Wanne-Eickel-Historie


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Julia Kolonie

Gebäude

Bergarbeiterkolonie Julia in Holsterhausen


Die Bergarbeiterkolonie Julia, benannt nach der gleichnamigen Zeche im benachbarten Baukau, gehört zum Stadtteil Holsterhausen und liegt zwischen den Bundesbahngleisen im Norden und der Dorstener Straße im Westen. Die Kolonie entstand in mehreren Bauphasen zwischen 1899, 1900 und 1909, sowie 1928 bis 1929. Bauherr der 8,18 ha großen Bergarbeitersiedlung war die Harpener Bergbau AG. die, die verschlafene Bauernschaft Holsterhausen wach küsste.

Um die Jahrhundertwende entstanden die ersten rund 40 Vier-Familienhäuser für rund 200 Bergarbeiterfamilien, die bis 1929 auf ca. 130 Bergarbeiterhäuser anstieg, die zum Teil während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurden und von den heute noch 97 Gebäude vorhanden sind. Die Baulücken die der Zweiten Weltkrieg durch Zerstörung hinterließ, wurden durch Einfamilienhäuser geschlossen.

Die im Backsteinmauerwerk errichteten Siedlungshäuser mit ihren großen Vorgärten, entsprechen dem traditionellen Schema der Ruhrgebietssiedlungen.


Blick in die Mittelstraße, der heutigen Juliastraße von der Rottbruchstraße aus gesehen, um 1907.

Der Chronist Robert Hundt schrieb über die Juliakolonie im Jahre 1902 wie folgt:
"Die Wohnungen sollten in erster Linie an Leute vermietet werden, welche schon längere Zeit in Diensten der Gesellschaft (Harpener Bergbau AG.) standen, die Überlassung sollte daher eine Belohnung für treue Pflichterfüllung sein. Ferner sollten Familien mit geringerer Kopfzahl Gelegenheit zum Halten von Kostgängern gegeben sein, ohne dass eine Gefährdung der guten Sitten zu befürchten wären (siehe auch: Eickeler Kolonie der Zeche Hannover - Quartier und Kostgängerwesen). Aus beiden Gründen waren daher verhältnismäßig große Wohnungen zu erbauen".

Doch wie sahen die Wohnungen aus?
Die Koloniehäuser sind unterkellert und bieten je vier Bergarbeiterfamilien Platz. Jede Wohnung hat fünf vollständig ausgebaute Zimmer mit zusammen 81,5 Quadratmeter Wohnfläche, Abort, Stallungen und eigenem Eingang. Die über dem seitlichen Eingang befindlichen Zimmer waren zur Aufnahme von Kostgängern bestimmt. Jede Wohnung besaß einen Anschluss an die Wasserleitung; ein ausgedehntes Rohrsystem diente der Abwasserentsorgung. Außerdem erhielt jede Familie ein Stück Gartenland zur eigenen Nutzung.


Bauzeichnung der Siedlungshäuser in der Julia Kolonie. Der Bau diese Haustypen erfolgte in der Form des Kreuzgrundrisses.

Im Jahre 1902 wohnten in der Siedlung 225 Familien, 55 erwachsene Söhne und 117 Kostgänger, welche alle auf der Zeche Julia arbeiteten.




















Eine typische Bergarbeiterfamilie vor dem Siedlungshaus in der Juliastraße, der heutigen Klosterstraße, um 1927.

Mit dem anwachsen der Belegschaftsgröße entstanden im Jahre 1900 die Sechs-Familienhäuser mit je vier Räumen in der damaligen Baukauer Straße, der heutigen Paderborner Straße. Mit einer Wohnungsgröße von rund 74 Quadratmeter für drei Wohnräume einer Küche und einem Stall, waren die Wohnungen für die damalige Zeit großzügig bemessen. Die Häuser wurden aufwendig im Fassadenbild mit einem Wechsel von Putz und Klinkerornamenten errichtet.

Die Zeche Julia war nicht nur Namensgeber der Koloniesiedlung, sondern hat den Stadtteil Holsterhausen entscheidend mitgeprägt.


Im Jahre 1928 baute die Stadt Wanne-Eickel an der Bielefelder Straße, in Richtung Rottbruchstraße auf der linken Straßenseite ein ca. 50 Meter langes Laubenganghaus mit 20 Kleinwohnungen. Dieses typisierte Bauen der 1920er Jahre nach demselben Entwurf hatte den Vorteil der Einsparung von Planungskosten und die leichtere Überwachung der Bauausführung. Im Volksmund hießen dieses Bauwerk "Bandoneon" oder "D-Zug". Anfang der 1960er Jahren wurde dieses Gebäude als Notunterkunft genutzt, ehe es Mitte der 1990er Jahre abgerissen wurde.

Bauzeichnung des Laubenganghauses in der Julia Kolonie. Der Bau diese Haustyps hieß im Volksmund "Bandoneon" oder "D-Zug".

Blick auf das 50 Meter lange Laubenganghaus von der Bielefelder Straße aus gesehen, um 1960.

Das gleiche Haus von der Gartenseite aus gesehen, um 1960.

Anfang der 1980er Jahre wurden die Siedlungshäuser in der Rottbruchstraße, Juliastraße, Bielefelder Straße, Klosterstraße und Beckumer Straße, durch die Märkische Steinkohlengewerkschaft privatisiert. Die Siedlung unter Denkmalschutz zu stellen wurde seitens der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Herne, aufgrund der gestalterischen Veränderungen verworfen.

Siedlungshäuser der Bielefelder Straße 167 und 171, aufgenommen im März 2016.

Siedlungshäuser der Bielefelder Straße 228 und 234, aufgenommen im März 2016.

Siedlungshäuser der Juliastraße 2 und 5, aufgenommen im März 2016.

Siedlungshäuser der Juliastraße 9 und 12, aufgenommen im März 2016.

Siedlungshaus der Klosterstraße 6. Das Schild der Hausnummer 5 zeigt die Eingänge des Hauses in der Form des Kreuzgrundrisses, aufgenommen im März 2016.

Siedlungshäuser der Rottbruchstraße 30 und 36, aufgenommen im März 2016.

Siedlungshäuser der Paderborner Straße 27 und 23, aufgenommen im März 2016.

Siedlungshaus der Paderborner Straße 22 und Hofstallungen, aufgenommen im März 2016.


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Quellennachweis:
Hegeler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Gutachten Arbeitersiedlungen, Planungsamt der Stadt Herne, Herne 1980.
Lührig Heinrich: Wanne-Eickel Ausflug in die Vergangenheit, Herne 1984.
Stadt Herne: Daten und Zahlen, herausgegeben vom Presse- und Informationsamt der Stadt Herne.
Lührig Heinrich: Wanne-Eickel in alten Ansichten, Zaltbommel/Niederlande 1992.


Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.



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