Wanne-Eickel-Historie


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Hof Steinberg

Höfe und Kotten

Hof Steinberg


Der Hof Steinberg lag in der Gemarkung Röhlinghausen, Flur II, genannt Bönebruch, in der Wanner Straße 39a, an der heutigen Steinbergstraße, in der Nähe der ehemaligen Zeche Pluto Schacht Thies.

Der Straßenname ist benannt nach der alten Gewannbezeichnung
* "Stemberg" bzw. "Stembergskamp". Ein Hof Steemberg ist bereits im Schatzbuch* der Grafschaft Mark von 1486 genannt, und zwar in "Hoirle" (Hordel), zu dem damals auch Teile von Röhlinghausen gehörten.

Im Türkensteuerregister
* für das Amt Bochum von 1598 erscheint ebenfalls der Name "Stemberg". Das Feuerstättenverzeichnis* von 1664 nennt unter der Grundherrschaft "Gemeind zu Eickel" ein Stembergh Erbe, eine Feuerstätte und Brauhaus mit einem Kessel.

In einem Verzeichnis der Grundbesitzer vom Jahre 1684 wird ein Steinberg als Halbbauer mit der Größe des Besitzes von 3 Malersaat
*, 1 Scheffelsaat* und 88 Ruten* genannt. In der Grundsteuer-Mutterrolle von 1810 taugt der Name Georg Steinberg als Haus im Diepenbruch mit 9 holländische Morgen und 711 Ruten auf. Des Weiteren wird im Jahre 1803 bis 1804 ein Jörgen Steinberg als Kirchenmeister genannt.

Im Jahre 1856 begann man mit dem Abteufen der Schächte auf der Zeche Pluto Schacht Thies. Die Zechenverwaltung kaufte von den Bauern Bönnebruch,
Steinberg und Haumann ein 4,32 Hektar großes zusammenhängendes Gelände für einen Preis von 40.832,71 Mark. Dieses Gelände lag im Norden unmittelbar an der Köln-Mindener Eisenbahn und wurde im Westen durch einen Weg begrenzt, der später zur Gelsenkircher Straße ausgebaut wurde.

Das Haus selbst wurde wahrscheinlich in den 1920 Jahren errichtet. Man muss grundsätzlich bei allen Höfen unterscheiden zwischen der Hofstelle und dem darauf stehenden Haus. Die Hofstellen behalten in der Regel ihren Namen über Jahrhunderte hinweg, über das Alter der darauf befindlichen Häuser sagt dies natürlich nichts aus. Der Hof gab dem in der Nähe liegenden Steinbergkamp seinen Namen, nach dem wiederum die Steinbergstraße im Mai 1976 genannt wurde.


Der Hof Steinberg lag in der Wanner Straße 39a, an der heutigen Steinbergstraße. Das Haus selbst wurde wahrscheinlich in den 1920 Jahren errichtet.


*
Anmerkung:

Der Begriff
Gewannbezeichnung, beziehungsweise Gewann(e)flur, bezeichnet eine Flurform. Gewannnamen finden häufig noch Verwendung bei der Bezeichnung von Bebauungsplänen und vielfach werden Straßen in den Neubaugebieten nach den angrenzenden Gewannen benannt. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1598. Die Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahlder Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Scheffelsaat ist ein Flächenmaß von 1717 Quadratmeter oder 1/3 Morgen. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925. Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen Wanne-Eickel III, Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt, Herne 1995.
Stadtarchiv der Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Herne 1995.
Lührig, Heinrich, Schmitz, Gerhard: Röhlinghausen in alten Ansichten, Zaltbommel/Niederlande 1998.


Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.



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