Wanne-Eickel-Historie


Direkt zum Seiteninhalt

Hof Vogelsang

Höfe und Kotten

Hof Vogelsang


Der Hof Vogelsang, erbaut 1706 lag in der Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel, an der Reichsstraße. Vom Hof blieben lediglich Teile der Hofbegrenzung in Höhe der Hausnummer 37 übrig.

Im märkischen Schatzbuch von 1486
* wird der Name "Rutger Vogelsanck" erstmals erwähnt. In der Türkensteuerliste von 1542* ist ein "Vogelsanck" verzeichnet und im Türkensteuerregister von 1598* stehen die Namen "Vogelsenck" sowie "Johann Vogelsanck". Im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664* wird "Johann Vogelsangh" als Kötter mit zwei Feuerstellen, deren eine "Johan von Oven" bewohnte mit dem Grundherren "Aschenbroch zu Eickel" genannt, wonach Vogelsangs Besitz 6 Maltersaat*, 1 Scheffelsaat* und 37 Ruten* groß war. Am 22. April 1722 schenkte der Junggeselle Heinrich Vogelsang im Lohof der evangelischen Kirche zu Eickel 5 Thaler* 59 Stüber*, von denen 50 Stüber in die Jahresrechnung verrechnet und 5 Thaler zum Kapital geschlagen wurden. Im Martinsbuch von Eickel wird in einem "Regulativ" von 1733, ein Vogelsang genannt. Er gehörte zum "St. Martins-Hauß", wo er alljährlich am Martinsabend zur Gabe von einem Anker Bier, dies waren etwa 3 Liter, verpflichtet war.

Am 14. Dezember 1776 taucht bei einem Teilungsgeschäft des Eickeler Bruchs der Name Wilhelm Vogelsang als mit beglaubigter auf.
Der Name Vogelsang wird im Martinsbuch als Halbbauer beschrieben, der alljährlich zur Abgabe ein Achtel Scheffel Roggen beim Pflichthaus
* abzugeben hatte.

Ein Teil des Landbesitzes vom Gut Bönninghaus wurde in früher Zeit abgetrennt und dem Hof Vogelsang zugeschlagen. In den Torbalken des Hofes waren folgende Worte geschnitzt:

"Wir aber wissen, so unser irdisch Haus zerbrochen ist, dass wir einen Bau haben, nicht mit den Händen erbaut, der ewig ist im Himmel".

Neben der Bewirtschaftung seines Hofes widmete sich im Jahre 1906 Wilhelm Vogelsang auch der Gemeindearbeit. Als Beigeordneter war er stellvertretender Amtmann und Mitglied des Kuratoriums des Realgymnasiums in Eickel. Wilhelm Vogelsang verstarb am 26. Dezember 1933.

Am 2. Februar 1945, um 23.15 Uhr wurde der Hof bei einem Großangriff auf die Zeche Shamrock 3/4 stark zerstört.

Der letzte Namensträger des Hofes war sein Sohn Wilhelm. Er praktizierte bis Ende 1950 als Arzt in dem neu erbauten Haus Reichsstraße 37. Da seine Ehe kinderlos blieb, erwarb die Stadt Wanne-Eickel im Jahre 1961 den Hof. Durch den Abbruch der Gebäude, konnte der Eickeler Volksgarten im Jahre 1964 erweitert werden.


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Eickel, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Vogelsang ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Eickel, Flur I, genannt Eickel.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Vogelsang ist rot unterlegt. Der Hof befand sich an der Reichsstraße Straße in Höhe der Hausnummer 37.

Blick auf die Höfe Vogelsang links und Bönninghaus rechts im Bild, aufgenommen um 1928. Beide Höfe blieben bis nach den Zweiten Weltkrieg in Familienbesitz.

Ansicht des ehemaligen Hof Vogelsang um 1928 und 1935.

Vom Hof Vogelsang blieben lediglich Teile der Hofbegrenzung über. Die Aufnahmen entstanden im Mai 2013. Bei dem Pfingststurm 2014 wurde die Grenzmauer zerstört und später endsorgt.

*Anmerkung:

Türkensteuerliste war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Das Pflichthaus oder auch Martinshaus, war der Name für die Vereinigung der Eingesessenen der Bauerschaft Eickel. Diese kamen jährlich am Martinsabend 10. November, wenn das Zeichen mit der Glocke gegeben wurde, anfangs auf Schulten Hof, später in einem eigens erwählten Hause zusammen. Die Eingesessenen der Bauerschaft bildeten eine Nachbarschaft im weiteren Sinne. So war es in hiesiger Gegend auch bei den anderen Bauerschaften der Fall. Innerhalb dieser großen Nachbarschaft gab es verschiedene Nachbarschaften. Die Glieder hießen Notnachbarn, denn sie waren verpflichtet in Not und Tod einander beizustehen. Taler, Schreibweise bis 1901 auch Thaler, war ein Typus einer bedeutenden europäischen Silbermünze. Stüber ist die Bezeichnung für Kleingroschenmünzen, die im heutigen Nordrhein-Westfalen etwa vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts geprägt wurden.


zurück...

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Beckmann, Franz: Das Martinsbuch. Eickel 1769-1853. Eickel 1925.
Tagespresse WAZ aus den Jahren 1951, 1955.
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Keinhorst, Hermann: Eickel vom Jahre 774 bis zur Neuzeit. Wanne-Eickel 1965.
Lührig, Heinrich, Zimmerman, Peter: Eickel, ein Heimatbuch in Bildern. Herne 1982.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü