Wanne-Eickel-Historie


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Hof Schulte Gosewinkel

Höfe und Kotten

Hof Schulte Gosewinkel


Der Hof Schulte Gosewinkel, erbaut 1775 lag in der alten Gewannbezeichnung
* "Frittgras", in der Gemarkung Eickel, Flur II, genannt Dorneburg, an der Friedgrasstraße, in Höhe der Hausnummer 49.

Im Jahre 1358 wurden Henricus von Eclo, Schulte von Eclo, und seine Frau Mette genannt Gosewinckel vom Grafen Dietrich von Limburg mit der "Wulfesmühle" (Wolfsmühle) und zusätzlich mit fünf Morgen
* Land und zwei Wiesen, bei der Mühle im "Gosewinkel" gelegen, belehnt.

Im Jahre 1375 erhält Diederich van Eyckell anlässlich einer Teilung des väterlichen Erbes unter anderem den Schultenhof in Eickel, eine Weide im Eickeler Bruch, die beiden Wiesen im Gosewinkel mit der Kornmühle und "… dat vreitgraes…". In einer Karte von der Lage und Größe der zum Hause Berg gehörenden Grundstücke aus dem Jahre 1787 wird die "Frittgras-Weide" genannt. Diese war 1823 noch 52 Morgen
* groß und gehörte damals zum Hause Dorneburg.

Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Eickel, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Gosewinkel ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gewannbezeichnung "Frittgras" in der Gemarkung, Eickel, Flur II, genannt Dorneburg.

1409 wurde der Oberhof Eickel dem Johann von Eickel zum Lehen gegeben. Dieser errichtete um 1420 Haus Gosewinkel. Da er ohne männliche Erben starb, ging der Besitz an seine Erbtochter Mechthild über, die Nikolaus von Hugenpoth heiratete. Seitdem nannten sie sich "Hugenpoth zum / auf dem Goseqinkel".

Im Jahre 1458 wurde "Johan van Eyckloe, genannt yme Goesswinckel" mit dem halben "Hofe zu Eyckloe" belehnt. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark
* von 1486 werden in "Ekell" (Eickel) "Horstken" und "Hermann opden Oerde" genannt.

Im Jahre 1525 heiratete die Erbtochter Marie von Eickel den "Willm Hugenpoit in dem Gosewinckell". 1558 wird "Johann Hugenpoith zum Gosswinkel" und 1569 "Johan Hugenpot auf dem Goesswinkel" urkundlich erwähnt. 1672 erlosch das Geschlecht Hugenpoth im männlichen Stamm. Die Erbtochter Elenore heiratete Johann Sigismund von Asbeck. Dieser wird am 1. Mai 1691 durch Kurfürst Friedrich III. mit der Kornmühle zu Gosewinkel belehnt. Da die Ehe des Johann Sigismund von Asbeck kinderlos blieb, erwarb nach seinem Tod im Jahre 1697, Konrad von Strünkede auf Dorneburg das Anwesen.

Im Jahre 1725 ist "Carl Freiherr von Strünckede, Herr zu Dorneburg, Gosewinckel, Ekel" der Eigentümer. Das ehemalige Anwesen Gosewinkel erstreckte sich von dem Dorf Eickel bis zur Gemeindegrenze von Wanne. Im Jahre 1736 ist der Lechtape Hof (siehe auch: Die Geschichte des Hofes Lechtape) abgetrennt worden, ebenso ein Kotten in der Langekampstraße. Als die Dorneburg (siehe auch: Die Geschichte zur Dorneburg) 1749 in Konkurs geriet, wurde das Gut Gosewinkel parzelliert und zum Teil verkauft.

Am 21. November 1749 erwarb Caspar Wirth eine nicht genannt Anzahl Morgen, sowie das Gut Gosewinkel. Von Caspar Wirth erbte das Besitztum "Johann Engelberth Möller von Bickern", der mit einer Tochter des Schulten von Eickel vermählt war. Er erbaute im Jahre 1775 das Hofgebäude.


Die Scheunentorinschrift lautete:

SALMON SAGET DURCH WEISHEIT WIRD EIN HAUS GEBAUT UND DURCH VERSTAND ERHALTEN. SPRUCHWÖRTER SALOMONIS Z4. V3.

JOHANN ENGELBERTH MÖLLER VON BICKERN
ANNA GERDRTH SCHULTE VON ECKEL E.L.

HABEN DIES HAUSZ LASSEN BAUEN ANNO 1775 D.19. SEPTM. H. NORTMAN


Ihm folgte Engelbert Schulte in der Wanne. Da dieser kinderlos im Jahre 1837 verstarb, beerbte sein Neffe Johann Engelbert Schulte. Er verstarb im Jahre 1863. Nach dessen Tod führte das Anwesen sein Sohn Engelbert Schulte fort, der sich fortan "Schulte genannt Gosewinkel" nannte.


Der Hof Schulte Gosewinkel, aufgenommen um 1900, lag in der alten Gewannbezeichnung "Frittgras", in der Gemarkung Eickel, Flur II, genannt Dorneburg, an der Friedgrasstraße, in Höhe der Hausnummer 49.

Das Hofgebäude Schulte Gosewinkel, aufgenommen um 1915. Gut zu erkennen, das Scheunentor mit dem Torbalken und der Spruchinschrift.

Der Bergbau verdrängte die Landwirtschaft immer mehr. Eine neue Epoche für den Hof Schulte Gosewinkel begann mit dem Verkauf des Hofes und dem einstigen Weideland des letzten Besitzers "Engelbert Schulte genannt Gosewinkel" an die Zeche Shamrock in Holsterhausen.

In einem Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel aus dem Jahre 1906 finden wir in der Friedgrasstraße den Gärtner Wilhelm Schulte genannt Gosewinkel. Ob auf dem bäuerlichen Anwesen eine Gärtnerei betrieben wurde ist nicht überliefert. Aus dem karthographischen Plan der Ämter Wanne und Eickel nebst Umgebung, Angefertigt in der Vermessungsabteilung des Amtes Wanne im Jahre 1912 ist zu ersehen, dass die Namen der alten Gehöfte nicht mehr verzeichnet sind. Es ist aber deutlich zu erkennen, dass die Fläche von Süden (Friedgrasstraße) nach Norden hin (Kurhausstraße) und von Osten (Dorneburger Straße) nach Westen hin (Hauptstraße) noch unbebaut waren und als Weideland genutzt wurden.


Ausschnittvergrößerung aus den Plan der Ämter Wanne und Eickel nebst Umgebung, Angefertigt in der Vermessungsabteilung des Amtes Wanne im Jahre 1912, Maßstab 1:10000. Druck-Pulchra von C. G. Blanckertz, Düsseldorf. Die Hofstelle Gosewinkel ist namentlich nicht verzeichnet, wurde aber zur besseren Orientierung rot unterlegt.

Wann nun das Hofgebäude abgetragen wurde liegt im Dunkel der Geschichte.
Das zum ehemaligen Hofbereich gehörende Gelände an der Friedgrasstraße wurde in Bauland umgewandelt und mit Reihenhäusern bebaut.

*Anmerkung: Gewannbezeichnung - die Ausdrücke Gewann (süddeutsch auch Gewand), beziehungsweise Gewann(e)flur, (wahrscheinlich vom althochdeutschen wenden) bezeichnen eine Flurform, die vor allem infolge der zelgengebundenen (Flurstücke von landwirtschaftlich genutzten Flächen einer Siedlung) Dreifelderwirtschaft und des Erbrechts entstand. Gewannflur - Parzellenverband schmaler, gleichlaufender, streifenförmiger Grundparzellen in Gemengelage. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel, 1906.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Beckmann, Franz: Das Martinsbuch. Eickel 1769-1853. Eickel 1925.
Höfken, Günther: Zur älteren Geschichte des Oberhofes Eickel in Wanne-Eickel (mit Urkundenanhang) Bochum 1955.
Tagespresse von 1951, 1954 und 1955.
Keinhorst, Hermann, Eickel vom Jahre 774 bis zur Neuzeit, Wanne-Eickel 1963.
Stadt Herne: Herne von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Band 1, Herne 1995.

Bildnachweis: Sammlung Heinrich Lührig.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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