Wanne-Eickel-Historie


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Kirchengemeinde St. Marien in Eickel

Gebäude

Die Entstehungsgeschichte der katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Eickel


In der Urkunde "liber valoris
*" des Stiftes Xanten aus dem 14. Jahrhundert wird berichtet, dass es 845 in der Diözese Köln zur Bildung von Dekanaten* kam. Unter der Pfarreien des Dekanates Wattenscheid wird auch Eickel genannt.

In manchen Aufzählungen der Wattenscheider Pfarreien fehlt Eickel und wird als Tochterkirche von Bochum erwähnt. So schreibt der katholischer Pfarrer, Kirchenhistoriker und Dompropst in Paderborn, Franz Wilhelm Woker (1834-1921) in seiner "Geschichte der norddeutschen Franziskaner Mission der sächsischen Ordens-Provinz vom heiligen Kreuz": "Vor der Reformation war Eickel eine Filialkirche von Bochum, von wo der Ort etwa eine Stunde entfernt liegt. Die Kirche hatte zwei Vikare."

Das erste Eickeler Gotteshaus war Johannes dem Täufer geweiht und stammt aus der Zeit zwischen 1305 und 1311. Ihr Standort war der heutige Eickeler Markt und war von Fachwerkhäusern umgeben (siehe auch: Die Geschichte der Johanneskirche in Eickel).

In den Wirren der Reformation war in Eickel ein Johannes Lütkendorp aus Bochum-Harpen als Vikar am St. Georgs-Altar angestellt. Von ihm wird berichtet, dass er schon seit 1577 zur reformatorischen Lehre neigte und später mit Katharina Beehmers verheiratete gewesen war, von der er drei Töchter und einen Sohn hatte. Bei einer Revision wird von der Abtei Werden beurkundet, dass Lütkendorp noch 1609 als Pfarrer von Eickel im Sinne der katholischen Kirche gelehrt und gepredigt hat, dann aber zur Lehre der Reformatoren überging. Sein Nachfolger Theodor Klein ließ sich noch von Köln zum Pfarrer von Eickel einsetzen, ehe er sich aber Ostern 1612 "verändert und die genannte Kapelle zu Eickel zum evangelischen Glauben vi facti
* mit eigener angenommener Autorität brachte".

Nach einer Notiz im damaligen Taufregister zu Eickel wurde seit 1613 in der Johanneskirche kein öffentlicher katholischer Gottesdienst abgehalten.

Aufgrund des Religionsvergleichs zwischen Brandenburg und Pfalz Neuburg (Religionsnebenrezess im Vertrag von Kleve vom 17. Dezember 1666) wurde der katholischen Gemeinde eine Abfindung von 1 000Talern zugesprochen. Die Anwendung dieses Erlasses auf die Gemeinde Eickel besagt: das Kirche und Kircheneinkünfte in Eickel den Lutherischen zugesprochen und auf Grund obiger Protestation
* bestimmt, dass in der Grafschaft Mark an den Orten wo 1609 die katholischen und 1624 die evangelische Konfession gewesen, bei Erledigung der Pastoraten und Vikarien* und deren Einkünfte, den Katholiken die Hälfte zufällt, wenn vier oder fünf katholische Familien sich finden würden.

Am 16. Januar 1683 wurde den Katholiken in Eickel durch Abgesandte des Kurfürsten von Brandenburg und des Herzogs von Pfalz Neuburg offiziell die Erlaubnis zur Abhaltung öffentlicher Gottesdienste übermittelt. Die Gemeinde wurde nun als Missionsgemeinde durch Kapuzinerpatres betreut, die als Unterhalt eine Jahresrente von 60 Talern erhielten. Ihr erster Pater war Johann Tutmann.

Die kleine, "zusammengeschrumpfte" Gemeinde, die von Aschebrock auf Nosthausen, die Löns und die Mummenhoffs, die katholisch geblieben waren, versammelte sich am 24. Januar 1683 zum Gottesdienst in der Kapelle auf dem Gut Aschebrock auf Nosthausen. Dieses Gut lag im Feld an der Dorstener Straße 484 auf dem heutigen Gelände der GEA- Luftkühler Verwaltung (siehe auch: Gut Nosthausen).

Am 8. Juni 1683 kauften die Katholiken von Walburga Eleonore Hugenpoet für 150 Taler ein Grundstück zur Erbauung eines neuen Gotteshauses (Kapelle oder Kirche), eines Pastorates, einer Küsterwohnung und eines Schulmeisterhauses an der Herzogstraße auf dem Gelände der jetzigen Kirche. Mit der Abfindungssumme und den Kollektengeldern (Pfalzgraf Johann Wilhelm in Schloss Benrath genehmigt am 8. August 1684 eine Kirchenbaukollekte) und der Hilfe Wennemer Dietrich von Aschebrock und Otto von Aschebrock auf Nosthausen war bereits 1687 der Bau vollendet.

Am 28. September 1687 konnte das Gotteshaus, Marienkirche genannt, eine kleine gotische siebenjochige Kirche mit Dachreiter, jedoch mit der Front nach der Marienstraße, also quer zur heutigen Kirche, von Missionaren geweiht werden.


Die am 28. September 1687 geweihte alte katholische Kirche in Eickel. Sie wurde 1880 abgerissen.


Die Seelsorge der katholischen Gemeinde Eickel übernahmen von 1683 bis 1836 Franziskaner aus dem Kloster in Recklinghausen Stuckenbusch. Mit dem letzten Pater, namens Romanus Wirtz, schloss die Reihe der Ordengeistlichen. Im Jahre 1836 trat der erste Weltgeistliche; Pfarrer Wilhelm Schrepping aus Bochum Querenburg sein Amt an. Er wirkte 28 Jahre lang in der Gemeinde.

Im Jahre 1696 starb Otto von Aschebrock, Herr zu Nosthausen, er wurde in der Kirche begraben. Aus den Beziehungen der Familie derer von Aschebrock zur katholischen Kirchengemeinde stammt die jährliche Prozession nach Nosthausen am Fronleichnamstag, wo vor dem Pächterhaus auf dem Gutshof ein Altar errichtet und eine Predigt gehalten wurde.


Blick in die Herzogstraße auf die jährliche Fronleichnamsprozession nach Gut Nosthausen, aufgenommen um 1900. Am linken Bildrand, die Pfarrkirche St. Marien. Foto: Archiv St. Marien.

Um die St. Mariengemeinde handelte es sich um eine reine Diaspora-Gemeinde
*, die auf Hilfe und Almosen anderer Gemeinden angewiesen war. Zu der Pfarrei gehörten über Jahrhunderte neben Eickel, Bickern, Holsterhausen, Röhlinghausen, Hordel, Crange, Baukau, Herne und Hiltrop. Im Jahre 1859 wurden die drei letztgenannten Gemeinden abgezweigt und zu einer Missionspfarrei Herne vereint.

Am 25. Mai 1853 wurde St. Marien durch päbstlichen Erlass Breve (Urkundenart) wieder zur Pfarrei erhoben und dem Bischof von Paderborn unterstellt.

Infolge der einsetzenden Industrialisierung des Ruhrgebietes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde durch die Zuwanderung sehr schnell, so dass im Jahre 1866 die alte Marienkirche durch einen Anbau erweitert worden war, reichte der Kirchenraum nicht mehr aus. Hinzu kamen die Auswirkungen infolge des Bergbaus auf den baulichen Zustand der Kirche - Risse am Kirchengebäude - Bergschäden, so dass ein Neubau dringend notwendig wurde. So wurde beschlossen, das neue Kirchengebäude auf der Stelle der alten zu bauen, jedoch mit der Front zur Herzogstraße hin.

Am 7. September 1880 las der damalige Vikar Schneider das letzte Hochamt im 1687 errichteten Gotteshauses. Ein Tag später begannen die Abbrucharbeiten. Während der Bauphase fand der Gottesdienst in dem zu diesem Zweck umgestalteten Löns`schen Saal (Herzogstraße 16) statt.

Im September 1880 begannen die Bauarbeiten an der neuen Kirche nach den Entwürfen des Paderborner Dombaumeisters Arnold Güldenpfennig (1830-1908), und dem Bauunternehmer August Franke aus Wanne. Die Grundsteinlegung erfolgte am 19. März 1881 durch Pfarrer Johannes Hachmann. Nach einer Bauzeit von einem Jahr und sieben Monaten konnte am 14. Mai 1882 das neugotische Gotteshaus eingeweiht werden. Die Einweihung vollzog Georg Kardinal von Kopp (1837-1914), Bischof von Fulda, Fürstbischof des Erzbistums Breslau.

Ansichten der im Stil der Neogotik erbauten St. Marien-Kirche an der Herzogstraße mit Blickrichtung nach Eickel, um 1900.

Ansichten der St. Marien-Kirche von 1912, anlässlich des 25jährigen Pfarrer-Jubiläum des Pfarrers Schneider, 13. Oktober 1912. Am linken Bildrand, das 1900 erbaute Pfarrhaus.


Die Baukosten der Kirche, welche der heiligen Maria geweiht ist, betragen 160 000 Mark. Der Kirchturm ragte 75 Meter in den Himmel. Im Inneren der Kirche trugen zwölf Pfeiler die gotischen Gewölbe. Die Orgel besaß 36 Register. Eine Seltenheit war der Marienaltar, der als Flügelaltar mehrfach geöffnet werden konnte. Überlebensgroße Heiligenfiguren zierten die Säulen. Wegen der Kirchgröße und des Stolzes zur Kirche hieß St. Marien in Eickel im Volksmund "der Dom".

Nach und während der Fertigstellung der Kirche kamen Pfarrhaus und Schule an die Reihe. Im Jahre 1866 legte die Gemeinde einen Friedhof an, der aber schon im Frühjahr 1882 vergrößert werden musste. In den Jahren 1900-1901 wurde im Pfarrgarten neben der Kirche ein neues Pfarrhaus gebaut. Auch das katholische Krankenhaus einst St. Josephs-Hospital, heute St. Marien-Hospital (Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik) steht auf Pfarrgrund hinter der Kirche - Marienstraße 2.


Giebelansicht des Pfarrhaus St. Marien mit der Marien-Statur, aufgenommen im August 2011 von der Herzogstraße aus gesehen. Das ehemalige Pfarrhaus von St. Marien in Eickel, Marienstraße 4a, aufgenommen am 18. Oktober 2016. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat es in der Nacht zum 13. Oktober gebrannt. Das Pfarrhaus ist ein unter Denkmalschutz stehendes Baudenkmal. Der Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Herne erfolgte am 2. Februar 1993 unter der Denkmalschutz Nr. 344.

Blick von der Rückseite auf das katholische Krankenhaus mit Garten und der St. Marien Kirche. Das Krankenhaus wurde 1888 von drei Vinzentinerinnen* betreut. Nach Genehmigung durch die Königliche Regierung Arnsberg* konnte am 8. Oktober 1893 ein 25 Bettenhaus in Betrieb genommen werden.

Seit 1928 machten sich schwere Bergschäden im Inneren der Kirche bemerkbar, Gewölbe stürzten ein, Pfeiler gerieten aus dem Lot, Wände wurden schief. Aus diesem Grund wurde die Kirche von der Baupolizei geschlossen. Umbau und Renovierungsarbeiten nahmen zwei Jahre in Anspruch. Während dieser Zeit wurden die Gottesdienste in der Waschkaue der benachbarten Zeche Hannibal 2 gehalten. Im Jahre 1930 erhielt die Gemeinde ihren "Dom", wie er im Volksmund hieß, zurück.

Blick in den Innenraum der alten St. Marie-Kirche. Die bemalten Säulen, Gewölbe und Fenster sind im Sinne des Historismus zu einem Gesamtkunstwerk gestaltet. Im Hintergrund ist ein Gerüst zu erkennen. Es sollte das Gewölbe abstützen, da infolge von Bergschäden Einsturzgefahr herrschte. Der Ertrag dieser "Spendenpostkarte" aus dem Jahre 1929 war für die Renovierung der Kirche bestimmt gewesen.

Der Kunstmaler Willi Repke (1911-2009, er galt als der letzte Vertreter der Wiedenbrücker Schule) hatte die Kirche künstlerisch ausgemalt. Über den restaurierten gotischen Altären entstanden herrliche Gemälde, der Kreuzweg wurde lebensgroß und lebensnah auf die unteren Seitenflächen gemalt, Säulen und Triumphbögen wurden mit farbiger Ornamentik verziert.


Blick in die Herzogstraße in Richtung Eickel, aufgenommen um 1930. Auf der rechten Bildseite befand sich die Gast- und Schankwirtschaft von Friedrich Zweiböhmer, Herzogstraße 19. Im weiteren Straßenverlauf die St. Marien-Kirche, Herzogstraße 25.

Die wohl furchtbarsten und tiefgreifendsten Ereignisse in der wechselvollen Geschichte von St. Marien waren die Zerstörung der Jahre 1943 und 1945. Über die Katastrophe des 26. Juni 1943 berichtet ein alter Eickeler Bürger wie folgt (siehe: Der Kirchturm St. Marien brennt).


Zur Riesigen Fackel wurde der Turm der Marien-Kirche in der Nacht vom 26. Zum 27. Juni 1943. Den Moment des Einsturzes fing der Eickeler Anton Backenecker vom Dach seines Hauses aus.

Am 9. Februar 1945 fielen in den Nachmittagsstunden zahlreiche Sprengbomben amerikanischen Ursprungs auf das ausgebrannte Gotteshaus. Unter dem Druck der Sprengbomben brachen die dicken Außenmauern des Kirchenschiffes zusammen. Nur der Kirchturm blieb als Ruine stehen.





Mit primitivsten Mitteln begann man am 8. Juli 1945 mit den Aufräumarbeiten und den Wiederaufbau. In der Zeit des Tauschhandels war es nicht nur schwer Baumaterialien zu bekommen, ebenso schwer war es, Kirchenarchitekten für solche Arbeiten zu gewinnen. So wurde nach den Plänen des Industriearchitekten Blume mit dem Neubau der jetzigen Marienkirche als Hallenkirche
*, unter weitgehender Selbsthilfe durch die Gemeindemitglieder begonnen. Diese Maßnahmen fanden nach Jahren intensiver Arbeit am 19. März 1950 durch die Grundsteinlegung des Paderborner Prälat Dr. Rinteln und am 10. Dezember 1950 durch die Einweihung des Paderborner Erzbischof Dr. Lorenz Jäger (1892-1975) ihren Abschluss.

Am 19. März 1950 erfolgte die Grundsteinlegung der "neuen" Kirche mit einer feierlichen Messe.

Ansicht der St. Marien-Kirche im Sommer 1950.

Zwei Ansichten der St. Marien-Kirche im Herbst 1950. Am 19. März 1950 läuteten zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg wieder die Glocken der Kirche. Der Bochumer Verein hatte sie 1920 geliefert, beim Brand in der Nacht vom 26. zum 27. Juni 1943 waren sie völlig durchgeglüht, behielten jedoch ihren Klang.

Die neue pfeilerlose Marienkirche, die dritte in der Geschichte, ist auf dem Fundament der alten Kirche aufgebaut worden. Das Kirchenschiff ist fünf Meter niedriger als das alte. Der Kirchturm erhielt die zehn Meter hohe Spitze, die mit Kupfer beschlagen und nur noch 35 Meter hoch ist, zurück. Über zwanzig hohe Fenster, die in der Breite zwei und in der Höhe sechs Meter messen, bieten viel Licht.

Blick auf die St. Marien-Kirche, aufgenommen im Oktober 2016 und August 2011.

Im Jahre 1958 wurde eine großzügig angelegte Innenrenovierung durch Einschaltung des Wiedenbrücker Bildhauers und Kirchenkünstler Hubert Hartmann (1915-2006) eingeleitet.

Als Wahrzeichen der Vergangenheit hatte man den Kirchturm stehen lassen und in den Neubau einbezogen. Der schlechte bauliche Zustand des Turmes zwang aber bereits 1963 dazu, ihn bis zur Hälfte abzutragen. Beim Neubau wurde er nach den Entwürfen des Architekten Robert Kaul architektonisch dem neuerbauten Kirchenschiff angepasst.

Im Jahre 1964 wurde eine weitere Neugestaltung der Kirche vorgenommen. Die Seitentüren und das mächtige Hauptportal wurden mit Kupfer beschlagen und vom heimischen Künstler Günter Dworak (1928-2000) geschaffen (siehe auch: Ein humanistischer, stets dem Menschen verpflichteten Künstler).





Das Hauptportal der Kirche, eine Bronzereliefarbeit des heimischen Künstler Günter Dworak (1928-2000). Nach eingehenden Gesprächen mit dem Pfarrer entstand ein Eingangsportal in acht Bildszenen.

Die Türgriffe symbolisieren einen stürzenden Engel als Zeichen - ich will nicht dienen, und einen steigenden Engel als Zeichen gegen die Auflehnung. Die Hände sind abwehrend gegen den stürzenden Engel gerichtet.


Bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1969 wurde der alte aus Ziegelsteinen gemauerte Marienaltar, links vom Hauptaltar entfernt. Beim Abbruch gerieten die Arbeiter mit dem Bohrhammer in einen Hohlraum. Der Bauleiter ließ die Arbeiten sofort einstellen und die Ziegelsteine vorsichtig abtragen. Zum Vorschein kam ein Bleikasten. Da der Pfarrer vermutete, dass es sich hier um den Reliquienkasten handeln könne, von dem die Chronik berichtet, dass er im Hochaltar der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche beigesetzt war, bat er den Paderborner Erzbischof Dr. Lorenz Jäger (1892-1975), den Bleikasten öffnen zu dürfen. Der Erzbischof beauftragte den Pfarrer und den Bistumsarchivar Dr. Alfred Cohauz (1897-1990), den Bleikasten unter Hinzuziehung eines Arztes des St. Marien-Hospitals zu öffnen und den Inhalt zu rekognoszieren (festzustellen). Man fand eine große Anzahl wüst durcheinanderliegender Reliquien meist in Barockfassung. Beim größten Teil waren die Namenszettel vermodert, unleserlich oder hatten sich von den Halternadeln gelöst.

Aufgrund der beschriebenen und bedruckten Papierstücke in denen Knochenstücke eingewickelt waren, kam der Paderborner Bistumsarchivar zu dem Schluss, dass es sich hier um einen Reliquienschatz des Frauenklosters Marienhof bei Rhynern Hamm handelte. Das Kloster wurde in der Säkularisation (unter Säkularisation versteht man allgemein den Übergang von "ewigen" zu "zeitlichen" Werten) aufgehoben. Diese Vermutung wird durch eine Notiz im Bistumsarchiv unterstützt, die besagt, dass ein Missionarius, so nannte man nach der Reformation zunächst die Seelsorger in Eickel, der Kirche von Eickel einen großen Schatz besorgt habe. Als Kirchenschatz bezeichnete man im Mittelalter vielfach den Besitz von Heiligenreliquien. Nach dem Bericht über die Rekognoszierung, steht für geowissenschaftliche Erkundung, gestattete Erzbischof Dr. Lorenz Jäger (1892-1975), die Reliquien in würdiger Form in der Kirche aufzubewahren. Der Reliquienbehälter fand daher links neben dem Chor in einer Fensternische seinen Platz.

Hinweistafel für die Reliquien der heiligen Märtyrer Laecidianus und Gaudios.

Der Reliquienbehälter, er wurde links neben dem Chor in einer Fensternische aufbewahrt.

Im Windfangbefinden sich zwei Türen mit künstlerisch gestaltete Griffplatten von Günter Dworak (1928-2000).

Innenansicht der St. Marien-Kirche, aufgenommen im August 2011. Der Blick geht hin zum Chor* mit dem blau-goldenen Fenster.

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Bild Nr. 1
Die Marienfigur aus Lindenholz wurde im Jahre 1957 angeschafft. Sie zeigt Maria mit einem weitausladenden Mantel, gefalteten Händen und am linken Arm einen Rosenkranz. Unterhalb der Figur befindet sich ein Spruchband mit der Aufschrift: "Rosenkranzkönigin, sei gegrüßt".

Bild Nr. 2
Die Darstellung der heiligen Barbara aus Lindenholz, farbig lasiert. Sie wurde aus der gotischen Kirche, die im Zweiten Weltkrieg durch Brand- und Sprengbomben zerstört wurde, gerettet.
Die heilige Barbara ist eine der bekanntesten christlichen Heiligen, stammt aus Nikomedien (westliche Türkei) und soll 306 enthauptet worden sein. Als einer der 14 Nothelfer wird sie zum Schutz vor jähem Tod und als Beistand der Sterbenden angerufen. Zieht ein Unwetter herauf, ruft der Bauer zu ihr um Abwendung der Blitzgefahr. Auch der Glöckner, der die Wetterglocke anschlägt, stellt sein Leben unter ihren Schutz. In den Artillerieschlachten des Weltkrieges haben katholische und protestantische Kanoniere ihren Namen an die Wände der Batteriestellungen geschrieben. Als Schutzpatronin des Bergbaus spielt sie im Ruhrgebiet eine besondere Rolle: "Sie ist die Hauptheilige der Bergleute, kein Knappenverein kommt ohne Barbara aus". Am 4. Dezember gedenkt die katholische Kirche der heiligen Barbara. Dies ist der Grund, warum sie einen Ehrenplatz in der St. Marien-Kirche zu Eickel gefunden hat, denn ein Großteil der Gemeindemitglieder arbeitete auch einmal im Dunkeln der Kohlestollen.

Bild Nr. 3
Die Darstellung der heiligen Elisabeth aus Lindenholz, Sie wurde aus der gotischen Kirche, die im Zweiten Weltkrieg durch Brand- und Sprengbomben zerstört wurde, gerettet. Der Künstler stellt Elisabeth von Thüringen (1207-1231) als Schlichte Frau mit dem Brot für die Armen in der Hand und mit Rosen im gerafften Mantel dar, das an die Legende des Rosenwunders erinnern soll.
Anmerkung:
Das Rosenwunder ist weder in der Lebensbeschreibung noch in den großen Legendensammlungen verzeichnet: "Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths Verschwendung aufgehetzt, trat seiner Frau, die mit einem mit Brot gefüllten Deckelkorb die Burg herab stieg, mit der Frage entgegen: Was trägst du da?, deckte den Korb auf, sah aber nichts als Rosen".

Bild Nr. 4
Die Holzplastik der "Mutter Anna" aus Lindenholz. Sie ist die Patronin der Mütter, wird in ihrer Gebärde den jungen Eltern, die ihr Kind zur Taufe tragen, mahnender Hinweis auf ihre Verantwortung sein. Lehrend erhebt sie ihre Hand und erklärt ihrer Tochter Maria, die das aufgeschlagene Buch der heiligen Schrift in den Händen hält, die Botschaft und die Führung Gottes. Ihr Gedenktag ist der 26. Juli. Der Name Anna kommt aus dem Hebräischen und bedeutet "Jahwe hat sich erbarmt". Er steht für Liebe, Gnade, Anmut.

Bild Nr. 5
Die Holzplastik des heiligen Josef, dargestellt als Zimmermann mit einer Bandsäge und dem seitlich stehenden Jesusknaben. Diese Gesamtplastik befindet sich heute in einem Zwischenraum der Kirche.

Bild Nr. 6
Die farbige Holzplastik zeigt den heiligen Vinzenz von Paul mit einem Waisenkind. Diese Gesamtplastik befindet sich heute in einem Zwischenraum der Kirche. Vinzenz Depaul wird als drittes Kind einer einfachen Bauernfamilie am 24. April 1581 in Pouy, heute Saint-Vincent-de-Paul in der Gascogne (Südfrankreich) geboren, gestorben ist er am 27. September 1660 in Paris. Er war Priester und gilt als Begründer der neuzeitlichen Caritas. Am 13. August 1729 wurde Vinzenz durch Benedikt XIII. selig- und am 16. Juni 1737 durch Clemens XII. heiliggesprochen. Im Jahre 1885 ernannte Leo XIII. ihn zum Schutzpatron des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul, den Vinzentinerinnen. Leitsatz des hl. Vinzenz von Paul war: Liebe sei Tat. Sein Gedenktag ist der 27. September.


Bild Nr. 7

Dieses Kunstwerk vom Bildhauer Wilhelm Winkelmann (1904-1989) aus Günne am Möhnesee, zeigt den aus Silber getriebenen Corpus Christus auf einen Ebenholz-Kreuz. Die Arme hält er nach dem Bericht des Evangelisten Johannes (12, 32) ausgebreitet, wie er dort sagt: "Wenn ich von der Erde erhöht sein werde, werde ich alle an mich ziehen". Auf dem Kopf trägt er eine geflochtene Krone als Siegeskrone mit Halbedelsteinen.

Bild Nr. 8
Die Szene der Schmerzensmutter (Pieta) bildet die vorletzte Station der Kreuzwegandacht. Die Plastik aus Eichenholz trägt die Signierung "M.S.G. Kant H. Harig 1948". Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Pfarrgemeinde erstanden.


Viele Kirchengebäude vor allem des ausgehenden Mittelalters folgen architektonisch der Zahlensymbolik zwölf. So finden sich oft genau zwölf Pfeiler im Mittelschiff, sechs rechts, sechs links. Jeder Pfeiler symbolisiert einen Apostel, gemeinsam tragen sie - auch im übertragenen Sinne - das Dach der Kirche. Ab dem Spätmittelalter wurde es auch üblich, Apostelfiguren an diesen Pfeilern aufzustellen.

Die zwölf Apostel mit ihren Heiligenattributen:

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Die zwölf Apostel mit ihren Heiligenattributen.

Die Holzplastiken der zwölf Apostel, je sechs rechts und sechs links, im Kirchenschiff der St. Marien-Kirche zu Eickel, wurden aus Lindenholz gefertigt und farbig lasiert.

Andreas (Attribut X-Kreuz oder Andreas-Kreuz), sein Gedenktag ist der 30. November.
Johannes (Attribut Kelch) Darstellung mit Adler, Palme und Becher Wein.
Thomas (Attribute: Lanze), sein Gedenktag ist der 3. Juli.
Bartholomäus (Attribut Messer), sein Gedenktag ist der 24. August.
Judas Thaddäus (Attribut Keule und Buch), sein Gedenktag ist der 28. Oktober.
Matthias (Attribute Beil), sein Gedenktag ist der 14. Mai.
Philippus (Attribut Warenkorb), sein Gedenktag ist der 3. Mai.
Simon Petrus (Attribut Schlüssel und Hahn), sein Gedenktag ist der 29. Juni.
Simon Zelotes (Attribut Säge), sein Gedenktag ist der 28. Oktober.
Jakobus der Jüngere (Attribut Pastenbäcker), sein Gedenktag ist der 3. Mai.
Jakobus der Ältere (Attribute Pilgerhut und Pilgerstab), sein Gedenktag ist der 25. Juli.
Matthäus (Attribut Buch), sein Gedenktag ist der 21. September.


Bild Nr. 1
Ansicht des Lesepult - Ambo (Tisch des Wortes). Der Bildhauer Wilhelm Winkelmann (1904-1989) gestaltete das aus Kupferblech getriebene Lesepult des Ambo, die Zeichen des Gleichnisses vom Sämann und dem Samen.

Bild Nr. 2 bis Nr. 4
Blick auf den "Taufbrunnen" der St. Marien-Kirche des Bildhauer Wilhelm Winkelmann (1904-1989). Auf dem "Taufbrunnen" befindet sich eine aus Kupferblech getriebene Haube, deren drei Griffe Fische symbolisieren. Der "Taufbrunnen" befindet sich in der Mitte der Kirche.

Bild Nr. 5 bis Nr. 6
Blick in den Chor mit dem Altar rechts im Bild und dem Ambo (Tisch des Wortes). Der aus einen massiven Block goldgelbem Sandstein gehauene Altar sowie der Stipes, der Unterbau des christlichen Altars, weist ein Relief von sechs Figuren aus dem Alten Testament auf. Erschaffen wurde dieses Kunstwerk vom Bildhauer Wilhelm Winkelmann (1904-1989) aus Günne am Möhnesee.

Bild Nr. 7
Blick in den Chor auf den Tabernakel erschaffen vom Bildhauer Wilhelm Winkelmann (1904-1989). Es stellt ein aus Kupfer getriebenes Bild des Lebensbaumes, an dessen Ästen die Früchte als Kristalle funkeln, da.

Bild Nr. 8
Über dem Eingangsportal befindet sich die Orgel.




Das Fenster in der Rückwand des Chores nach den Entwürfen des Kölner Franz Pauli (1927-1970). Ausgeführt wurde die Arbeit von der renommierten Glasmalerei Otto Peter aus Paderborn im Jahre 1970.
Die stilisierte Form des Baumes ist wie ein großer farbenprächtiger Teppich unterteilt. In diesen Bildgruppen hat der Glasmaler Pauli die wichtigsten Aussagen des Neuen Bundes festgehalten:





1. Den Erlösungstod Christi
2. Grablegung Christi
3. Gottheit Christi
4. Maria Magdalena am Grab
5. Die Frauen am Grab
6. Emmausjünger mit dem Auferstandenen
7. Die Gründung des Neuen Bundes
8. Die Grablegung Christi


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Glasfenster Nr. 1

Das Fenster in der Rückwand des Chores nach den Entwürfen des Kölner Franz Pauli (1927-1970).

Glasfenster Nr. 2
Die nach den Entwürfen des Kölner Franz Pauli (1927-1970) in "Freier Komposition" gestalteten drei Fenster, jeweils links und rechts im Chorraum. Ausgeführt wurde die Arbeit von der renommierten Glasmalerei Otto Peter aus Paderborn im Jahre 1970.

Glasfenster Nr. 3
Die vom Soester Jochem Poensgen in "Freier Komposition" gestalteten acht Fenster, jeweils links und rechts im Kirchenschiff aus dem Jahre 1996-1997.

Glasfenster Nr. 4

Das vom Bochumer Ignatius Geitel (1913-1985) geschaffene Glasfenster aus dem Jahre 1951 in der Marien-Kapelle.

Glasefenster Nr. 5
Das vom Bochumer Ignatius Geitel (1913-1985) geschaffene Glasfenster aus dem Jahre 1951 in der Josef-Kapelle.

Glasfenster Nr. 6
Die nach den Entwürfen des Essener Dombaumeister Heinz Dohmen in "Freier Komposition" gestalteten zwei Fenster im Beichtraum.

Glasfenster Nr. 7
Die nach den Entwürfen des Essener Dombaumeister Heinz Dohmen gestalteten Fenster auf der Orgelempore aus dem Jahre 1983, symbolisiert die Dreifaltigkeit.





Der Dachreiter, ein schlanker, kleiner Turm auf dem Dach des Chores der St. Marien-Kirche zu Eickel zeigt einen Wetterhahn auf einer Weltkugel.


Die Weltkugel symbolisiert: Christus ist das Heil der ganzen Welt. Darüber erhebt sich der Wetterhahn, der eine wichtige Rolle in einer Bibelgeschichte spielt. Es geht um Petrus, den Wortführer der Jüngergruppe, der "Fels" genannt. Und ausgerechnet zu ihm sagt Jesus: "Du wirst mich verleugnen, dreimal, bis der Hahn kräht." Und tatsächlich: Als Jesus gefangen genommen wird und vor Gericht steht, da schleicht Petrus im Hof herum und wird angesprochen. "Du gehörst doch auch zu ihm!" Nein, sagt Petrus. Dreimal lügt er, bis der Hahn kräht. So hat sich Petrus also im Wind gedreht - wie der Hahn oben auf dem Kirchturm. Der früheste Beleg für eine Art Turmhahn ist aus dem 2. Jahrhundert nach Christi überliefert - als Schmuckstück auf dem Mausoleum der Flavier zu Cillium in Nordafrika. Aus dem 9. Jahrhundert gibt es einen Nachweis für den ersten Kirchturmhahn: Bischof Rampert von Brescia ließ 820 einen Hahn aus Bronze gießen und auf einem Kirchturm anbringen. An diese Geschichten erinnert also der Wetterhahn auf Kirchtürmen.





Im Jahre 1986 bis 1987 erfolgte eine weitere Innenrenovierung. Während dieser Renovierung fand der Gottesdienst in der Johanneskirche in Eickel statt. Als Dank für die einjährige Gastfreundschaft übergab die Kirchengemeinde St. Marien der Johannes-Kirchengemeinde einen Osterleuchter.


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Anmerkung*:
"liber valoris" wörtlich übersetzt: "Werte-Buch der Kirchen der Diözese Köln", ist ein Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe.
Dekanaten ist ursprünglich ein Gebiet von etwa zehn Pfarreien und somit vor allen der Begriff für eine kirchliche Verwaltungseinheit.
vi facti, aus dem Lateinischen: die Art und Weise von Handeln.
Protestation, aus dem Lateinischen: ein Widerspruch entgegen dem tatsächlichen Handeln.
Vikarie ist eine rechtsfähige Stiftung des privaten Rechts mit Rechtspersönlichkeit. Es ist ursprünglich eine mittelalterliche Juristische Person nach kirchlichem und weltlichem Recht.
Diaspora-Gemeinde: griechisch Zerstreuung Bezeichnet eine religiöse oder konfessionelle Minderheit, die im Gebiet einer andersgläubigen Mehrheit lebt.
Vinzentinerinnen oder Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, sind Ordensschwestern, die nach dem Vorbild des Vinzenz von Paul leben, der als der große Heilige der Nächstenliebe gilt.
Der Regierungsbezirk Arnsberg ist einer von fünf Regierungsbezirken im Land Nordrhein-Westfalen.
Chor ist der Teil der Kirche, in dem sich der Hauptaltar und der Bereich für die Geistlichen befinden.
Hallenkirche ist eine Kirche, bei der die Seitenschiffe die gleiche Höhe haben wie das Mittelschiff.


Quellennachweis:

Woker, Franz Wilhelm: Geschichte der norddeutschen Franziskaner-Missionen der Sächsischen Ordens-Provinz vom hl. Kreuz. Ein Beitrag zur Kirchengeschichte Norddeutschlands nach der Reformation. Freiburg 1880.
Hegeler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Pfarrer Tacke, Wilhelm: Die künstlerische Gestaltung unserer Kirche und ihre Aussage für das Leben der Gemeinde, Eickel o. J.
Keinhorst, Hermann: Eickel. Vom Jahre 774 bis zur Neuzeit. Wanne-Eickel 1965.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit. Herne 1984.
Tagespresse: WAZ aus dem Jahre 1988 und 1994.
Sakralegebäude und religiöse Kunst in Wanne-Eickel und Herne. Der Emscherbrücher 2000.
Glossarübersicht (Begriffserklärungen) eine Liste von Wörtern mit beigefügten Erklärungen oder Übersetzungen einzelner Begriffe der katholischen Kirche.
Heiligenlexikon.de
Interview mit Waltraud Muß am 10. November 2016.
Weitere Infos unter: www.youtube
Weitere Infos unter: Panoroma Bild

Bildnachweis:

Anton Backenecker.
Archiv St. Marien.
Sammlung Heinrich Lührig.






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