Wanne-Eickel-Historie


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Hof Scharpwinkel

Höfe und Kotten

Hof Scharpwinkel


Der Hof Scharpwinkel lag in der Gemarkung Eickel, Flur II, genannt Dorneburg in der Gewann
* "Cranger Heide". Der Hof stand in der Siedlung des heutigen Scharpwinkelring*. Die alte Anschrift lautete: Herner Straße 2.

Das zwischen Ostberg und der OW III
*, seit 1972 Berliner Straße gelegene Anwesen, wird im Schatzbuch der Grafschaft Mark* von 1486 ein "Johan Scharpwinckell" erwähnt. In der Türkensteuerliste* von 1542 wurde ein "Scharpwinckel" in "Eckell" (Eickel), im Türkensteuerregister* von 1598 ein "Scharpwinckel" und im Feuerstättenverzeichnis von 1664 unter dem Grundherrn "Haus Grimberg" ein "Pfächtiger Schorpwinckel, ein Kötter, eine Feuerstätte" genannt. Die Aufnahme des Grundbesitzes in der Gemeinde Eickel weist Scharpwinkel im Jahre 1664 mit einer Größe von 3 Maltersaat*, 1 Scheffelsaat und 15 Ruten* aus.

Der 1708 erbaut Hof war das letzte strohbedachte Haus des Kreises Bochum.

Die Scheunentorinschrift lautete:

"Wohl dem der den Herrn fürchtet, der große Lust hat an seinen Geboten."

Im Jahre 1885 wurden die alten Hofgebäude durch einen Neubau ersetzt. Bei der Aufteilung der Cranger Heide erhielt der Hof Landzuwachs.
Im Jahre 1906 treffen wir einen August Funke als Landwirt auf den, nach den Vorfahren auch Scharpwinkel Hof genannt, hier an.

Im 19. Und 20. Jahrhundert kaufte ein Teil der Äcker des Hofes die expandierende Eisenbahn. Im Jahre 1927 war Wilhelm Gerwin Pächter des Hofes. Er wurde in der Nacht zum 1. April 1945 durch unbekannte Gewehrschüsse erschossen. Zuletzt beackerte Bauer Schulte vom Langebeckmannshof die Felder des Hofes, die im Jahre 1945 in den Besitz der Bergwerksgesellschaft Hibernia übergingen.

Im Jahre 1954 gehörten nahezu 50 Morgen
* Ackerland zum Hof der in den 1970er Jahre der Neubausiedlung im Scharpwinkelring weichen musste.


Ausschnitt der Urkatasterkarte der Gemeinde Eickel, aufgenommen vom Geometer Krause, im Juni 1823. Der Hofname Scharpwinkel ist rot unterlegt und befindet sich in der alten Gemarkung Eickel, Flur II, genannt Dorneburg in der Gewann "Cranger Heide".

Ausschnitt einer Übersichtskarte der Städte Gelsenkirchen und Herne aus den Jahre 1842. Der Hofname Scharpwinkel ist rot unterlegt.

Ausschnitt einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus den Jahre 1902. Der Hofname Funke, auch Scharpwinkel Hof genannt ist rot unterlegt. Der Hof befand sich an der Herner Straße 2.

Der Scharpwinkel Hof, zwischen Ostberg und der OW III. (Zeichnung Herbert Raddatz).

*Anmerkung:

Die
OW III, Ost-Westverbindung ist die heutige Achse: Gelsenkircher Straße - Berliner Straße - Heerstraße. Gewann bedeutet Lage, Flur. Ursprünglich auch die Ackergrenze, an der der Pflug gewendet wurde. Gewannflure zeichnen sich mehrheitlich durch fruchtbare und gut zu bearbeitende Böden aus. Märkisches Schatzbuch "Schatboick in Mark Anno 1486" wird im Staatsarchiv Münster Aufbewahrt. Es gilt als die wichtigste Geschichtsquelle für die ländlichen Siedlungsverhältnisse in der Grafschaft Mark. Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum aus dem Jahre 1542. Die Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer, welche zur Deckung der Kosten einer dem Kaiser Friedrich III. gegen die "ungläubigen Türken" zu leistenden bewaffneten Hilfe erhoben wurde. Das sogenannte "Türkengeld" wurde am 10. März 1481 ausgeschrieben, und sollte "nur mit Rat und Wissen derer, so von den Landen hierzu geordnet, ausgegeben und gebrauchet werden." Feuerstätten des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664. Für die Kriegskosten des Reiches gegen die Türken erfasste das Amt Bochum die Anzahl der Kamine als Besteuerungsobjekte, dazu die Grundherrschaften, Besitzrechte, Namen, Braukessel und Malzeschen. Diese einzigartige Statistik ist im Original nur noch im Stadtarchiv der Stadt Herne zu finden. Maltersaat ist ein altes Flächenmaß und wurde gerechnet zu 416 Ruten. Es entspricht der Fläche, auf der man einen Malter Getreidesaat ausbringen konnte. Rute ist ein Längenmaß das zwischen 3,6 bis 5 Meter beträgt. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region. Morgen ist ein Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem Pferde- oder Ochsengespann an einem Morgen pflügbar war. Der Morgen wurde meist als Rechteck mit Seiten einer geraden Anzahl lokaler Ruten festgelegt, da beim Pflügen das Wenden möglichst vermieden werden sollte. Das Flächenmaß schwankte von Region zu Region.


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Quellennachweis:
Hegler, Gustav: Eickel-Wanne einst und jetzt, Siegen 1903.
Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel, 1906.
Hegler, Gustav: Aus der Väter Tagen, Bilder zur Heimatkunde von Eickel-Wanne, Wanne 1911.
Tagespresse von 1952 und1954: "Scharpwinkel-Hof liegt an der OW III".
Schulte, Eduard: Liste der Feuerstätten des Amtes Bochum von 1664 (Stadtarchiv Wanne-Eickel).
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Schulte, Eduard: Die Bevölkerung des Amtes Bochum im Jahre 1664.
Veröffentlichung des Archives Wanne Band I. Wattenscheid, 1925.
Der Märker 1951/52: Steuerliste des Amtes Bochum einschließlich des Gerichts Eickel von etwa 1680.
Das Türkensteuerregister von 1598 für das Amt Bochum, herausgegeben von J. Bauermann, Wittener Jahrbuch 1937.

Bildnachweis:
Sammlung Heinrich Lührig.
Preußische Kartenaufnahme von 1842. Original im Besitz der Staatsbibliothek, Preußischer Kulturbesitz.
Kartenauszüge, mit freundlicher Genehmigung durch das Kataster- und Vermessungsamt der Stadt Herne.



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