Wanne-Eickel-Historie


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„Hühnerleitersiedlung“

Gebäude

Die "Hühnerleitersiedlung"


Die 1899 mit dem "Schalker Gruben- und Hüttenverein" und 1907 mit der Gelsenkirchener Bergbau AG fusionierende Zeche Pluto baute in geteilter Verantwortung mit dem Spar- und Bauverein Wanne eine Bergarbeitersiedlung, die eine gesamt Fläche von 7,92 ha hat und die durch fünf parallel geführte Querstraßen zwischen der Hammerschmidtstraße und der Emscherstraße (bis 1926 Feldstraße) gegliedert ist. Die Bebauung begann im Süden auf der Westseite der Hammerschmidt- und der Ostseite der Feldstraße (1902) und in der Vereinsstraße (1904 - 1907) durch den Architekten Paul Spanier für den Spar- und Bauverein Wanne (heute Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft Wanne-Eickel e.G.).




Das Haus Vereinsstraße 7 im Jahre 1910, in der ersten Etage befand sich die Geschäftsstelle des Spar- und Bauverein Wanne.

Fotonachweis:
Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft Wanne-Eickel e.G.

Blick in die Vereinsstraße im Juni 2007.

Blick in die Vereinsstraße, in Gegenrichtung.

Jugendstilstuckornamente in der Vereinsstraße.

Es sind mit Jugendstilstuckornamenten versehene bürgerlich großstädtische Häuser, die sich in Anspruch und Ausdruck von den nördlichen Reihenhäusern der Kolonie der Zeche Pluto deutlich unterscheiden. Auf der Nordseite der Vereinsstraße entstehen 1909 zwei Beamtenwohnhäuser für die Zeche. Baubeginn der ersten Bergarbeiterhäuser ist im Jahr 1906, sie entstehen an der Mathildenstraße. Im Jahre 1907 wird die Schalke- und im Jahre 1908 die Glückaufstraße mit fünf variierenden Arbeiterwohnhaustypen bebaut. Zwischen 1909 - 1910 wurden weitere 22 Vierfamilien- und 2 Achtfamilienhäuser an der Schalkestraße gebaut. Die Gesamtzahl der Siedlungsgebäude beträgt 153, bei einer eineinhalbgeschossiger und zweieinhalbgeschossiger Bauweise.

In den Koloniewohnungen fanden bis zu 1000 Umsiedler ein neues zu Hause - die polnische Sprache war vorherrschend ( siehe auch: Christuskirche Wanne-Mitte). Die Wohnungen waren für Familien ab fünf Personen gedacht und auf 55 Quadratmeter ausgelegt einschließlich Stall und Garten, wo jeder die Möglichkeit hatte, seine Hühner, seine Ziege oder Schwein zu halten. Es gab weder Zentralbeleuchtung noch fließend Wasser. Neben dem Stall gab es ein "Plumpsklosett". Die Miete betrug 13,50 Mark (zum Vergleich: ein Bergmann verdiente kaum mehr als 110 Mark im Monat). Ab 1919 kam eine Mark Zuschlag für die neue Gasbeleuchtung hinzu. Im Jahre 1925 gab es weiter Verbesserungen, die Bürgersteige wurden plattiert und die ersten Straßenbäume angepflanzt. Im Jahre 1937 kam der elektrische Strom in den Häusern.





Nachtrag zum Mietvertrag von 1911.

Vom 1. Januar 1919 ab für die von der Vermieterin regelmäßig verauslagte Gasautomatenmiete und die von ihr in der Wohnung angebrachten Gasbeleuchtungsanlagen einschließlich der Lampen eine Zusatzmiete von 1 Mark monatlich zu zahlen. Für die Unterhaltung und etwaiger Instandhaltung der Lampen hat der Mieter zu sorgen. Ferner hat er für alle Beschädigungen des Gasautomaten und den von der Vermieterin bestellten Beleuchtungsanlagen einschließlich Lampen, die durch seine oder seiner Angehörigen oder Bediensteten Schuld entstehen, aufzukommen und bei der Angabe der Wohnung die Anlagen nebst Lampen in einem brauchbaren Zustand zu übergeben.


Die groß angelegte Modernisierung der Siedlung durch die VEBA, spätere VITERRA begann im November 1987 angefangen mit den Häusern in der Mathilden- und Schalkestraße. Die Häuser in der Glückauf- und Hüttenstraße folgte Mitte 1994. Im Jahre 2002 wurde die Siedlungshäuser privatisiert.

Die Siedlung nach der Modernisierung unter Denkmalschutz zu stellen, wurde seitens der Unteren Denkmalsbehörde der Stadt Herne, aufgrund der gravierenden gestalterischen Veränderungen, die bei den Instandsetzungsarbeiten vorgenommen wurden, abgelehnt. Im Februar 2004 beschloss die Bezirksvertretung Wanne, für die Siedlung eine Erhaltungssatzung, vor weiterer negativer Veränderung der Gesamtsiedlung einzusetzen.


Blick in die Hüttenstraße im Jahre 1988.

Häuser der Schalkestraße.

Häuser der Hüttenstraße.


Die Bergarbeitersiedlung ist im Westen durch die Emscherstraße und die Kleingartenanlagen gegen die Fläche der ehemaligen Zeche Pluto Schacht Wilhelm abgeschirmt. Die südliche Begrenzung der Siedlung bildet die Wilhelmstraße, die westliche die Hammerschmidtstraße. Die Siedlung wird im Volksmund "Hühnerleitersiedlung" genannt, weil ihr Straßenverlauf einer Leiter ähnelt. Die Sprossen dieser Leiter bilden die Vereinsstraße, Hüttenstraße, Schalkestraße, Mathildenstraße und Glückaufstraße
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Die Siedlung wird im Volksmund "Hühnerleitersiedlung"
genannt, weil ihr Straßenverlauf einer Leiter ähnelt.

Fotonachweis: Luftbild mit Genehmigung durch Hans Blossey


Die Wohnflächen der einzelnen „Hausteile“ liegen heute bei ca. 90 qm pro Wohneinheit. Im Erdgeschoss befinden sich eine kleine Küche, Wohnzimmer und ein Gäste-WC. Im zweiten Geschoss gibt es die Schlafräume, ein Kinderzimmer und ein Badezimmer. Typisch für Bergarbeitersiedlungen sind die großen Gärten (hier ca. 300 qm), die als Wirtschaftsgärten genutzt wurden um die damalige Einkommenssituation der Bergarbeiterfamilien zu verbessern. Im Zuge der Modernisierung sind die Ställe für die Kleintierhaltung abgerissen worden die durch Gartenlauben ersetzt wurden. Die früheren Nutzgärten wurden mit den Jahren mehr und mehr zu Ziergärten für die Naherholung umgestaltet.


Im Zuge der Modernisierung sind die Ställe für die Kleintierhaltung abgerissen und durch Gartenlauben ersetzt worden. Typisch für Bergarbeitersiedlungen ist ihre unmittelbare Nähe zur Zeche. Der Sichtbezug zur Arbeitsstelle und zum Arbeitgeber war durch das Fördergerüst stets gegeben.

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Quellennachweis: Gutachten Arbeitersiedlung, Stadtplanungsamt der Stadt Herne, Herne 1980.
Interview mit Eigentümer der Häuser Hüttenstraße, Schalkestraße und Vereinsstraße im Juni 2007.

Fotonachweis: Sammlung Heinrich Lührig.


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