Wanne-Eickel-Historie


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Hof Stöckmann

Höfe und Kotten

Hof Stöckmann


Der Hof Stöckmann lag in der Gemarkung Bickern, Flur I genannt Riemker Mark an der Ecke Unser Fritz Straße, Stöckstraße, seit 1958 Am Stöckmannshof. Unweit des Hofes Stöckmann lag der Hof Darwe und der Hof Klostermann sowie der Kotten Buina. In südlicher Richtung befand sich Leppers Busch.

Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Bickern, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Stöckmann (hier eingezeichnet als Stockman) ist rot unterlegt und befindet sich in der Gemarkung Flur I, genannt Riemker Mark.

Der Hof gehörte nach Aufzeichnungen von Gustav Hegler einem Stöckmann.

Hegler schreibt wie folgt:

"Stöckmann hat ein Kempken* und ein Garten (Ecke Stöck- und Unser Fritz Straße), gibt jährlich 30 Albus*. Schäfer Gerds Endann itzo Möller (dieser Kotten ist in späterer Zeit mit Stöckmanns Hof vereint) hat ein Kempken, davon gibt er jährlich 1/2 Thaler*, und von dem neuen 1 Thaler. Courant* facit zusammen 1 1/2 Tahler".

Der Hof gehörte zuletzt Gerds Endann Möller, der hier eingeheiratet hatte. Der Hof behielt weiter seinen alten Namen
*. Denn erlosch die Geschlechtsreihe auf einem der Höfe im Mannesstamme, so nahm der Ehemann der Erbtochter den alten Hofnamen an. Der "neue" Bauer Stöckmann hieß nun: Stöckmann, genannt Möller.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Stöckmann genannt Möller, ist rot unterlegt.

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark* von 1486 wird im Bezug auf "Byckernburschop", ein "Stockmann" genannt.

Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 (Schatboick In Marck A. 1486).

Im Feuerstättenverzeichnis* des Amtes Bochum von 1664 wird in der "Baurschaft Bickeren" unter dem Grundherrn "Hugenpoth zur Horst" ein "Söckmann, Kotter, eine Feuerplatz" erwähnt. Der Stöckmannshof gehörte wahrscheinlich zu den Höfen des Gutes Hörstgen, könnte aber auch ein Unterhof des Gutes Gosewinckel gewesen sein (siehe auch: Hof Bohmert). In einer Aufzeichnung der Grundbesitzer von 1684 wird ein Stöckmann mit der Größe seines Besitzes: 1 Maltersaat*, 1 Scheffelsaat* und 62 Ruten* genannt.

Es ist auf Grund der Größe des Besitzes davon auszugehen, dass es sich bei dem Hof Stöckmann um einen Halbbauern handelte. Das heißt, er nahm eine Mittelstellung ein zwischen einem Bauernhof und einem Kotten.

Der Begriff "Stöckmann" bezeichnet ursprünglich eine handwerkliche Tätigkeit: Stöckmann war derjenige, der die Bäume heranzog und das Pflanzengut, genannt Heister, für die Aufforstung lieferte.

In dem Adressbuch der Ämter Wanne und Eickel aus dem Jahre 1906 wird ein Wilhelm Georg Stöckmann als Landwirt in der Stöckstraße 30 genannt. Wann der Hof Stöckmann erbaut und später der Spitzhake zum Opfer fiel ist nicht überliefert.



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*Anmerkung:
Albus war eine seit dem Spätmittelalter in den Teilen des deutschen Reiches, vor allem im Rheinland, verbreitete Währung. Der Name albus stammt aus dem Latein und bedeutet weiß. Wegen des höheren Silbergehalts differenzierte sich diese hellere Münze farblich von den anderen minderwertigen Münzen. Daraus resultierte der Name denarus albus (weißer Pfennig).
Thaler, ist ein Typus einer großen, von der Frühneuzeit bis ins 19. Jahrhundert bedeutenden europäischen Silbermünze. Silbermünzen, die vom zeitgenössischen Wert her einer goldenen Guldenmünze entsprachen, wurden erstmals 1486 in Hall in Tirol geprägt. Solche Münzen breiteten sich ab 1500 allmählich in ganz Europa und darüber hinaus aus. Die im böhmischen Joachimsthal (heute Jáchymov) geschlagenen Guldengroschen wurden zunächst "Joachimsthaler" und später verkürzt "Thaler" genannt, was zum Gattungsbegriff für Münzen dieser Größe wurde. Der gesetzmäßige Silbergehalt der verschiedenen Taler nahm von den Reichsguldinern (1524) bis zu den Vereinstalern von etwa 27,4 g auf 16,7 g Feinsilber ab. Kurantmünze (ältere Schreibung: Courantmün(t)ze, zu frz. courant "laufend") ist eine "vollwertige, umlaufende, gangbare, kursierende" Münze, deren Nominalwert durch das Metall, aus dem sie besteht, (nahezu) vollständig gedeckt ist. Gegenbegriff ist die Scheidemünze, deren Nominalwert nicht durch ihren Metallwert gedeckt ist. Der Nominalwert der Kurantmünzen war bis zur Aussetzung der Gold- beziehungsweise Silberstandards im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts offiziell über einen Münzfuß definiert, d. h. unmittelbar durch die enthaltene Menge an Edelmetall pro Münze. Kurantmünzen bestehen meist aus Silber oder Gold, ausnahmsweise auch Platinmetalle oder Kupfer. Kleinere Abweichungen der vorgeschriebenen Edelmetallmenge - etwa durch Abnutzung oder einen prozentual geringen Schlagschatz zu Gunsten des Münzherrn - waren oft akzeptiert. Alle Kurantmünzen sind Warengeld - im Gegensatz zu Scheidemünzen, dem Papier- und dem Buchgeld, die alle Fiatgeld sind. Der übliche Bargeldbegriff bezog sich vor 1915 in Deutschland immer nur auf Kurantmünzen. Kurantmünzen wie Scheidemünzen sind Kursmünzen. Kempken oder auch Kamp heißt übersetzt soviel wie, kleines Stück Land. Der Hof vererbte sich vom Vater auf den Sohn, und wenn die männliche Geschlechterreihe erloschen war, nahm der Ehemann der Erbtochter den alten Namen des Hofes an. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.

Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel, 1906.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Stadt Herne: HERNE - von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen.
Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1995.
Wikipedia, die freie Enzyklopädie.

Bildnachweis:
Bildarchiv der Stadt Herne. Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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