Bosemanns Kotten hat Johan Stockert, Möller zu Dahlhausen, gekauft, aber die Wittfrau ist noch mit einer Feuerstelle darauf." In einem Verzeichnis der Grundbesitzer vom Jahre 1684 wird Bosemann als Kötter mit der Größe des Besitzes von 2 Scheffelsaat* und 51 Ruten* erwähnt.

Am 18. Juni 1707 wird im Kirchspiel zu Eickel, von der verwittweten Freifrau von Strünkede zur Dorneburg, das Vorhaben beschlossen, an der lutherischen Kirche eine neue Kapelle zur Begräbnis ihrer Familie zu bauen. Hierzu finden wir unter dem Eintrag mit der Nummer 34, den Name Johann Beisemann aufgezeichnet.

Im Jahre 1810 wird in der Grundsteuer-Mutterrolle für Röhlinghausen ein Georg Beisemann mit 2 holländische Morgen
* und 442 Ruten Land erwähnt.

Im Jahre 1872 entstanden die neuen Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Die Inschrift über dem Scheunentor lautete:

"Wer ein- und ausgeht durch die Tür, der muß bedenken für und für, daß unser Heiland Jesu Christ die rechte Tür zum Himmel ist. Heinrich Beisemann - Maria Dortelmann, Eheleute 1872."

Der Schalker Gruben- und Hüttenverein, in dessen Besitz die Zeche Pluto Thies war kaufte um 1900 die Ländereien auf. Im Jahre 1928 treffen wir auf Beisemanns Kotten den Bäckermeister Wilhelm Grawenhoff mit seinen Sohn Heinrich an. Sie unterhielten hier eine Bäckerei und besorgten den Transport der Deputatkohlen für die Zeche Pluto.

Das Wohnhaus wurde im Zweiten Weltkrieg ein Opfer der Bomben. Im Jahre 1958 wurden die Ruinen des Fachwerkhauses abgetragen und durch mehrere Neubauten ersetzt.


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Röhlinghausen, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Beisemann ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Flur II, genannt Bönebruch.

Das Fachwerkhaus Beisemann, aufgenommen um 1935. Das Wohngebäude wurde 1872 erbaut und lag an der heutigen Plutostraße in Höhe der Hausnummer 42.


*
Anmerkung:

Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1542. Die Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Straßen und Hausnummer-Verzeichnis der Gemeinde Röhlinghausen. Wanne 1909.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Einwohnerbuch für die Stadt Wanne-Eickel 1928.
Borgmann, Richard: Türkensteuerliste des märkischen Amts Bochum von 1542, Westfalen 1936.
Tagespresse von 1954 und 1958.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt. Herne 1995.


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Preußische Kartenaufnahme von 1842. Original im Besitz der Staatsbibliothek, Preußischer Kulturbesitz.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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