Wanne-Eickel-Historie


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Kaiserpassage in Wanne

Gebäude

Die Kaiserpassage oder Belle Epoque in Wanne


Die Kaiserpassage im Amt Wanne war die erste Einkaufspassage im Ruhrgebiet und ein Kleinod Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die ersten Passagen dieser Art entstanden in Paris (Passage du Prado), Bukarest (Passage Macca-Villacrosse) und London (Burlington Arcade). Ende des 19. Jahrhunderts kamen erstmals auch in deutschen Städten Einkaufspassagen in Mode. Die ersten Passagen wurden 1843 in Hamburg (Sillem´s Bazar), 1863 in Köln (Königin-Augusta-Halle), 1873 in Berlin (Kaisergalerie) und 1887 in Karlsruhe (Kaiser-Passage) gebaut.

Laut Wikipedia werden als Passage, Ladenpassage oder Einkaufspassage (frz.: ‚passage' = Durchgang) wird ein überdeckter Durchgang durch einen Gebäudekomplex oder Häuserblock bezeichnet, in dem Ladengeschäfte angesiedelt sind. Oft liegen Ladenpassagen zwischen parallel verlaufenden Straßenzügen und haben oft ein höherwertiges Sortiment oder sind der höherwertigen Gastronomie zuzurechnen.

Die Kaiserpassage im Amt Wanne entstand kurz nach der Kaiser-Wilhelm-Passage in Frankfurt (1900) und der Georgs-Passage in Hannover (1900). Sie verband die im Aufbau befindliche Hauptgeschäftsstraße, die frühere Bahnhofstraße die heutige Hauptstraße, mit dem nahegelegenen Park, 1900 als "Kaisergarten" eröffnet, nach 1918 in "Stadtgarten" umbenannt (siehe auch: Der Kaisergarten, der heutige Stadtgarten). Die Glaspassage erhielt im Juni 1905 den Namen "Kaiserpassage". Mit der Stadtwerdung Wanne-Eickels am 01. April 1926 wurde die "Kaiserpassage" in Mozartstraße umbenannt.


Eingang der Kaiserpassage, heute Mozartstraße, glasüberdacht von der Bahnhofstraße, der heutigen Hauptstraße aus gesehen. Der Poststempel der linken Aufnahme weist das Datum März 1910 und der rechten Aufnahme April 1911 aus. Das linke Eckhaus der Bahnhofstraße (Nr. 293) mit geschwungenem Breitgiebel, Erker und Vorbau. Zu beachte ist hier die Jugendstilfassade auf Riffelputz im oberen Bereich. Das rechte Eckhaus der Bahnhofstraße (Nr. 295), Fassade mit Rauhputz und Jugendstilornamenten im oberen Bereich.

Das interessante städtebauliche Ensemble von 12 Wohn- und Geschäftshäusern mit glasüberdachter Passage, bestand aus dreieinhalb- viergeschossigen Massivbauten mit Putz-Stuckfassaden im reinen Jugendstil. Die "Kopfhäuser" zur früheren Bahnhofstraße, der heutigen Hauptstraße waren mit zweigeschossiger Schaufensterverglasung, gefasst mit zierlichen Gussstahlrahmen, teilweise gewölbt verglast.

Die Häuser wurden zwischen 1905 und 1909 errichtet. Über das Gesamtkonzept für die Passage ist bisher wenig bekannt. Laut Architekturführer wird die Witwe Elisabeth Brauckmann, die das Gelände von finanzkräftigen Geschäftsleuten bebauen ließ, als Bauherrin ausgewiesen. Architekten waren u. a. Paul Spanier, Paul Mechmann, Carl Kaufmann aus Wanne.

Der Eingang zur Kaiserpassage, dieser heute schon wieder modernen Einkaufspassage, zierten die Kaiserkrone und der Hohenzollernadler. Flankiert wurde der Zugang durch die Geschäfte von Abraham Weinberg (links im Bild) und Cahn & Michel, Inhaber Max Weinberg (rechts im Bild).

Nach Abschluss der Bauarbeiten entstand, nach Aussagen von Zeitzeugen, eine Flanier- und Einkaufsmeile für den "gehobenen Geldbeutel". Mit den Jahren blieb aber der gewünschte Geschäftserfolg aus.


Blick in die Bahnhofstraße, die heutige Hauptstraße um 1910. Das halbrunde Gebäude links, hier geht es in die Kaiserpassage, der heutigen Mozartstraße.

Blick in die Bahnhofstraße, die heutige Hauptstraße in Höhe der Beethovenstraße links im Bild um 1911. Das halbrunde Gebäude links, hier geht es in die Kaiserpassage, der heutigen Mozartstraße.

Das lichtdurchlässigen Dach der Passage blieb nicht lange erhalten. Flugasche und Vogelkot sorgten dafür, dass die Glasscheiben der Passage nach und nach verschmutzten und sich durch mangelnden Lichteinfall verdunkelten. Eine Reinigungsmöglichkeit bestand zur damaligen Zeit nicht. Am Ende der 1920er Jahre entschloss man sich daher, das Glasdach abzubauen, sodass eine Passage, als überdachter Durchgang nicht mehr existierte.

Innenansicht des Restaurant "Kaiserpassage" mit der Hausnummer 7 von Theodor Schäfer, aufgenommen um 1914. Die Innenarchitektur war mit Elemente des Jugendstils versehen.

Werbeanzeige aus dem Jahre 1928 des Restaurants "Kaiserpassage" Mozartstraße 7 in Wanne-Eickel.

Werbeanzeige aus dem Jahre 1924 für die Kaufmännische Privat-Schule von Eduard Herrmann, Kaiser-Passage 10.





















Werbeanzeige aus dem Jahre 1924 vom Malermeister Albert Schlüter, Kaiser-Passage 3. Dieses Geschäft befand sich bis Anfang der 1990er Jahre dort.


Die Gebäude der Mozartstraße 1 bis 9 sowie die Eckgebäude der Hauptstraße 293 und 295 mit den Jugendstilfassaden wurden im März 1988 in der Denkmalliste der Stadt Herne unter der Denkmalsnummer 33 bis 41 und 47 bis 48 aufgenommen.





















Eingang der ehemaligen Kaiserpassage, heute Mozartstraße, von der Hauptstraße aus gesehen.

Blick in die Mozartstraße von der Stöckstraße aus gesehen.

Blick in die Mozartstraße von der Hauptstraße aus gesehen.

Das linke Eckhaus der Hauptstraße 293 mit geschwungenem Breitgiebel, Erker und Vorbau. Zu beachte ist hier die Jugendstilfassade auf Riffelputz im oberen Bereich.

Das rechte Eckhaus der Hauptstraße 295, Fassade mit Rauhputz und Jugendstilornamenten im oberen Bereich.

Hauseingangstüren in der Mozartstraße - Hausnummer 3 und 4 mit Elemente des Jugendstils.

Im Jahre 1987 griffen die Architekten Jens Blome und Siegfried Richert das Thema Glaspassage mit Plänen zur Rekonstruierung, Sanierung und Modernisierung der ehemaligen Kaiserpassage auf. Die Überdachungspläne der Architekten scheiterten jedoch an den Finanzmitteln.


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Quellennachweis:
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel, Ausflug in die Vergangenheit. Wanne-Eickel 1984.
Architekturführer Herne, Herne 1987.
WAZ vom November 1985.
Lührig, Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten. Zaltbommel/Niederlande 1992.
Herne Stadt: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Herne 1995.
Wikipedia.

Fotonachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.



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