Wanne-Eickel-Historie


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Hof Stratmann

Höfe und Kotten

Hof Stratmann


Der Hof Stratmann lag in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur I, genannt Röhlinghausen zwischen der heutigen Barbarastraße und der Straße Am alten Hof, auf dem Gelände des Volkshauses Röhlinghausen.

Der Hof Stratmann war im 15. Jahrhundert der größte Hof in der Bauernschaft Röhlinghausen. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* von 1486, werden in Bezug auf Hordel, wozu auch Röhlinghausen gehörte, ein "Straitman to Rolinchusen" und ein "Evert Straitman". In der Türkensteuerliste von 1542* wird ebenfalls ein "Stratman" erwähnt. Im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664* ist ebenfalls ein "Stratman, Erbe oder Hobsgut, ein Hof, zwei Feuerstätten, deren eine die Leibzuchterinne* bewohnet" aufgezeichnet. Eine weitere Erwähnung finden wir in einem Grundbesitzverzeichnis aus dem Jahre 1684, wonach Stratmanns Besitz 20 Maltersaat*, 1 Scheffelsaat* und 98 Ruten* groß ist.

Das Haupthaus des Hofes entstand im Jahre 1749. Sieben Jahre später, im Jahre 1756 wurde hier eine Not- und Heckschule eingerichtet. Der Stratmanns Hof spielte in den vergangenen Jahrhunderten in Röhlinghausen eine bedeutende Rolle. Um 1800 hielt man auf dem Stratmanns Hof noch das He(r)verdunker Hofgericht
* ab.

In der Grundsteuer-Mutterrolle von 1810 taugt der Name Strat(h)mann
* als Haus im Kamp am Kirchweg im Diepenbruchsfeld auf.

Der Stratmanns Hof gehörte zum Reichshof Herbede, der wiederum dem Kloster Deutz pflichtig war. Die Gebäude brannten im Jahre 1812 vollständig nieder, wurden aber sofort wieder aufgebaut.

Die Scheunentorinschrift lautete:

Joh. Diedr. Stratmann, Anna Clara Brunstein. "Lass uns kein mehres Feuer wecken, laß uns bei Nacht und Tageszeit nicht ohne Not erschrecken. Wach über uns in Gnad und Gunst, sonst wacht der Wächter gar umsonst". Juni 1808.


Eine weitere Scheunentorinschrift lautete:

Anno 1812. Joh. Wilh. König genannt Strathmann, Maria Sybil Lahhmann. E. LTM. L. D. R Probst im Wilhelm F.B. den 7. April. "Schütz uns hinfort bei Feuerglut, bewahre Leib und Leben, sei Rat und Tat, gib guten Mut, wenn in Gefahr wir schweben. Je größer oftmals wird die Not, je näher seiest du uns, o Gott, lösch aus, was sonst uns brannt."

Der Bergbau verdrängte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Landwirtschaft immer mehr. Eine neue Epoche für den Stratmanns Hof begann am 10. Februar 1921, als die Gemeindevertretung Röhlinghausen, beschloss, den alten Stratmanns Hof einschließlich Wirtschaftsgebäude zu kaufen, zwecks Einrichtung eines Volkshauses (siehe auch: Gebäude und Plätze -
vom Bauernhaus zur öffentlichen Begegnungstätte - das Volkshaus Röhlinghausen).


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Röhlinghausen, aufgenommen vom Geometer Carl Krause, im Juni 1823. Der Hofname Stratmann ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Flur I, genannt Röhlinghausen.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Stratmann ist rot unterlegt.

Der Stratmanns Hof um 1910.

Der Stratmanns Hof nach dem Umbau zum Volkshaus Röhlinghausen im Jahre 1922.

*Anmerkung:

Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahlder Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Leibzucht bedeutet Altenteil oder Witwenunterhalt, (meist bei Hofübergaben) gegenüber einer Person bis zu deren Ableben zu erbringen, vereinbart wird. He(r)verdunker Hofgericht war ein mit eigenen Rechten ausgestatteter freier Reichshof. Alle anfallenden Streitsachen aus der Bauernschaft wurden hier verhandelt und entschieden. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Strat(h)mann, den Familiennamen findet man auch mit Dehnungs-h geschrieben.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt. Herne 1995.
Tagespresse WAZ von 1961, 1992, 2003, 2013.
Broschüre: 85 Jahre Volkshaus Röhlinghausen, die sympathische Veranstaltungsstätte mit Flair. Herne 2008.
Broschüre: 90 Jahre Volkshaus Röhlinghausen 1923-2013. Herne 2013.


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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