Wanne-Eickel-Historie


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Horsthöfe

Höfe und Kotten

Die Horsthöfe


Eine Handrisskarte der Bürgermeisterei Herne aus dem Jahre 1823 weist die Horsthöfe in der Gemarkung Bickern, Flur III aus. Das Anwesen mit Wiesen, Feldern und dem Schalker Busch erstreckte sich von der Karlstraße bis zur Wilhelmstraße, selbst der heutige Stadtgarten gehörte dazu.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* von 1486 werden für "Byckeren" (Bickern) "Jan opder Horst", "Groite Jan opder Horst", "Schult opden groiten Horst" und "Derick Sondach" erwähnt. In der Türkensteuerliste* von 1542 werden "Hermann Up ter Horst", "Hinrich Up ter Horst" und "Hinrich tem Sundaghe" aufgeführt. Eine weitere Erwähnung finden wir im Feuerstättenverzeichnis* des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664, hier wird "Jaspar op den Horsthoven, Erbe oder Hofsgut, ein Hoff, selbsten eine Feuerstedde und Brauplatz mit dem Kessel" sowie "Jasper Suntay, Erbe oder Hobsgut*, ein Kötter, ein Feuerplatz" genannt.

Den Hof konnte man eigentlich als Gut
* bezeichnen, er war 13 Maltersaat*, 1 Scheffelsaat* und 87 Ruten* groß. Die Besitzer führten den Zusatz "auf den Horsthöfen". In unmittelbarer Nähe wohnte Sonntag, genannt Sunnig. Dieser Sonntag wird im Grundbesitzverzeichnis aus dem Jahre 1684 mit 8 Maltersaat, 1 Scheffelsaat und 66 Ruten groß erwähnt. Am 18. Juni 1707 wird im Zusammenhang mit dem Bau einer neuen Kapelle auf dem Kirchhof zu Eickel ein Sondag auf den Horsthöfen, genannt.


Ausschnitt eine Handrisskarte der Bürgermeisterei Herne aus dem Jahre 1823. Die Horsthöfe sind rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Bickern Flur III.

Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Bickern, aufgenommen vom Geometer Carl Krause, im Juni 1823. Die Horsthöfe sind rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Flur III.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Schalke ist rot unterlegt.

Der ehemalige Schalke Hof um 1900. Er musste weichen, als die Kolonie zwischen der Hammerschmidt- und Emscher Straße erbaut wurde.

Der Hof Schalke, mit Wiesen und Feldern erstreckte sich von der Karlstraße bis zur Wilhelmstraße, selbst der heutige Stadtgarten gehörte dazu (Zeichnung Herbert Raddatz).

Am 06. November 1804 heiratete Georg Wilhelm Horsthöfen (* 06. Juli 1769; † 23. Juli 1848) die Catharina Elisabeth Höltering (* 19. März 1774; † 26. Juni 1846) in Bickern.


















Das Foto zeigt den Grabstein von Catharina Elisabeth - Ehefrau Georg Wilhelm Horsthöfen - geborene Höltering; 1774, gestorben den 26. Juni 1846. Der Grabstein befand sich auf dem Friedhof an der Post in Wanne, dieser wurde im Jahre 1997 von unbekannter Hand entfernt.

Foto: Harald Schalke.

Erbwechsel


Am 20. September 1831 heiratete die Erbhoftochter Anna Catharina Maria Horsthöfen (* am 01. August 1805; † am 23. September 1873) den von Gelsenkirchen- Schalke zur Freite
* gekommenen Bauernsohn Friedrich Georg Wilhelm Schalke (* am 25. Oktober 1804; † am 17. Oktober 1873) aus Gelsenkirchen-Schalke, in Bickern.

Dadurch verschwand der eigentliche Hofname. Der "neue" Bauer Schalke genannt von der Horst tritt in dieser Zeit als Besitzer der zusammen gelegten Höfe Bauer und Sonntag auf, der zu dem Besitz des Hauses Horst gehörte und den Zusatz "auf den Horsthöfen" führte (Der Hof vererbte sich vom Vater auf den Sohn, und wenn die männliche Geschlechterreihe erloschen war, nahm der Ehemann der Erbtochter den alten Namen des Hofes an).


Das Foto zeigt die Eheleute Anna Maria Schalke, geborene Horsthöfen mit ihren Ehemann Friedrich Georg Wilhelm Schalke.
Foto: Harald Schalke.

Das Wappenschild der Herren von Schalke. Es führt auf silbernem Grund drei rote Pferde-Pramen. Die Herren von Schalke hatten ihren Sitz in dem gleichnamigen Dorf, heute ein Stadtteil von Gelsenkirchen. Die Schalker Höfe wurden im Jahr 1895 abgerissen und an ihrer Stelle der Gelsenkirchener Stadtgarten gebaut. Die Herren von Schalke hatten auch eine Beziehung zu Bickern-Wanne, woran heute noch die "Schalkestraße" erinnert. Durch Heirat mit der Erbtochter Anna Maria kamen die Horsthöfe am 20. September 1831 an Georg Friedrich Wilhelm Schalke, genannt von der Horst.

Die Eheleute Schalke genannt von der Horst hatten einen Sohn; Heinrich Georg Friedrich Schalke (* am 25. April 1832; † am 19. Juli 1882).
Dieser heiratete am 01. Juli 1861 Lisette Elisabeth Friederike Herbert; (* am 11. März 1830; † am 14. Juni 1905) in Bickern.

Die Eheleute Lisette Elisabeth Schalke, geborene Herbert mit ihren Ehemann Heinrich Georg Friedrich Schalke. Er amtierte vom 01. Januar 1872 bis zum 31. Dezember 1877 als Gemeindevorsteher in Bickern.
Foto: Harald Schalke.



Die Grabstätte des Heinrich Georg Friedrich Schalke. Der Grabstein befindet sich auf dem Friedhof an der Post in Wanne.

Die Grabstätte der Lisette Schalke, geborene Herbert. Der Grabstein befindet sich auf dem Friedhof an der Post in Wanne.

Ihr Sohn war Wilhelm Georg Friedrich Schalke (* am 08. Dezember 1862; † am 01. Februar 1922) in Wanne. Er heiratete am 18. Oktober 1892 Anna Lisette Schalke, geborene Stefflinghof genannt Erlemann; (* am 22. Oktober 1865; † am 23. November 1944).

Die Eheleute Anna Lisette Schalke, geborene Stefflinghof genannt Erlemann mit ihren Ehemann Wilhelm Georg Friedrich Schalke. Er amtierte vom 06. April 1901 bis zum 05. April 1919 als Gemeindevorsteher in Bickern.
Foto: Harald Schalke.

Das Foto zeigt Wilhelm Georg Friedrich Schalke.

Die Grabstätte der Eheleuten Friedrich und Lisette Schalke. Der Grabstein befindet sich auf dem Friedhof an der Post in Wanne.

Der Schalker Hof kam um 1900 in den Besitz der Zeche Pluto-Wilhelm und diente danach als Unterkunft für Bergleute. Für den Bau der Kolonie im Jahre 1906 zwischen Emscher- und Hammerschmidtstraße, im Volksmund "Hühnerleitersiedlung" genannt, mussten Felder und Wiesen und der Hof weichen.

Die "Villa" der Familie Schalke, Rathausstraße 10, erbaut 1904. Es beherbergte auch eine Amtsstube für den Gemeindevorsteher. Das Wohnhaus musste der neuen Straßenführung weichen und wurde abgebrochen. Unter der Hausnummer Rathausstraße 10 befindet sich heute: Steinmacher GmbH Naturstein- und Grabmalgestaltung.
Foto: Harald Schalke.

„Hochzeit“ auf dem Schalke Hof


Ein schier unerschöpfliches Kapitel war das Thema Hochzeit. Hierzu ist überliefert, dass es zwei Arten dieser Feste gab. Neben der Gebehochzeit, wurde auch die Reishochzeit abgehalten.

Eine wichtige Persönlichkeit war dabei im alten Bickern "Klostermanns Vadder" als "Hochzeitsbidder". Mit langem schwarzen Rock, hohem Zylinderhut und buntbeladendem Stab, die Kruse zog er von Hof zu Hof und sagte sein Sprüchlein auf. Nach der Einladung durch das Brautpaar hieß es dann in dem Vers weiter von den bevorstehenden Herrlichkeiten die es auf der Hochzeit geben sollte:

"Beer un Schnaps un Ris un Kapps, Butter un Stuten, und ä Musikanten soll`n dobi tuten!"


Wichtig auch die Ermahnung:

"Un wä dicken Ris wiäll iätten, drav dän Liäppel nich vergiätten!"


Den Auftakt zu den eigentlichen Festvorbereitungen bildeten dann die großzügigen Spenden der Nachbarn. Auf den Köpfen balancierten die Mägde geschickt die schweren Messingbütten mit Milch ins Brauthaus. In der Vertiefung des Gefäßdeckels lag die übliche Welle Butter, deren Oberfläche kunstgerecht zu Sternchen und Röschen geformt war. Dann wurde auf dem Hofe des Gastgebers über einer provisorischen errichteten Herdstelle der Reis im großen kupfernen Kessel (Aeken genannt) gekocht. Dabei musste der Reisbrei gewissenhaft mit einem langstieligen eisernen Löffel umgerührt werden, damit er ja nicht anbrannte.

Inzwischen hatten die Knechte aus weißgescheuerten Tannenbrettern lange Tische und Bänke gezimmert. Kurz bevor die Dorfbewohner erschienen, wurde der Reis in großen Schüsseln aufgetragen und recht dick mit "Kaneel" (Zimt und Zucker) bestreut. Am Eingang des Brauthauses saß der Einnehmer und notierte in einer Liste die Gabe, die jeder Gast zuvor spendete, meist war es ein Taler.


Nun konnte das lustige Schmausen beginnen. Alle langten mit ihren mitgebrachten Löffeln in den leckeren Reisbrei und schafften so eine gute Unterlage für den darauffolgenden Kaffee und Kuchen, der wiederum in den Nachbarhäusern freigiebig gestiftet wurde. Auch das Abendbrot mit ordentlichen Schinkenbroten wurde auf den verschiedenen Nachbarhöfen eingenommen. Dieses lustige gemeinsame herumstöbern von Hof zu Hof war gerade das Amüsante dabei und zeugte von der großen Harmonie, die im alten Bickern herrschte.

Am Abend traf sich dann die tanzlustige Jugend in der nächstgelegenen Wirtschaft, wo das junge Paar den Tanz eröffnete und für die Stimmung und Getränke sorgte.

Um 1880 kamen die ausgedehnten Hochzeiten allmählich aus der Mode, da die bis dahin eine große Familie bildende Dorfgemeinschaft durch den Zuzug fremder in ihrer engen örtlichen Begrenztheit aufgelockert wurde.


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*Anmerkung:

Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Scheffel ist ein Raummaß oder auch Getreide Maß. Seine Größenordnung lag zwischen 40 und 230 Litern. Der Rauminhalt des Scheffels schwankte jedoch von Region zu Region. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Türkensteuerliste war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Hobsgut ist ein Gut, das zu einem Hofesverband gehört und zu Abgaben an den Grundherrn pflichtig ist. Ein Bauerngut oder auch nur Gut genannt (Bauernhof) ist ein größeres landwirtschaftliches Anwesen. Freite wird abgeleitet von "freien", was im altdeutschen als umwerben oder auf Brautschau gehen zu verstehen ist.

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Beckmann, F: Das Martinsbuch, Eickel 1769-1853, Eickel 1925.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Zum goldenen Jubiläum des Amtes Wanne, 50 Jahre Amt Wanne, Wanne, 1925.
Daniels, Johannes: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Wanne-Eickel, 1927.
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Tagespresse aus den Jahren 1926, 1952 und 1955.
Interview mit Harald Schalke im März 2016.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Mit freundlicher Genehmigung durch Harald Schalke.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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